Eishockey-Regionalliga Die Hornets greifen jetzt nach dem Titel

Zweibrücken · Eishockey-Regionalligist EHC Zweibrücken hat das entscheidende fünfte Spiel um den Einzug ins Finale um die Meisterschaft gewonnen. Die Hornets um den Kapitän und zweifachen Torschützen Stephen Brüstle fegten den Heilbronner EC vor 839 Zuschauern mit 7:1 aus der Ice-Arena. In der Final-Serie wartet der Stuttgarter EC.

 Die Hornets und ihre Fans unter den 838 Zuschauern in der Ice-Arena sind aus dem Häuschen. Der EHCZ löst mit einem rauschenden 7:1-Sieg über Heilbronn das Finalticket und kann den Titel zum zweiten Mal seit 2017 in die Rosenstadt holen. In der Playoff-Finalserie wartet Stuttgart.

Die Hornets und ihre Fans unter den 838 Zuschauern in der Ice-Arena sind aus dem Häuschen. Der EHCZ löst mit einem rauschenden 7:1-Sieg über Heilbronn das Finalticket und kann den Titel zum zweiten Mal seit 2017 in die Rosenstadt holen. In der Playoff-Finalserie wartet Stuttgart.

Foto: Martin Wittenmeier

„4 - 3 - 2 - 1 ...“ Die Hornets-Fans in der Zweibrücker Ice-Arena zählen am Sonntagabend die Sekunden herunter. Als einen Augenblick später die Schluss-Sirene die Partie der Eishockey-Regionalliga zwischen dem EHC Zweibrücken und dem Heilbronner EC beendet, entlädt sich die Begeisterung auf dem Eis und auf der Tribüne in ohrenbetäubendem Jubel. „Finale oh oh ...“, stimmen die Hornets-Anhänger unter den 839 Zuschauern an – denn ihr Team hat soeben mit einer rauschenden Eishockey-Gala das Endspiel-Ticket gelöst. Die Zweibrücker gewannen das entscheidende fünfte Halbfinalspiel gegen den amtierenden Meister Heilbronn mit 7:1 (2:0/3:1/2:0) und fordern nun den Stuttgarter EC in der Final-Serie. Wer als erstes drei Partien gewinnt, ist neuer Meister.

Die Feierlichkeiten in der Ice-Arena am Sonntag waren das emotionale Kontrastprogramm zu jener Stimmung, die bei den Zweibrückern 48 Stunden vorher dominiert hatte. „Zu Tode betrübt“ seien die Spieler nach der vierten Halbfinalpartie am Freitagabend in Heilbronn gewesen, sagte Trainer Ralf Wolf. Da hatten die Hornets ihren ersten Matchball zum Finaleinzug vergeben. Der EHCZ unterlag trotz der Tore von Fabian Fellhauer, Michael Morrissey und Marco Trenholm mit 3:5. Danach stand es in der Halbfinal-Serie 2:2. Die fünfte Partie musste also die Entscheidung bringen, welches Team sich in die Sommerpause verabschiedet. Die Zweibrücker hielten dem Druck eindrucksvoll stand – und veranlassten ihren Trainer anschließend zu Lobeshymnen. „Nach der Niederlage in Heilbronn haben sich die Jungs Gedanken gemacht, haben gezweifelt. Aber nicht lange. Wie sich meine Mannschaft in dieser Saison immer wieder neu motiviert, fokussiert und auf eine veränderte Situation einstellt, das hat mich beeindruckt“, sagte Wolf. Und ergänzte: „Die Mannschaft war nie sprachlos – sie hat immer die richtige Antwort parat gehabt.“

So auch am Sonntagabend. Den Torreigen im Entscheidungsspiel gegen die Eisbären zu eröffnen, war Sache des Kapitäns. Stephen Brüstle zog unter Bedrängnis von der blauen Linie ab – 1:0 für den EHCZ nach elf Minuten. Erik Betzold erhöhte noch vor der ersten Drittelpause auf 2:0 (18.). Im zweiten Abschnitt war es dann wieder Brüstle, der die Scheibe aus ähnlicher Position wie bei seinem ersten Tor im Netz unterbrachte (30.). 

Der fünfte Streich: Zweibrückens Justin Grillo (Mitte) bringt die Hornets hier mit 5:0 in Führung. Louis Busch im Tor der Eisbären hat keine Chance.

Der fünfte Streich: Zweibrückens Justin Grillo (Mitte) bringt die Hornets hier mit 5:0 in Führung. Louis Busch im Tor der Eisbären hat keine Chance.

Foto: Martin Wittenmeier

Das freute Trainer Wolf ganz besonders. Denn sein Spielführer hatte in dieser Spielzeit vorher noch keinen Treffer erzielt. Nun brachte er die Hornets per Doppelpack auf die Siegerstraße. „Im Training schießt Stephen von der blauen Linie ein Tor nach dem anderen. Ganz präzise. Ich weiß, wie hart er arbeitet. Es war nur eine Frage der Zeit, bis es im Spiel klappt – Stephen hat sich die Tore eben für die wichtigen Partien aufgehoben“, sagte Wolf. Der aber betonte, dass auch seine Spieler in vorderster Reihe, „die ganz viel Betrieb gemacht und dem Torwart die Sicht versperrt haben“, ihren Anteil an den Treffern hatten.

