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Dezimierter 1. FC Kiaserslautern schlägt Wehen Wiesbaden

3. Fußball-Bundesliga : Die Roten Teufel trotzen den Personalsorgen

Viele Ausfälle und ein bisschen Spielglück: Mit einem couragierten Auftritt belohnt sich Fußball-Drittligist 1. FC Kaiserslautern vor eigenem Publikum mit einem 1:0-Sieg gegen Wehen. Ein direkter Aufstiegsplatz liegt nun in Schlagdistanz.

(mire/dpa) In der prekären personellen Situation nahm Kaiserslautern Cheftrainer Marco Antwerpen die günstigen Umstände wohlwollend mit. „Beim Elfmeter hatten wir das Spielglück auf unserer Seite. Das nehmen wir heute aber gerne an“, sagte Antwerpen nach dem umkämpften 1:0-Heimsieg der Pfälzer gegen den SV Wehen Wiesbaden am Samstag. Vor der Partie gegen die Hessen hatte der FCK einen Corona-Ausbruch und eine Grippewelle im Kader zu beklagen, doch mit viel Moral und einem Schuss Glück reichte es dann doch für die wichtigen Punkte zum Anschluss an die Tabellenspitze.

Lautern hatte wegen der Personalprobleme fünfmal wechseln müssen. Avdo Spahic vertrat Stammkeeper Matheo Raab. Unter anderem standen auch Top-Torschütze Philipp Hercher, Kapitän Jean Zimmer und Abwehrchef Kevin Kraus nicht zur Verfügung. „Wir sind heute sehr stolz auf die Truppe. Wir hatten in der Woche sehr viele Ausfälle, haben das aber heute als Herausforderung gesehen. Am Ende haben wir uns dann in alles reingeworfen“, erklärte Antwerpen.

Die spielentscheidende Szene der Drittliga-Partie hatte sich in der 67. Spielminute ereignet: Der kurz zuvor eingewechselte Felix Götze spurtete an Wiesbadens Dennis Kempe vorbei, der brachte den FCK-Akteur durch einen leichten Körperkontakt zu Fall. Schiedsrichter Nico Fuchs entschied nach kurzem Zögern auf Strafstoß für Kaiserslautern. Es war eine umstrittene Entscheidung, denn Kempes Kontakt mit Götze fand den Fernsehbildern zufolge wohl knapp außerhalb des Strafraums statt. Marlon Ritter verlud SV-Torwart Florian Stritzel und schob den Ball ins rechte Eck.

Während der Liga-Einstand von Wiesbadens neuem Coach Markus Kauczinski misslang, sprang Kaiserslautern nach dem sechsten Sieg aus den vergangenen acht Spielen in die Spitzengruppe der Liga. Kauczinski zeigte nach dem Spiel aber Größe und machte dem Referee ob der Entscheidung keinen wirklichen Vorwurf: „Wenn man die Bilder sieht, passiert die Aktion wohl außerhalb des Strafraums. Das kann man aber mit bloßem Auge und ohne Videobeweis gar nicht erkennen und muss die Szene hinterher gesehen haben, um zu sagen: Okay, das war wohl davor.“

Vor 17 070 Zuschauern auf dem Betzenberg gehörte dem FCK die Anfangsphase. Kenny Redondo kam in der 2. Minute im Vollsprint über die linke Außenbahn. Sein Schuss wurde noch zur Ecke geblockt. Die trat dann Mike Wunderlich, im Zentrum kam Daniel Hanslik an den Ball, köpfte das Leder aber rechts am Tor vorbei.

Im Anschluss kamen dann aber die Hessen stärker auf. Eine Hereingabe des Weheners Thijmen Goppel schnappte sich Spahic erst im Nachfassen (8. Minute). Drei Minuten später köpfte Kempe am Tor der Pfälzer vorbei. Einen Schuss von Bjarke Jacobson klärte Spahic dann unorthodox ins Toraus (15.).

Mitte der ersten Halbzeit taten sich beide Mannschaften schwer, Gefahr zu kreieren. Distanzschüsse von Nicolas Sessa und Hanslik blieben lange Zeit die einzigen Torannäherungen der Pfälzer. Bis zur 44. Minute. Nach einer starken Kombination flankte Ritter vom rechten Strafraumeck vor das Tor. Redondo flog heran, verfehlte das Leder aber um Zentimeter. Ohne Tore ging es danach in die Pause.

Kurz nach dem Seitenwechsel die Schocksekunde für die FCK-Fans im Fritz-Walter-Stadion. Nach einem Angriff der Gäste über den rechten Flügel schob Johannes Wurtz den Ball am langen Pfosten ins Tor – stand dabei aber im Abseits.

Nach einer Stunde brachte FCK-Trainer Antwerpen Felix Götze für Sessa ins Spiel und bewies damit ein goldenes Händchen. Der FCK schnürte die Hessen zunehmend in der eigenen Hälfte ein. Hendrick Zucks Schuss aus 20 Metern rauschte noch am Tor der Wehener (62.) vorbei. Und auch Hansliks Kopfball Richtung langes Eck nach starker Vorarbeit von Redondo verfehlte sein Ziel knapp (65.). Doch zwei Minuten später traf Ritter vom Punkt. So umstritten der Elfmeter für die Roten Teufel auch war – die Führung zu diesem Zeitpunkt war völlig verdient.

Wenig später fiel der vermeintliche zweite Treffer für die Pfälzer. Einen präzisen Ball von Wunderlich verlängerte Hanslik auf der linken Außenbahn für Redondo. Der schoss den Ball an Stritzel vorbei ins kurze Eck. Doch auch dieses Tor wurde wegen Abseits zurückgepfiffen (73.).

In der Schlussphase ließen die Roten Teufel kaum etwas anbrennen. Lediglich einmal hielten die Anhänger der Pfälzer noch den Atem an. Zuck fälschte einen eigentlich harmlosen Versuch von Wehens Kevin Lankford ab. Der Ball geriet zur tückischen Bogenlampe, doch Spahic war auf dem Posten (85.).

„Heute haben nicht viele mit uns gerechnet“, sagte Torschütze Ritter mit Blick auf die vielen Ausfälle bei seiner Mannschaft am Mikro von MagentaSport. „Aber wir haben uns die ganze Woche über gesagt: Solange wir elf Leute auf den Platz bekommen, glauben wir daran, dass wir gewinnen können. Und so ist es ja auch gekommen.“

Und Antwerpen lobte: „Im Abschlusstraining hatten wir eine super Stimmung, da hat man schon gemerkt, dass die Jungs richtig Bock haben Vollgas zu geben. Es hat heute richtig Spaß gemacht, mit so einer Truppe ins Rennen zu gehen.“

Kaiserslautern hat sich durch den Erfolg in Schlagdistanz zu einem direkten Aufstiegsrang in Stellung gebracht. Der Rückstand auf Platz zwei, den der VfL Osnabrück bekleidet, beträgt aktuell drei Punkte. Am kommenden Samstag um 14 Uhr müssen die Roten Teufel auswärts beim Achten Borussia Dortmund II antreten.