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E-Sport-Team des FC Homburg spielt um virtuelle Saarlandmeisterschaft

E-Sport : Fit sein müssen auch Konsolen-Kicker

E-Sport-Duo des FC Homburg spielt um die virtuelle Fußball-Saarlandmeisterschaft.

Beim Thema E-Sport (Elektronischer Sport) mögen Puristen die Nase rümpfen und den Untergang des Abendlandes für gekommen halten – auf internationaler Ebene hat der sportliche Wettkampf mit Computerspielen seinen Siegeszug aber längst angetreten. Bei Großveranstaltungen werden Siegesprämien im sechsstelligen Bereich ausgezahlt. Wenn nicht gerade eine Pandemie tobt, fiebern tausende Zuschauer in großen Hallen mit „ihren“ Spielern mit. Und Millionen schauen via Livestream im Internet zu. Auch in Deutschland hat das E-Sport-Fieber um sich gegriffen. Fußball-Bundesligisten wie der FC Schalke 04 haben eigene Abteilungen gegründet, bei denen junge Spieler an Controller, Maus und Tastatur ausgebildet werden.

Im Saarland geht es zwar ein wenig beschaulicher zu. Mit der „E SportsUnited Saar“ gibt es aber auch in dem kleinen Bundesland einen Verband, der eine Liga betreibt. 16 Mannschaften spielen seit März in der „Barmer eSoccer-League“ um die Meisterschaft, deren Gewinn mit einer Prämie von 1000 Euro belohnt wird. Auch der FC Homburg hat eine Mannschaft ins Rennen geschickt. Für die Grün-Weißen sitzen Fabian Fuchs, der auf der Geschäftsstelle zum Kaufmann für Büromanagement ausgebildet wird, und der FCH-Nachwuchsspieler Jonas Pfeiffer, an der Konsole. Sie spielen gegen die Konkurrenz das Fußballspiel Fifa auf der Playstation. Auch andere Clubs, die „im echten Leben“ überregional antreten, haben Teams gemeldet. Zum Beispiel Regionalligist SV Elversberg und Oberligist FV Diefflen.

Doch auch wenn die E-Liga einen kompetitiven Charakter besitzt – der 19 Jahre alte Auszubildende Fuchs und sein Mitspieler Pfeiffer, der für das U-17-Regionalligateam der Homburger gegen den Ball tritt, entsprechen so gar nicht dem Klischee der Gamer, die angeblich den lieben langen Tag nur vor dem Bildschirm hocken. „Von einer Sucht kann keine Rede sein. Es ist ein netter Freizeitspaß“, sagt Fuchs, der seit rund acht Jahren Fifa spielt. „Klar trainieren wir auch mal für die Liga. Wir wollen ja nicht jedes Spiel verlieren. Aber das findet in einem vernünftigen Rahmen statt und beschränkt sich auf allerhöchstens zwei Stunden am Tag“, ergänzt er. Dass es mittlerweile Menschen gibt, die mit E-Sport sogar ihren Lebensunterhalt bestreiten können, hält er nicht für verwerflich. Einen Gedanken daran, verschwendet der Auszubildende aber nicht. Für ihn steht die Ausbildung beim FC Homburg im Mittelpunkt.

Auch Jonas Pfeiffer sagt: „E-Sport ist für mich eine schöne Abwechslung in der Pandemie-Zeit. Mit der Mannschaft trainieren dürfen wir ja leider noch nicht“, sagt er. Die Parallelen zwischen elektronischem und „realem“ Sport beschränken sich seiner Meinung nach aber nicht nur auf den kompetitiven Charakter und das in Ligen organisierte Wettkampfsystem. „Übung ist genauso wichtig wie Konzentration und Belastbarkeit. Und auch wenn manche das anders sehen, gerade beim Punkt Belastbarkeit spielt eben doch auch die körperliche Fitness eine Rolle. Ganz ohne geht es nicht“, sagt Pfeiffer, der als U17-Spieler der Homburger den Vergleich in der Praxis ziehen kann.

Fuchs und Pfeiffer sitzen aber nicht gemeinsam vor dem Bildschirm, wenn sie gegen die Spieler der anderen Clubs antreten. Wegen Corona sitzt jeder alleine bei sich zu Hause am Gamepad. Die Partien werden aber über das Online-Portal Twitch von den Spielern oder den Vereinen im Internet gestreamt.

In der Liga selbst lief es für das FCH-Team noch nicht rund. Dem Tabellenfünften JSG Haustadter Tal trotzten die Homburger ein Unentschieden ab. Die anderen vier Partien gingen verloren. Derzeit liegt der FCH auf Rang 14. Ziel sei ein Platz unter den ersten acht, sagt Fuchs. Dann winkt die Teilnahme an den Playoffs.

Außerdem stünde das FCH-E-Sport-Team dann sogar ein klein wenig besser da als die FCH-Profis in der Regionalliga Südwest. Die belegen dort nämlich derzeit Rang neun.