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DJK Erbach: Ein Verein, den es heute nicht mehr gibt

Blick in die Vergangenheit : „Die Gedanken kreisen noch immer um die DJK“

1929 wurde die DJK Erbach gegründet, nach bewegter Geschichte rund 80 Jahre später wieder aufgelöst. Der Pfälzische Merkur sprach mit drei Menschen, die den Verein geprägt haben. Einen Verein, den es heute zwar nicht mehr gibt. Der die Menschen aber noch immer auf die eine oder andere Art und Weise bewegt.

Direkt hinter der Autobahnbrücke auf dem Weg zwischen Jägersburg und Erbach liegt auf der linken Seite das Sportgelände des SV Reiskirchen. Wer die Straße weiterfährt, kommt zunächst zur Hundeschule „Chaoten auf 4 Pfoten“, ehe sich der Trainingsplatz der Hundesportfreunde Homburg-Erbach anschließt. Die Verantwortlichen der „Chaoten auf 4 Pfoten“ haben ihr Übungsgelände vom FC Homburg gepachtet. Dieser hatte den Platz vor rund zehn Jahren ersteigert und als Trainingsgelände genutzt. Reist man noch weiter in die Vergangenheit zurück, stößt man auf einen Fußballverein, der auf dem Platz seine Heimspiele austrug. Einen Verein, den es heute nicht mehr gibt – die DJK Erbach.

Die DJK war 1929 gegründet worden. Sie war aus dem katholischen Jünglings-Verein der Pfarrei St. Andreas Erbach-Reiskirchen als Sportlergemeinschaft hervorgegangen. Später leitete dann die Machtübernahme durch Hitler den Niedergang sämtlicher DJK-Vereine ein. Im Mai 1958 erfolgte schließlich die Wiedergründung. Die Fußballer sowie die 1969 gegründete Leichtathletik-Abteilung konnten viele beachtliche Erfolge feiern. Doch über die Jahre folgte ein schleichender Niedergang. Zuerst musste die Jugendarbeit eingestellt werden. Dann führten Spielerabgänge, finanzielle Sorgen und nachlassendes Engagement dazu, dass 2009 der Spielbetrieb endete. Kurz darauf wurde der Verein komplett aufgelöst.

Ein Rückblick: Die Saison 2008/09 hatte die DJK Erbach in der Kreisliga B Blieskastel nur noch bis zur Winterpause absolviert. Damals galt noch die Regelung, dass ein Club, der komplett die Vorrunde bestritten hat, in der Wertung verbleibt. Und dies sollte am Rundenende zu einer kuriosen Situation führen: Bei den 13 gewerteten Erbacher Spielen hatte es bei einem Torverhältnis von 54:40 sieben Siege, ein Unentschieden und fünf Niederlagen gegeben. Zu Hause blieb die DJK mit vier Erfolgen und einem Remis sogar ungeschlagen. Am Ende wurde die letzte Saison der Vereinsgeschichte so mit 22 Punkten auf dem Nichtabstiegsplatz elf abgeschlossen. Die Erbacher lagen im Klassement noch vor dem FC Niederwürzbach (20 Zähler), dem TuS Wörschweiler (12) sowie dem TuS Lappentascherhof (6) – obwohl diese drei Mannschaften jeweils doppelt so viele Spiele absolviert hatten wie die DJK-Kicker. Souveräner Meister wurde übrigens mit 69 Punkten der TuS Rubenheim. Die Torjägerkanone ging mit 37 Treffern an Julian Lauer, Angreifer des Tabellenfünften SG Herbitzheim-Bliesdalheim. Auf Platz 14 dieser Statistik war dann auch der beste Erbacher Torschütze vorzufinden: Volker Appel traf 13 Mal ins Schwarze. Sein Mitspieler Sascha Schmidt war neun Mal erfolgreich. Und Sven Schemel hatte mit seinen acht Treffern ebenfalls großen Anteil an der guten Erbacher Vorrundenbilanz

In Zeiten der Corona-Pandemie wollte der Pfälzische Merkur wissen, wie drei damalige Säulen des Clubs das Ende des Traditionsvereins miterlebt hatten. Treffpunkt war das ehemalige Vereinsgelände der DJK, das heute die Hundeschule beherbergt.

Noch immer erinnern viele Dinge an die frühere Nutzung als Fußballplatz. So sind teilweise noch die Tore vorhanden – sogar das Sportheim exisiert immer noch.

