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Die Zweibrückerin Leonie Tronnier setzte sich bei der Weltmeisterschaft der Jungzüchter durch.

Pferdesport : WM-Gold? — „Find ich ganz gut“

Die Zweibrückerin Leonie Tronnier setzte sich bei der Weltmeisterschaft der Jungzüchter in Österreich gegen fast 150 Konkurrenten durch.

Erneut hat es eine Zweibrückerin zum Weltmeistertitel geschafft. Leonie Tronnier hat sich die Gesamtwertung ihrer Altersgruppe 2 der Jungpferdezüchter gesichert (wir berichteten). Im österreichischen Stadl Paura eroberten die fünf Aktiven aus Rheinland-Pfalz-Saar auch mehrere Treppchenplätze und Schleifenränge in den Einzeldisziplinen Theorie, Herausbringen eines Pferdes, Beurteilen eines Pferdes im Stand, Bewertung im Freispringen oder Vormustern.

Für Leonie Tronnier, die seit ihrem zwölften Lebensjahr bei den Jungzüchtern aktiv ist, war es bereits die dritte WM. Und nach den Titelkämpfen Kanada vor zwei Jahren empfand sie die WM in Österreich als weniger spektakulär. „Wir sind mittlerweile recht routiniert“, gab sie zu.

War die höchst anspruchsvolle Theorie erst einmal bewältigt, begann der reine Spaß. „Vor der Theorie lag eine extreme Spannung in der Luft“, bestätigte Martina Lauer. Die Ausbilderin begleitete als Team-Managerin nicht nur ihre erste WM, sondern den ersten großen Auftritt überhaupt. Sie war begeistert von den guten Leistungen und auch von dem tollen Team-Zusammenhalt der Jungzüchter zwischen 16 und 25 Jahren. Mit dem vielfachen deutschen Meister und Weltmeister im Peitschenführen, dem Contwiger Johannes Sefrin, verfügte das Team über einen erfahrenen Profi. Besonders beim Vormustern, aber auch bei der Pferdebeurteilung und im Freispringen coachte er das Team bereits als Betreuer.

„Das Vormustern ist am anspruchsvollsten“, fanden Leonie Tronnier, Malte Lehmann (17) und Michelle Guth (17). „Das hängt immer davon ab, was für ein Pferd man bekommt. Und die wollen schon etwas sehen, da sind selten die ganz Braven dabei“, berichtete Tronnier, die zugab in Stadl Paura „richtig viel Glück“ mit ihren Pferden gehabt zu haben. Für die Gesamtsiegerin der knapp 150 Teilnehmer aus neun Nationen in der Theorie hatte sich auch die wochenlange Büffelei gelohnt. Von gut 350 Lern-Fragen wurden 25 abgeprüft – alles auf Englisch. Tronnier wurde Weltmeisterin in der Gesamtwertung ihrer Altersklasse, in der Theorie, der Pferdebeurteilung und Vizeweltmeisterin in der Disziplin Freispringen. Im Gesamtklassement der Teilnehmer belegte sie Rang zwölf. Das rheinland-pfälzische Senioren-Team Leonie Tronnier, Johannes Sefrin und Emelie Menzenbach belegte in Endklassement Rang sechs der 19 Teams. Die Junioren wurden mit einer Ausleihe bei den Trakehnern im Dreier-Team Zwölfte. Da die Gesamtergebnisse erst am Schluss bekannt gegeben wurden, war die Überraschung bei der Siegerehrung riesig. „Ich fand‘s ganz gut, Weltmeisterin zu werden, damit habe ich überhaupt nicht gerechnet“, erinnerte sich Tronnier, die auf dem Heckenaschbacher Hof Haflinger Dressur und gelegentlich auch Springen reitet.

Die 21-jährige Zweibrückerin hat nach drei Jahren ihr Pharmazie-Studium an den Nagel gehängt und absolviert aktuell ein Praktikum auf der EU-Besamungsstation im Landgestüt. Ab September hofft sie auf einen Studienplatz in Tiermedizin, am liebsten an der überschaubaren Universität in Gießen.

Da die Dreier-Teams über kein Streichergebnis verfügen, war die gute Teamleistung in Österreich noch höher zu bewerten. Zumal es für die Junioren Michelle Guth (Wörschweiler) und Malte Lehmann (Einöd) der erste Auftritt bei einer WM war, die Teilnahme an der DM im Juni war eine gute Vorbereitung. So wurde Malte Lehmann Vize-Weltmeister in der Beurteilung von Pferden. Vor dem Landesentscheid im Frühjahr in Standenbühl werden die Schulungseinheiten unter Leitung von Chefbetreuer Martina Lauer in jedem Jahr erhöht. Neben Achim Bauer (Scharrhof), dem Vorsitzenden des Pferdezuchtvereins Zweibrücken und Umgebung oder Gerhard Brengel, dem Stellvertretenden Vorsitzenden des Pferdezuchtverbands Rheinland-Pfalz Saar unterstützen weitere Ausbilder die engagierten Jungzüchter. Sie sind bei Freispringen dabei, stellen auf Fohlenchampionaten Stuten mit ihrem Nachwuchs vor und trainieren sich gegenseitig in der Pferdebeurteilung. „Manchmal gehen wir auch nur Pizza essen“, beschreibt Lehmann das gesellige Miteinander in dem Team. Bei den Meisterschaften werde sich mit konstruktiver Kritik gegenseitig unterstützt. Da Johannes Sefrin altersbedingt das Coaching übernimmt, wünschen sie Jungzüchter neue, an Pferden Interessierte in ihrem Team. Michelle Guth erklärt: „Dann könnten wir eigene Mannschaften stellen, ohne bei anderen Verbänden zu leihen.“