Eishockey-Regionalliga „Wille – harte Arbeit – und die Fans im Rücken“

Zweibrücken · Eishockey-Regionalligist EHC Zweibrücken empfängt an diesem Sonntag den Stuttgarter EC zum ersten Spiel der Playoff-Finalserie. Auf Seiten der Hornets mit dabei: Kapitän Stephen Brüstle. Der bestreitet gerade seine 18. Saison im Trikot der Zweibrücker. Und hat vor den wichtigsten Spielen der Saison seinen Torriecher wieder gefunden.

 Stephen Brüstle (links) und seine Hornets empfangen an diesem Sonntag den Stuttgarter EC zum ersten Spiel der Playoff-Finalserie.

Stephen Brüstle (links) und seine Hornets empfangen an diesem Sonntag den Stuttgarter EC zum ersten Spiel der Playoff-Finalserie.

Foto: Martin Wittenmeier

Die Spielzeit, die Stephen Brüstle gerade mit dem Eishockey-Regionalligisten EHC Zweibrücken bestreitet, ist seine 18. im Trikot der Hornets. Zwei Saisons müsste der dienstälteste Spieler des EHCZ also noch dranhängen, um die 20 vollzumachen. „Na klar, wenn mich der Trainer dann noch aufstellt“, sagt der 34-Jährige und muss lachen. Und ergänzt ein wenig ernster. „In meinem Alter schaut man nur noch von Saison zu Saison. Es muss sich ja auch mit dem Beruf und der Familie vereinbaren lassen.“

In seiner 18. Spielzeit mit dem EHCZ kann der in Karlsruhe geborene, aber in Nürnberg aufgewachsene Kapitän der Hornissen das zweite Mal nach 2017 die Meisterschaft gewinnen. An diesem Sonntag beginnt die Finalserie gegen den Stuttgarter EC. Wer als erstes drei Partien gewonnen hat, ist neuer Meister. Weil die Hornets die Hauptrunde als Erster abgeschlossen haben, dürfen sie zuerst zu Hause ran. Der erste Puck in der Ice-Arena fällt um 19 Uhr.

Auch nach so vielen Jahren auf dem Eis ist die Endspiel-Serie für Brüstle etwas Besonderes. Nervosität, Anspannung, Fokus – von all dem spürt der 34-Jährige gerade ein bisschen was – „aber vor allem Vorfreude“, bekräftigt er. Und ergänzt: „Wir haben Bock. Die Zuschauer haben Bock. Das wird klasse.“ Dabei sind es gar nicht vordergründig die sportlichen Erfolge, die ihm von seiner Zeit bei den Hornets in Erinnerung bleiben werden, wenn er irgendwann dann doch die Schlittschuhe an den Nagel hängt. „Ich denke da weniger an Trophäen, sondern mehr an Freundschaften, die entstanden sind. Wir hatten ja meistens ein, zwei Importspieler. Auch zu denen besteht der Kontakt heute noch“, erzählt Brüstle. Zum Beispiel zu Kenny Matheson, der die Hornets 2018 verließ. Und natürlich zu Dan Radke, der nach der vergangenen Saison beruflich nach Kopenhagen zog.

EHCZ-Trainer Ralf Wolf gibt seinem Kapitän Stephen Brüstle Anweisungen.

EHCZ-Trainer Ralf Wolf gibt seinem Kapitän Stephen Brüstle Anweisungen.

Foto: maw/Martin Wittenmeier

Mit dem Eishockey begann Brüstle bei den Nürnberg Young Ice Tigers. Mit 16 Jahren zog er dann zu seinem Vater nach Annweiler, der damals schon beim EHCZ in der Altherrenmannschaft spielte. Trotzdem lief Brüstle zuerst in der Hobby-Liga auf. Bis der damalige Hornets-Trainer Mirko Hantak ihn aufgefordert habe: „Komm mal mit zu den Großen.“

Das tat Brüstle – und rund 18 Jahre später greifen er und sein Team ab Sonntag nach dem Titel. Und rechtzeitig vor den heißesten Spielen der Saison trifft der 1,86 Meter große Verteidiger auch das Tor wieder. Im entscheidenden fünften Spiel der Halbfinal-Serie gegen den Heilbronner EC schlug der Kapitän doppelt zu, erzielte beim 7:1-Erfolg die wichtigen Treffer zum 1:0 und 3:0, mit denen die Hornets den Eisbären früh den Zahn zogen. Davor hatte Brüstle in dieser Saison noch gar nicht getroffen. Das war ihm in seinen 17 Spielzeiten zuvor – abgesehen von der frühzeitig abgebrochenen Corona-Saison 2020/21 – nie passiert.

