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EHC Zweibrücken in Planung einer unsicheren Saison in der Eishockey-Regionalliga

EHC Zweibrücken : „Wir haben hier eine Verantwortung“

Die Heimspiele des Eishockey-Regionalligisten EHC Zweibrücken dürfen nächste Saison Stand jetzt nur 250 Zuschauer in der Ice-Arena mitverfolgen. Das würde einen Einnahmeverlust von rund 50 000 Euro bedeuten. Der Vorstand des Vereins setzt derzeit alle Hebel in Bewegung, um die Finanzierung der Runde zu sichern.

Zweibrücken Für Außenstehende ist Thorsten Rehfeld im Moment nicht zu beneiden. Zusammen mit dem Vorstandsteam und der sportlichen Leitung des Eishockey-Regionalligisten EHC Zweibrücken muss er eine Saison planen – die sich aktuell kaum seriös planen lässt. Zu viele Unwägbarkeiten und zu viele offene Fragen hat Corona mit sich gebracht. Die vielleicht dringendste: Werden in der neuen Saison tatsächlich nur 250 Zuschauer bei den Heimspielen der Hornets dabei sein dürfen? Das schreiben die bis vorläufig 30. August geltenden Pandemie-Gesetze in Rheinland-Pfalz nämlich vor. Die Einschränkungen wären für den Verein, der letzte Saison im Schnitt rund 750 Gäste in der Ice-Arena begrüßen dürfte, ein harter Schlag, der mit finanziellen Einbußen von etwa 50 000 Euro ins Kontor schlagen wird, schätzt Rehfeld.

Sein Glaube daran, dass die Beschränkungen noch in diesem Jahr aufgehoben oder zumindest gelockert werden, schwindet mit Blick auf die aktuellen Entwicklungen. „Vor ein paar Wochen war meine Hoffnung noch größer. Aber jetzt die Reisewarnung für Mallorca... Gefühlt gibt es jeden Tag neue Hiobsbotschaften“, sagt Rehfeld und seufzt. „Hoffnung habe ich zwar immer noch“, ergänzt er, „aber woraus ich die ziehe, weiß ich selbst nicht so genau.“ Die leeren Ränge sind aber nicht nur ein finanzielles Problem. Auch die stimmungsvolle Atmosphäre bei den Heimspielen der Zweibrücker, die in der Regionalliga vermutlich einmalig ist, würde unter den Einschränkungen leiden, hadert der 49-Jährige.

Grundsätzlich bleibt Rehfeld aber Optimist. „Die Planung ist schon richtig schwierig momentan. Auf der anderen Seite ist das aber auch eine spannende Aufgabe. Und eine, die mir viel Spaß macht“, sagt das EHCZ-Vorstandsmitglied, das seit Dezember 2017 als Leiter der Bereiche Öffentlichkeitsarbeit und digitale Medien fungiert. Aber auch bei sportlichen Entscheidungen und der Verpflichtung von Neuzugängen stark eingebunden ist.

Zumindest einige der offenen Fragen sind vom Eissportverband Baden-Württemberg, der sich für die Durchführung der Regionalliga Südwest verantwortlich zeichnet, zuletzt geklärt worden. Die Saison wird in einem „anderthalbfachen Modus“ gespielt. Das heißt, jedes der neun Teams in der Spielklasse trifft in der regulären Saison vor den Playoffs drei Mal auf jeden Konkurrenten. Auch der Saisonstart der Hornets ist mittlerweile terminiert. Der EHCZ soll „aller Voraussicht nach“ am 2. Oktober mit einem Heimspiel in die Runde einsteigen. Bis spätestens Oktober werde es auch wieder Eis in der Peter-Cunningham-Memorial-Arena geben, versichert Rehfeld.

Doch viele andere Fragen bleiben: Wie soll das Hygienekonzept des EHCZ konkret aussehen? Wie gestalten sich die Fahrten zu den Auswärtsspielen? Dürfen die Hornets den für Sponsoren wichtigen VIP-Raum öffnen? Könnten im Bereich der Stehplätze – die nächste Saison tabu sind – weitere Bänke installiert werden? Und wer bekommt überhaupt die 250 Tickets für den Fall, dass nicht doch mehr Zuschauer in die Ice-Arena dürfen? Schließlich hat der Verein in der letzten Saison allein 400 Dauerkarten verkauft. „Ein Mitglied hat vorgeschlagen, dass wir einfach losen sollen. Aber ich tue mich schwer damit, dass einer unserer Anhänger, der seit acht Jahren eine Dauerkarte hat, leer ausgeht, wenn er Pech hat“, sagt Rehfeld. Deshalb werde der Verein womöglich all jenen Fans, die schon seit drei Jahren dabei sind, ein Vorkaufsrecht einräumen. Der Rest würde ausgelost. Tagestickets wird es in der nächsten Saison voraussichtlich nicht geben. Und auch die Preisgestaltung der Dauerkarten ist schwierig. Zwar haben neun Mannschaften für die Regionalliga gemeldet. Ob sie tatsächlich an den Start gehen, stehe aber noch nicht in jedem Fall zu hundert Prozent fest, weiß Rehfeld. Ob die Hornets somit überhaupt ihre zwölf Heimspiele bestreiten werden, ist noch gar nicht sicher.