Christian Hettrich war bis zur Abmeldung bei der DJK Erbach 2. Vorsitzender. „Ich war seinerzeit über meine Freundin zur DJK gekommen. Ich war kein aktiver Spieler und hatte zwischendrin auch einmal die Wirtschaft betrieben“, erinnert sich Hettrich. Wenn es mal an Spielern fehlte, half er in der AH oder in der zweiten Mannschaft aus. Auch als Betreuer und Spielleiter zeichnete sich Hettrich aus. „Vom Sportlichen her und der Kameradschaft waren es hier sehr schöne Zeiten. Unser letzter Trainer war Markus Loew. Hauptgrund für die Abmeldung waren zum Teil fehlende oder zu spät gezahlte Mitgliedsbeiträge. Am Ende steckte die Vorstandschaft selbst Geld hinein, um alles am Leben zu erhalten. aber es war vergebens“, blickt Hettrich zurück. Auch abseits sportlicher Erfolge habe der Verein auch überregional für Aufmerksamkeit gesorgt. Adolf Wagner wurde im Alter von 75 Jahren als ältester noch aktiver Spieler Deutschlands ausgezeichnet. Und Lui Niemann, den heute jeder Fußballanhänger in der Saarpfalz als gute Seele des FC Homburg kennt, war langjähriger Betreuer der ersten Mannschaft.

Steffen Sommer ist heute Jugendtrainer bei der SG Erbach. Bei der DJK war er Spieler und Vorstandsmitglied in Personalunion. „Ich war immer da, wenn es Arbeit gab. Die roten Tore, die da noch stehen, hatten wir selbst gebaut. Letztlich waren es aber, wie in vielen anderen Vereinen auch, immer die gleichen Leute, die rangeklotzt haben“, erzählt Sommer. Es sei schön, dass der Platz in anderer Funktion weiterbestehe, allerdings verspüre er beim Anblick auch Wehmut angesichts der „vielen schönen Fußballgedanken an damals“. Viel Herzblut sei in den Verein geflossen. Denn die DJK Erbach sei „eine große Familie“ gewesen. Gegen Ende hin hätten die damaligen Verantwortlichen alles versucht, um das drohende Aus zu verhindern – die Bemühungen seien jedoch umsonst gewesen. „Extrem wichtig war bei uns die dritte Halbzeit. Da gab es keinen Spieler, der direkt nach dem Duschen abgehauen ist, sondern es wurde noch bis spät nach dem Spiel gemeinsam gefeiert. Überhaupt waren unsere Feste in der gesamten Region legendär“, erinnert sich Sommer und muss schmunzeln.

Axel Schimek ist heute bei der SG Erbach Abteilungsleiter Fußball und war der letzte 1. Vorsitzende der DJK. „Die meisten Spieler von hier sind damals zur SG Erbach gewechselt. Es war auch für mich eine extrem schwierige Zeit, da wir über einen längeren Zeitraum noch alles versucht hatten, das Ende abzuwenden. Erwähnenswert sei das große Engagement von Alex Schirra, der ebenfalls an allen Ecken und Enden im Einsatz gewesen sei, „um den Laden zusammenzuhalten“, berichtet Schimek. Auch die zweite Mannschaft und die Alten Herren seien „extrem wichtig für den Zusammenhalt“ gewesen. Es gab zwischenzeitlich sogar einmal eine Damen-Hobbymannschaft.

Das Trio denkt noch gerne viel an die guten, alten Zeiten zurück. „Wenn ich heute mit dem Fahrrad hier am Gelände vorbeifahre, geht der Blick immer noch auf den Sportplatz. Es exisierten noch Videos bei You Tube, wo ich da hinten ein Laufduell habe oder als wir ausgelassen im Sportheim getanzt hatten“, sagt Sommer und ergänzt: „Mir blutet noch heute das Herz. Wenn du einige Ältere triffst, mit denen du hier noch zusammen gespielt hast, kreisen die Gedanken immer um die DJK Erbach herum.“

Schlaglichter der bewegten Vergangenheit: Eines der letzten Trikots sowie eine Meisterplakette der zweiten Mannschaft der DJK Erbach Foto: Stefan Holzhauser
holzhauser djk erbach Foto: Stefan Holzhauser
Dieses Bild entstand 1981 im hessischen Odenwald. Dort trat die DJK bei einem Turnier an – das die Erbacher Kicker natürlich für sich entschieden. Foto: Stefan Holzhauser

Auf die Frage, welche früheren Protagonisten der DJK den Verein besonders geprägt hätten und Erwähnung finden sollten, antworten die drei unisono: „Da reicht der Platz nicht aus. Irgendwem, der nicht genannt ist, trittst du dann doch wieder irgendwie auf die Füße.“ Allerdings einigte sich das Trio dann doch noch auf folgende Namen: Siegfried Parzich, Dagobert Braun, Adolf Wagner, Walter Günther, die Familie Haas sowie die Familie Simon.