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Ein junger „Kannibale“ im Rennsattel

Radrennen : Ein junger „Kannibale“ im Rennsattel

Der Pfälzer Niklas Märkl ist ein Hoffnungsträger im deutschen Radsport. Bei der Trofeo ist der 18-Jährige aus Queidersbach ein Favorit.

Es lief ähnlich wie beim bisherigen Höhepunkt seiner jungen Radsport-Karriere: Gleich zu Beginn der Trofeo-Rundfahrt 2017 untermauerte Niklas Märkl, dass er zu den schnellsten Fahrern im weltweiten Junioren-Radzirkus zählt. Der 18-jährige Nationalfahrer aus Queidersbach bei Landstuhl ging am späten Donnerstagabend im Massensprint auf der ansteigenden Zielgeraden kurz hinter dem Ortseingang von Münchwies als Zweiter über die Linie. Ein Fingerzeig an die Konkurrenz: Der Favorit auf den Sieg ist bereit und in Form, was er gestern Abend bei der zweiten Etappe bestätigte.

„Ich denke, die erste Etappe war die schwerste der Rundfahrt. Die habe ich gut überstanden, mit Rang zwei bin ich zufrieden“, sagt der Kapitän des deutschen Nationalteams, räumt aber auch selbstkritisch ein: „Vielleicht habe ich einen kleinen Fehler gemacht und zu spät angetreten. Insgesamt war es in Ordnung. Mal schauen, was die nächsten Tage bringen.“

Mehr als in Ordnung war das, was Märkl im Oktober vollbrachte: Bei der WM  in Katars Hauptstadt Doha gewann er im Juniorenrennen den Sprint der Favoritengruppe und holte sich hinter Solist Jakob Egholm aus Dänemark Silber. Ein „besonderer Augenblick“ sei es gewesen, als die belgische Radsport-Legende Eddy Merckx, als „Kannibale“ bekannt, weil er den Gegnern nicht mal einen einzigen Sieg gönnte, ihm im arabischen Emirat die Medaille um den Hals hing. „Das war mein mit Abstand größter Erfolg.“

Im Schüleralter war er selbst eine Art „Kannibale im Rennsattel“: 2013 lag er fast immer vorne, holte in jener Saison 40 Siege. Jetzt, ein paar Jahre später, fällt es im Juniorenlager schwerer, sich zu behaupten. Zumal der Vize-Weltmeistertitel auch eine Bürde darstellt: „Man ist bekannter, wird von der Konkurrenz viel mehr beachtet“, sagt Märkl, der trotzdem eine Ausnahme-Erscheinung ist und ein Hoffnungsträger für die Zukunft.

Das weiß auch Vater Andreas, der seinen Sohn sportlich begleitet. Und er  weiß um die Erwartungshaltung. „Als Vize-Weltmeister hat es Niklas besonders schwer. Da heißt es in den anderen Teams häufig: einfach dem Märkl nachfahren“, meint der rheinland-pfälzische Landestrainer, der auch als Radsport-Trainer für das Heinrich-Heine-Gymnasium in Kaiserslautern tätig ist. Dort wird Märkl bald sein Fachabitur machen, nachdem er an der Eliteschule des Sports über Jahre alle Unterstützung erhielt, um die Basis für sein Ziel Radprofi zu legen. Sein großer Traum: natürlich die Tour de France. Dafür sitzt der rheinland-pfälzische Nachwuchssportler des Jahres 2016 täglich viele Stunden im Sattel.

Talent alleine reicht nun mal nicht. Auch im Juniorenbereich gilt es, sich durchzubeißen – wie beim Start der 30. Trofeo zu sehen war. Hier hatten sich in den vergangenen Jahren etliche Talente behaupten müssen, ehe ihr Weg steil nach oben ging. „Ich denke, die erste Etappe hat jedem weh getan“, sagt Märkl, der im Vorjahr als jüngerer Jahrgang Elfter und damit bester Deutscher  war. Ob es diesmal sogar zum Gesamtsieg reicht? „Mal schauen, ich will mich nicht zu sehr aus dem Fenster lehnen. Das Zeitfahren am Samstag wird eine wichtige Rolle spielen“, sagt er. Wolfgang Ruser hält den Trofeo-Triumph durchaus für möglich. „Niklas ist unser Topfahrer. Er ist nicht nur sprintstark, sondern kann sich auch am Berg durchbeißen. Er ist nicht der Top-Zeitfahrer, aber die Strecke ist machbar. Wir wollen mit ihm zumindest unter die besten Fünf“, unterstreicht der Junioren-Bundestrainer die Ambitionen des deutschen Jungstars.