Ein goldener Hauch vom WM-Titel

Dem WM-Pokal einmal ganz nah sein: Diese Chance haben jeweils 2014 Besucher am Samstag und Sonntag in Wallhalben und Homburg genutzt, als die „Ehrenrunde“ des Deutschen Fußball-Bundes Station in der Region beim VfL und FCH machte.

Der FCH-Vorsitzende Herbert Eder hat sich die Chance, dem WM-Pokal einmal ganz nah zu sein, gestern in Homburg auch nicht nehmen. Foto: Markus Hagen Foto: Markus Hagen
Die Wartezeit wird den Fans durch Erinnerungsstücke an die vier WM-Titel der deutschen Mannschaft verkürzt. Foto: Marco Wille Foto: Marco Wille

"Ab hier gilt nun allerhögschde Aufmerksamkeit!" Im typisch badischen Dialekt dröhnt die Stimme von Joachim Löw aus den Boxen. Der Fußball-Bundestrainer spricht in der Einleitung im abgedunkelten ersten Trakt der "Ehrenrunde" des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) im Showtruck zu den Gästen in Wallhalben. Die Namen der Startelf vom WM-Finale am 13. Juli 2014 gegen Argentinien laufen durch LED-Schriftzeichen längs an einer Wand entlang, ziehen die Aufmerksamkeit auf sich. "Anstoß" leuchtet auf - nun starten noch einmal die 120 Minuten vom Finale in Rio zusammengefasst in 120 Sekunden. Auch akustisch durchlaufen die Besucher das Spiel durch die Original-Kommentare aus dem TV noch einmal im Schnelldurchlauf: "Chance für Messi. Puuh, das war knapp, erstmal durchatmen." Das Kopfkino läuft auf Hochtouren, im Bauch beginnt wieder dieses nervöse Kribbeln von damals. Endlich die 113. Minute. André Schürrle geht auf der linken Seite durch, passt auf Mario Götze - der trifft zum 1:0. Der Stadionjubel schallt aus den Boxen. Die letzten Sekunden werden heruntergezählt. Als Philipp Lahm den Pokal in den Nachthimmel von Rio streckt, ist die Show beendet und es geht einen Raum weiter. Der goldene WM-Pokal rückt ein Stück näher. Am Ende des Ganges steht er auf einem Sockel. Der Wunsch, ihn in den Händen zu halten, in die Luft zu recken, wächst. Doch so nah wie die Weltmeister kommen die Besucher der Trophäe nicht. Er steht in einer Vitrine, die nicht berührt werden darf. Anfassen ist nicht möglich, ablichten für die Fans untersagt. Zwei Fotografen des DFB und ein Kamerateam fotografieren und filmen drauf los. Das persönliche Bild neben der Vitrine mit dem Pokal können die Besucher jeder Station der "Ehrenrunde" des DFB erwerben oder online mit dem persönlichen Code unter kampagne.dfb.de herunterladen. Nach ein paar Minuten ist der Zauber vorbei. Um keinen Besucherstau zu fabrizieren, und allen 2014 Ticketinhabern den Weg vorbei am Pokal zu ermöglichen, geht es weiter Richtung Anschauungstafeln, in deren Mittelpunkt die Weltmeistermannschaften '54, '74, '90 und 2014 stehen. Die älteren Besucher bleiben länger bei den Helden von Bern um Fritz Walter stehen, die jüngeren, vor allem die Mädels bleiben an den aktuellen Weltmeisterfotos hängen. Ab hier ist auch das Fotografieren mit dem Handy wieder erlaubt - und wird kräftig ausgenutzt. Opa Willi Hunsicker aus Schmitshausen berichtet seinen beiden Enkeln Paul (acht) und Anna (15) von den ersten drei WM-Titeln, den vierten Erfolg haben die beiden Fußballfans selbst miterlebt. Paul hat den Pokal "sehr schön" gefunden und erzählt, dass der Neffe Marlon von Miroslav Klose in seiner Klasse und mit ihm befreundet ist. Pauls Schwester Anna hat mehr Augen für Thomas Müller , den sie am besten findet. "Der WM-Pokal hier bei uns in Wallhalben ist das verdiente i-Tüpfelchen für alle Fans der Region und vor allem für alle Teilnehmer und Helfer unseres 75-Stunden-Dauerfußballmatches", freut sich Dirk Stiwitz, Vorstandsmitglied des VfL über die "einmalige Aktion". Der C-Ligist wurde als eine von insgesamt 63 Stationen im Vorfeld vom DFB ausgewählt, bei der die begehrte Sporttrophäe in zwei Showtrucks den Fans präsentiert wird.

Schon gut 45 Minuten vor dem offiziellen Einlass in den DFB-Sondertruck stehen die Fußballfans auch auf dem Homburger Christian-Weber-Platz Schlange. Dieses einmalige Ereignis, das auf Initiative des FC Homburg gestern Nachmittag stattgefunden hat, lockt über 2500 Besucher in die Innenstadt. Die 2014 Einlass-Tickets zur WM-Trophäe waren zu diesem Zeitpunkt längst vergriffen. Viel Wartezeit müssen die Fans investieren, die sich neben dem Pokal ablichten lassen wollen. Aber die gut 60 Minuten lohnen sich, wie Sandra Cloß-Schmöger aus Dittweiler erklärt: "Für so ein tolles Erlebnis, stehe ich sehr gerne an. Es war toll, einmal neben diesem Pokal zu stehen, den man ja sonst nur aus dem Fernsehen von der WM und dem Empfang der deutschen Nationalmannschaft in Berlin kennt." Cloß-Schmöger war mit ihrem sieben Jahre alten Sohn Jonathan gemeinsam im Truck. Ihr älterer Sohn Maximilian war später an der Reihe. Er spielt bei der C1 des FC Homburg und schaut sich die Trophäe mit seiner Mannschaft an. Die Besucher in Homburg sind begeistert. Auch Fabian Fuchs und Daniel Jung von der U15 der Grün-Weißen. "Es war schon ein geiles Gefühl, dem Pokal so nah zu sein", sagt Fuchs und sein Teamkollege Daniel Jung spürt "so ein richtiges Gänsehautgefühl". Man könne so ein Erlebnis wirklich nur jedem empfehlen, findet FCH-Fan Robert Junzok-Messerle. Er hat sich schon seit Wochen auf dieses Ereignis gefreut, wie auch der Vorsitzende des Regionalligisten, Herbert Eder. "Mein Herz schlägt bei einer solchen Aktion schon noch höher", beschreibt Eder seine Gefühle. Er freut sich, dass der FC Homburg bei der Bewerbung für diese Aktion ausgewählt wurde. Eder: "Es ist schon was ganz Besonderes, den Pokal live zu sehen."