Die ersten Neuen sind da

Nach der Kündigung aller Spielerverträge zum Jahresende sucht Fußball-Oberligist SVN Zweibrücken händeringend nach neuen Akteuren für die erste Mannschaft. Die ersten wurden gestern vorgestellt.

Der Aufbau einer neuen Mannschaft ist im vollen Gange beim SVN Zweibrücken . Gestern präsentierte der Verein erste Zwischenergebnisse: Stürmer Mentor Morina und Mittelfeldspieler Sedat Ibak werden künftig für den SVN spielen. Zudem hat nach Auskunft von Trainer Raphaél Laghnej aus dem bisherigen Kader auch Eric Lira Muntowski eine feste Zusage gegeben. Insgesamt will der Coach mit acht Spielern aus dem Hinrunden-Team weiterarbeiten. Die übrigen Sieben haben bis zum Ende der Woche Bedenkzeit. Darüber hinaus stehen noch fünf weitere Neuverpflichtungen kurz bevor, hieß es gestern auf einer Pressekonferenz.

Vier Optionen für Rückrunde

Dort ging es auch darum, ein wenig Klarheit in die etwas verwirrende Situation zu bringen. Die war entstanden, nachdem der Verein alle Spielerverträge zum Jahresende gekündigt hat (wir berichteten). Künftig müssen alle SVN-Akteure unentgeltlich spielen und bekommen lediglich Fahrtkosten erstattet. Ob der Verein die Oberliga-Saison zu Ende spielt, ist weiter offen: "Es gibt vier Optionen", erläuterte Laghnej. "Die erste ist, dass wir ganz normal die Rückrunde zu Ende spielen." Die zweite sei, dass man zwar die Spiele bis zum Ende absolviert, aber aus der Wertung genommen wird. Das wäre etwa der Fall, wenn das Insolvenzverfahren vor dem 23. Mai eröffnet wird. Wie der Vereinsvorsitzende Richard Denger erläuterte, sei das sehr wahrscheinlich, wenn auch noch nicht zu 100 Prozent sicher. Die dritte Möglichkeit wäre, dass die Verantwortlichen Mitte Januar feststellen, dass eine Fortführung des Spielbetriebs aus sportlicher Sicht keinen Sinn mehr ergibt. Laghnej: "Wir spielen nur, wenn wir auch in der Lage sind, Spiele zu gewinnen. Ansonsten ziehen wir zurück." Innerhalb dieser dritten Option würde der Verein dann bis zum Saisonende etwa ein Dutzend Testspiele absolvieren. Für Laghnej wäre dies sogar die "Ideallösung", weil er sich die Gegner dann selbst aussuchen könnte. Der Trainer sagte aber auch, dass die potenziellen Rückrunden-Spieler lieber in der Oberliga spielen würden: "Das kann ich auch verstehen." Die vierte und schlechteste Option aus Vereinssicht sei, dass man überhaupt keinen Spielbetrieb mehr auf die Beine stellen kann.

Neuzugang aus Offenbach

Die beiden gestern vorgestellten Neuzugänge würden nach eigenen Angaben gerne in der Oberliga spielen. Der 20-jährige Morina war zuletzt in der Verbandsliga Hessen für die U23 von Kickers Offenbach aktiv. Von seiner Zeit dort kennt er auch Laghnej, der bis Ende 2014 im Nachwuchsbereich des Vereins tätig war. Die Wertschätzung für den Coach habe den Ausschlag für seinen Wechsel nach Zweibrücken gegeben. Hier will er ab August oder September eine Ausbildung beginnen. Bei der Suche nach einer Stelle will der Verein ihm behilflich sein. Sportlich schätzt Laghnej an Morina dessen mannschaftsdienliche Spielweise. "Er arbeitet sehr gut gegen den Ball", so der SVN Trainer. Zudem sei er schnell und torgefährlich.

In die Rosenstadt begleitet wird Morina von seinem Kumpel Sedat Ibak. Der 24-Jährige wechselt vom österreichischen Viertligisten TSU Bramberg zum SVN. Als "Allrounder" bezeichnet Laghnej den Neuzugang, der nach eigenen Angaben links wie rechts im Mittelfeld spielen kann und auch sehr schnell und kampfstark sei. Möglicherweise wird sich der gelernte Dachdecker abseits des Sportplatzes schulisch weiterbilden.

Für Laghnej geht die Suche nach Spielern indes weiter. Dafür reist er quer durch die Pfalz und das Saarland: "Mein Wunschzettel umfasst etwa 40 Spieler." Dabei sei nicht allein die sportliche Qualität, sondern vor allem auch der Charakter ausschlaggebend. Ein weiterer Schwerpunkt seiner Arbeit sei die Jugendarbeit. Hier denkt Laghnej laut über die Gründung eines Jugendfördervereins nach, für den man auf der Suche nach anderen Vereinen als Partner ist. Dort könnten die größten Talente der Clubs gemeinsam auf hohem Niveau spielen. Und wo soll es langfristig mit dem Verein hingehen? Denger: "Ich bin froh, wenn wir uns entschulden und zumindest in der Verbandsliga spielen können." Laghnej will zumindet langfristig noch etwas höher hinaus: "Ich bin nicht nach Zweibrücken gekommen, um dauerhaft in der Verbandsliga zu spielen", sagt der A-Lizenz-Inhaber. Er peilt mit dem Verein, bei dem er sich nach eigener Auskunft sehr wohl fühlt und einen Vertrag bis 2018 besitzt, nach dem faktisch besiegelten Abstieg irgendwann die Rückkehr in die Oberliga an.

Wie es mit dem Verein weiter geht, wird sicherlich auch auf der nächsten Jahreshauptversammlung entschieden. Eine solche hat es seit 2013 bedingt "durch die schwierige Situation" (Denger) nicht gegeben. Der vorläufige Insolvenzverwalter wolle nun im Frühjahr 2016 die nächste Hauptversammlung mit Neuwahlen abhalten.