Um all jene Fragen zu klären, steht Rehfeld „täglich“ mit dem Führungsteam des EHCZ in Kontakt. Bereits vorletzte Woche wurde eine Vorstandssitzung abgehalten. Eine weitere soll in dieser Woche folgen. „Das übergeordnete Thema ist dabei immer: Unter welchen Umständen können wir uns die Runde finanziell leisten“, sagt der 49-Jährige.

Eines der dringendsten Probleme angesichts der ungewissen Finanzlage ist die Kaderplanung. Denn viele Verträge der Spieler müssen wegen Corona neu ausgehandelt werden. Es geht vor allem um die Höhe der Aufwandsentschädigungen, die der Verein im Falle drastisch geminderter Zuschauereinnahmen nicht im Umfang der letzten Saison wird zahlen können. Doch auch in dieser Hinsicht ist Rehfeld vorsichtig positiv gestimmt. „Das Gros des Teams hat Einbußen bereits zugestimmt. Einige haben sich aber noch Bedenkzeit erbeten. Das ist auch vollkommen okay. Vom Eishockey in der Regionalliga kann niemand seinen Lebensunterhalt bestreiten, aber für einige sind die Aufwandsentschädigungen schon wichtig. Die Signale, die wir bislang bekommen haben, sind aber positiv.“ Nach der grundsätzlichen Zustimmung über die Einbußen müssten jetzt aber noch die „Vertragsdetails“ geklärt werden. Und dennoch: Dass der Großteil des Teams offenbar auch für weniger Geld für die Hornets auflaufen wird, zeige „definitiv den Geist der Mannschaft“, schwärmt Rehfeld, der insbesondere Verteidiger Felix Stokowski hervorhebt: „Felix hat gleich gesagt: Der Verein hat mir so viel gegeben. Jetzt gebe ich was zurück.“ Auch die Sponsoren halten dem EHCZ die Treue, freut sich Rehfeld. Was nicht selbstverständlich sei, da noch nicht geklärt ist, ob die überhaupt den VIP-Raum in der Ice Arena nutzen dürfen, betont das Vorstandsmitglied.

Weil der finanzielle Verlust ob der voraussichtlich fehlenden Zuschauereinnahmen dennoch beträchtlich sein wird, wollen die Hornets auf anderem Wege Einnahmen generieren. „Wir haben viele kreative Ansätze“, sagt Rehfeld. Er kann sich zum Beispiel Retter-Dauerkarten oder Retter-Schals vorstellen. Denn bereits die 100 Mund-Nasenschutz-Masken mit dem Hornets-Emblem, die der Verein geordert hatte, seien alle an die Anhänger verkauft worden. Auch ein zahlungspflichtiger Streaming-Dienst von den Heimspielen der Hornets steht zur Diskussion. Neben technischen Hürden müsse hier aber zunächst das passende Equipment angeschafft werden. „Wenn wir dafür Geld verlangen, können wir für die Übertragung nicht jemandem mit dem Handy in die Halle stellen“, sagt Rehfeld.

 Thorsten Rehfeld vom EHC Zweibrücken.
Thorsten Rehfeld vom EHC Zweibrücken. Foto: EHCZ

Trotz aller Hindernisse und offener Fragen: Dass die Hornets versuchen, die Corona-Krise auszusitzen und sich solange vom Spielbetrieb zurückziehen bis wieder Normalität herrscht, sei keine Option gewesen. „Der EHCZ - das ist ja nicht nur die erste Mannschaft. Das ist auch unsere 1b. Und das sind ganz viele Kinder und Jugendliche. Ihnen gegenüber haben wir eine Verantwortung, das alles hier am Laufen zu halten“, sagt Rehfeld. Der auch in den kommenden Wochen eine Saison planen muss – die sich noch kaum seriös planen lässt. Eine spannende Aufgabe, die Thorsten Rehfeld viel Spaß macht – und um die ihn trotzdem nicht jeder beneiden dürfte.