Der Torhunger von Wolfs Mannschaft war im Anschluss aber noch lange nicht gestillt. Die Hornets ließen gar keinen Zweifel daran aufkommen, wer das Eis als Sieger verlassen würde, und stachen im Mittelabschnitt noch zwei Mal zu. Frederic Hellmann (34.) und Justin Grillo (35.) schraubten den Vorsprung auf 5:0 in die Höhe. Dann sendete zwar auch der Gegner ein erstes Lebenszeichen. Das 1:5 der Eisbären durch Moritz Kuen (37.) sollte aber das letzte bleiben.

Die Zweibrücker überzeugten läuferisch und kämpferisch. Hier setzt sich Fabian Fellhauer (links) gegen Heilbronns Tim Heintz durch.

Die Zweibrücker überzeugten läuferisch und kämpferisch. Hier setzt sich Fabian Fellhauer (links) gegen Heilbronns Tim Heintz durch.

Foto: Martin Wittenmeier

Die Gäste machten es dem EHCZ an diesem Abend aber auch nicht allzu schwer und kassierten insgesamt zwölf Zeitstrafen. Wolf lobte daher auch seine „Special Teams“, die die numerische Überlegenheit eiskalt ausnutzten. Im Schlussabschnitt trafen wieder nur die Zweibrücker. Claudio Schreyer (44.) und Marco Trenholm (51.) sorgten für den Endstand.

Im Vergleich zur Niederlage gegen die Eisbären 48 Stunden zuvor „waren wir variabler, haben die Zweikämpfe ganz anders geführt. Wir haben die Geschwindigkeit hochgehalten, die Heilbronner in Bewegung gebracht und uns in jeden Schuss geworfen“, analysierte Wolf. Der amtierende Meister sei „ein würdiger Halbfinal-Gegner“ gewesen. „Aber über die kompletten fünf Spiele gesehen, finde ich, dass wir verdient weitergekommen sind“, sagte der 43-Jährige. „Es war eine lange, auch zermürbende Serie, bei der es darum ging, sich immer wieder neu auf den Gegner einzustellen und Anpassungen vorzunehmen. Das ist uns gelungen“, lobte Wolf.

Dass sein Team es so spannend gemacht und das Finalticket erst im allerletzten Spiel gelöst hatte, sieht der Trainer mit gemischten Gefühlen. „Für mein Nervenkostüm und meine Nachtruhe wäre es gar nicht schlecht gewesen, einfach in drei Spielen weiterzukommen“, sagte Wolf mit einem Schmunzeln. Dass die Hornets gegen Heilbronn unter riesigem Druck standen – und diesem standhielten – könne aber auch ein Vorteil sein, meinte der Trainer. Denn Finalgegner Stuttgart spürte diesen Druck bislang noch nicht, gewann seine Halbfinal-Serie gegen den ESC Hügelsheim nach 2:0-Führung recht souverän mit 3:1.

Am Sonntagabend treffen die beiden Finalisten im ersten Spiel aufeinander. Weil Zweibrücken die Hauptrunde als Erster abgeschlossen hat, darf der EHCZ zu Hause beginnen. Der erste Puck fällt um 19 Uhr. In der Hauptrunde konnten die Hornets übrigens alle drei Begegnungen gegen die Schwaben gewinnen. „Das wird sie noch mehr anstacheln, uns schlagen zu wollen, ist sich Wolf sicher“. Und ergänzt kämpferisch: „Aber das werden wir nicht zulassen“. Denn die Zweibrücker spielen nicht nur für eine Trophäe im Vitrinenschrank, sondern auch um die künftige Zusammensetzung der Spielklasse. Die Stuttgarter würden – in Gegensatz zu Zweibrücken – im Falle einer Meisterschaft in die Oberliga aufsteigen. Da die Regionalliga Südwest nach dem Rückzug mehrerer Teams mittlerweile ohnehin nur noch aus sieben Mannschaften besteht – und in den vergangenen Jahren auch niemand in die Klasse aufsteigen wollte – wäre der Gang der Stuttgarter eine Etage nach oben für die Liga ein herber Verlust. „Ja, wir spielen auch für die Attraktivität der Regionalliga Südwest und würden Stuttgart deshalb gerne bei uns behalten“, räumt Ralf Wolf offen ein.

Die Chance, dass dies gelingt, sei da. Insbesondere weil „uns zu Hause erstmal jemand schlagen muss“, sagt Wolf. Das gelang in dieser Saison nämlich nur einer Mannschaft – dem ESC Hügelsheim im November vergangenen Jahres.

Damit das so bleibt, wollen Wolf und seine Hornets den Fokus ab dem ersten Training am Dienstag „100 Prozent auf Stuttgart richten“. Denn eines hätten er und sein Team in dieser Saison gelernt, erklärt der Trainer: „Erfolg gehört dir nicht. Du musst immer wieder investieren und hart arbeiten, wenn du ihn behalten willst.“ Der Lohn dieser Arbeit war am Sonntagabend eine rauschende Eishockey-Party vor begeisterten Zuschauern in der Ice-Arena. Ob es auch für den Titel reicht? Das werden die kommenden Wochen zeigen.

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