Ganz hinten rechts im Bild: Ein frisch gebackener Hornet Stephen Brüstle im Jahr 2006. Damals noch mit anderer Haarpracht.  Foto: Schwarz

Ganz hinten rechts im Bild: Ein frisch gebackener Hornet Stephen Brüstle im Jahr 2006. Damals noch mit anderer Haarpracht. Foto: Schwarz

Foto: COS/Norbert Schwarz

Ausgemacht habe ihm die Durststrecke aber nichts. „Am Ende ist es egal, wer die Tore macht. Mir hat das nicht so viel bedeutet. Aber im dritten Spiel gegen Heilbronn hat Tim Essig auch sein erstes Saisontor geschossen. Da habe ich mich für ihn ein bisschen mehr gefreut als für einen Mitspieler, der schon öfter getroffen hat. Vielleicht war das bei meinen Teamkollegen in meinem Fall ja genauso.“

Groß sei die Erleichterung bei den Hornets gewesen, den amtierenden Meister Heilbronn am vergangenen Sonntag schließlich mit 3:2 in der Halbfinalserie niedergerungen zu haben. Für Brüstle war es keine Überraschung, dass die Serie so eng verlief. „Vielleicht hat der eine oder andere auf die Tabelle der Hauptrunde geschaut und gemeint: ‚Hornets Erster – Heilbronn Vierter. Das wird eine klare Sache‘. Aber die Playoffs sind mit dem, was vorher war, eben nicht zu vergleichen.“

Dass die Zweibrücker ihren Finalgegner Stuttgart in der Hauptrunde in drei Aufeinandertreffen drei Mal bezwungen haben, sei folglich ebenfalls ein Muster ohne allzu viel Wert. „Wir waren in den Spielen einfach sehr gut auf sie eingestellt – aber am Sonntag werden sie noch stärker sein“, ist sich Brüstle sicher.

Denn die Stuttgarter, die mit 124 Treffern in der Hauptrunde die torhungrigste Offensive der Liga stellten, haben ihre womöglich größte Schwäche beseitigt. Die Schwaben hatten nach der „Regular Season“ nämlich auch 57 Treffer kassiert. Deutlich mehr als beispielsweise der Dritte ESC Hügelsheim (44). Der Torwart der „Rebels“, Patrick Golombek, wirkte auch in den Spielen gegen die Hornets nicht immer sattelfest. Deshalb sicherte sich Stuttgart nach der Hauptrunde die Dienste von Goalie Janis Wagner vom 1. CfR Pforzeim, mit dem Wagner die Playoffs verpasst hatte. „Davor hat Stuttgart unter der Saison noch andere Transfers getätigt, die sie – ich sage mal – nicht schwächer gemacht haben. Und Janis Wagner ist ein guter Torwart. Aber wir haben gegen ihn Tore erzielen können, als er in Pforzheim gespielt hat – das ändert sich ja nicht, nur weil er jetzt ein anderes Trikot trägt“, flachst Brüstle.

Einen Favoriten für die Partie am Sonntag gebe es nicht, meint der 34-Jährige. „Stuttgart ist mit dem Kader, den sie haben, grundsätzlich schon der Favorit auf den Titel, das habe ich auch vor der Saison gesagt. Aber wir spielen zu Hause, ich sehe das vollkommen ausgeglichen.“ Gewinnen werde wohl das Team, das weniger Fehler macht. „Wer sich mehr an den ‚Gameplan‘ hält, wer weniger Fehlpässe produziert und Strafen kassiert, hat einen klaren Vorteil“, sagt der Hornets-Kapitän, der „Räume eng machen“ und die „womöglich wenigen Chancen eiskalt nutzen“ als weitere Erfolgsfaktoren ausgemacht hat.

Auf die Frage, ob es im aktuellen Team der Hornets Parallelen zu jener Mannschaft gebe, die 2017 die Meisterschaft gewann, meint der Spielführer: „Der ‚alte Kern‘ mit Tim Essig, Frederic Hellmann und anderen ist heute immer noch – oder wieder – da. Und dass wir als Mannschaft nach dem Training noch zusammensitzen und gemeinsam essen wie in dieser Saison – das war damals auch so“, erinnert sich Brüstle. Dessen Mannschaft wird am Sonntag voraussichtlich mit voll besetzten Reihen auflaufen können. „Soweit ich weiß, sind heute alle beim Training“, sagte Brüstle vor der letzten Einheit am Donnerstag.

Auf die Frage, warum sein Team am Sonntag, die Ice-Arena als Sieger verlässt antwortet er: „Unser Wille. Unsere harte Arbeit. Und die Unterstützung der Fans.“ Aber vielleicht macht am Ende ja auch Stephen Brüstles Erfahrung aus beinahe 18 Spielzeiten im Trikot der Hornets den Unterschied. Dann würde sich wohl weniger die Frage stellen, ob Trainer Ralf Wolf seinen Kapitän noch aufstellt, bevor dieser die 20. Spielzeit vollmacht. Sondern vielmehr, ob er ihn vorher überhaupt gehen ließe.

Weitere Termine der Final-Serie: 17. März, 20 Uhr in Stuttgart. 19. März, 19 Uhr in Zweibrücken. 24. März, 20 Uhr in Stuttgart (mögliches viertes Spiel), 26. März, 19 Uhr in Zweibrücken (mögliches fünftes Spiel).

Meistgelesen
Neueste Artikel
Zum Thema
Aus dem Ressort