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EHC Zweibrücken kann perfekte Hinserie hinlegen

Eishockey-Regionalliga : „Mit jedem Sieg wächst auch die Fallhöhe“

Eishockey-Regionalligist EHC Zweibrücken reist am Freitag nach Bietigheim und empfängt am Sonntag Mannheim zum Hinrunden-Abschluss.

Die perfekte Hinrunde – auch sie würde Ralf Wolf nicht vor Euphorie bersten lassen. „Wenn es so kommt, nehmen wir das gerne mit. Aber was können wir uns denn davon kaufen?“, fragt der Trainer des Eishockey-Regionalligisten EHC Zweibrücken vor dem Doppelspieltag seiner Mannschaft an diesem Wochenende. Am Freitag um 20 Uhr treten die Hornets zunächst auswärts beim SC Bietigheim-Bissingen 1b an. Das ist allerdings bereits das erste Spiel der Rückrunde. Am Sonntag empfängt der EHCZ dann um 18 Uhr die EKU Mannheim in der Ice-Arena. Die „Mad Dogs“ sind der einzige Gegner in der Spielklasse, mit dem die Hornets in dieser Saison noch nicht die Schläger gekreuzt haben. Gegen die acht anderen Teams stand der EHCZ bereits auf dem Eis. Acht Mal hieß der Sieger: Zweibrücken.

Ein Sieg am Sonntag würde folglich eine makellose Hinserie perfekt machen. Doch auch unabhängig davon spricht so ziemlich jede Statistik in dieser Spielzeit für die Hornets: Die Zweibrücker haben die mit turmhohem Vorsprung meisten Tore erzielt, sind eines der Top-Teams in Sachen Power Play sowie Penalty Killing. Und die Scorer-Liste der Regionalliga wird nicht von einem Hornet angeführt – sondern gleich von einem Hornissen-Quintett. Claudio Schreyer (24 Punkte), Dan Radke, Erik Betzold (beide 22), Dustin Bauscher (20) und Joshua Mikes (18) belegen die Plätze eins bis fünf. Ihr letztes Spiel gewannen die Zweibrücker – ersatzgeschwächt – mit zehn Toren Vorsprung: 13:3 hieß das Ergebnis gegen Bietigheim.

Es sind Zahlen, die Ralf Wolf registriert – aber nicht glorifiziert. Im Gegenteil: „Mit jedem Sieg wächst auch die Fallhöhe“, warnt der 41-Jährige nüchtern. Und er spricht aus Erfahrung. Die Hauptrunde der Saison 2019/20 schlossen die Zweibrücker als souveräner Tabellenführer ab, galten als Titelfavorit Nummer eins. Doch im Playoff-Halbfinale gegen Heilbronn war Endstation. „Dann sitzt du in der Kabine, schaust dich entgeistert an und fragst: Wie konnte das nur passieren“, erinnert sich der Trainer, der einräumt, dass ihm jenes Ausscheiden „lange nachgehangen“ habe: „So etwas vergisst man nicht einfach.“

Auch in der aktuellen Runde sei alles, was vor den K.o.-Spielen kommt, im Titelrennen im Grunde nur der Aufgalopp. „Die Playoffs sind eine andere Welt. Die Lockerheit ist weg, wenn dein Kopf dir sagt, dass nach zwei Spielen alles vorbei sein kann“, weiß Wolf. Verletzungen zum falschen Zeitpunkt könnten jede noch so starke Hauptrunde zunichtemachen. Und wie der Kader der Ligarivalen im neuen Jahr aussehe, sei ja auch noch nicht klar, ergänzt der Trainer. Denn die Wechselfrist im Winter läuft bis Ende Januar.

Etwas Gutes könne das Playoff-Aus gegen Heilbronn an jenem Freitagabend im März 2020 vor diesem Hintergrund gehabt haben. „Wir haben damals den Preis bezahlt – und aus der Erfahrung gelernt“, sagt Wolf. Er glaubt nicht, dass sich seine bislang so dominante Mannschaft vom bisherigen Saisonverlauf blenden lässt, sich einem trügerischen Gefühl der Sicherheit hingibt. So auch nicht am Freitagabend beim Tabellensechsten Bietigheim. Dass die Hornets das letzte Duell am vergangenen Spieltag in der Ice-Arena mit 13:3 für sich entschieden, spiele keine Rolle mehr, sagt Wolf. „Wir sind Favorit. Aber wir sind nicht naiv. Wir wissen, dass das kein Selbstläufer wird. Diese Reife besitzen wir.“ Vorsicht sei alleine deshalb geboten, weil bei den Baden-Württembergern anderes Personal auf dem Eis stehen werde als vor einer Woche, Zum Beispiel der tschechische Torwart Frantisek Gistr, der in Zweibrücken fehlte.

Zudem sei die Vorbereitung der Hornets „nicht optimal“, sagt der Trainer. „Das ist sie bei Partien am Freitagabend nie. Die Spieler sind berufstätig, wir reisen erst spät an. Die Abläufe sind nicht wie gewohnt. Dort müssen wir uns erstmal die Beine freilaufen“, erklärt Wolf. Der sich dennoch sehr auf die Partie freut. Die wird nämlich in der 4500 Zuschauer fassenden EgeTrans-Arena stattfinden, wo auch die erste Mannschaft der „Steelers“ ihre Bundesliga-Spiele austrägt. „Dort schnuppern wir ein wenig DEL-Luft“, schwärmt Wolf.

Personell sieht es bei seiner Mannschaft allerdings nur wenig besser aus als vor einer Woche, als die Hornets Bietigheim mit nur zwölf Spielern aus der Ice-Arena fegten. Stürmer Erik Betzold ist zwar wieder dabei. Und ein Einsatz von Verteidiger Leon Kremer ist zumindest nicht ausgeschlossen. Auf Tom Schickedanz, Chris Werth, Sascha Göth und Felix Stokowski muss der EHCZ aber weiter verzichten. „Ich glaube nicht, dass wir mit drei kompletten Reihen antreten können“, bedauert Wolf.

Auch zwei Tage später im Heimspiel gegen den Tabellensiebten Mannheim erwarte seine Mannschaft eine schwere Aufgabe, prophezeit er. Zum einen weil die Mad Dogs „eine talentierte Mannschaft mit vielen Spielern haben, die bei den Jungadlern Mannheim ausgebildet wurden. Die werden heiß darauf sein, uns die erste Niederlage zuzufügen“, so Wolf. Zum anderen, weil das zweite Spiel binnen 48 Stunden für seine Hornets eine körperliche Belastungsprobe sei. „Das ist extrem. Gerade weil uns das letzte Spiel mit zwölf Mann immer noch ein wenig in den Knochen steckt.“

Deutlich größere Sorgenfalten bereitet Wolf aber eine Entwicklung abseits des Sportlichen. „Corona schwebt wieder wie eine dunkle Wolke über uns“, hadert der Trainer. In Sachsen wurde angesichts rapide steigender Infektionszahlen die sogenannte „Belastungsstufe“ erreicht. Zahlreiche Amateursportarten sind dort bereits (wieder) zum Erliegen gekommen. In Rheinland-Pfalz sieht die Situation zwar ein wenig freundlicher aus. Und dennoch: „Es wäre wichtig für uns, die Saison zu Ende spielen zu können“, sagt Ralf Wolf. Wichtiger jedenfalls als eine perfekte Hinrunde. Auch wenn der Trainer diese am Sonntag zumindest ganz gerne mitnehmen würde