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Deutlicher Rückgang der Mitgliederzahlen im Sportbund Pfalz

Sportbund Pfalz : Mitgliederschwund bei pfälzischen Vereinen

Der Sportbund Pfalz hat seine Mitgliederstatistik des aktuellen Jahres vorgelegt. Vereinsaustritte – und ausbleibende Neuanmeldungen – ließen die Mitgliederzahlen binnen zwölf Monaten um 4,25 Prozent schrumpfen. Besorgniserregend ist vor allem der Rückgang bei den Jüngsten. Politiker fordern mehr Unterstützung.

Die Mitgliederzahlen des Jahres 2021, die der Sportbund Pfalz am Mittwoch vorlegte – sie sorgen für Sorgenfalten. In den 2043 Sportvereinen im Verbandsgebiet beträgt der Rückgang 4,25 Prozent. Weil das wenig greifbar klingt: Im Vergleich zur Erhebung im Vorjahr bedeutet das ein sattes Minus von 21 385 Mitgliedern. Im Jahr 2001 hatte der Verband noch 549 531 Mitgliedschaften (Höchststand) verzeichnet. Nun – 20 Jahre später – sanken diese erstmals deutlich unter die Marke von einer halben Million Mitglieder. Aktuell sind noch 481 216 Menschen in den Sportvereinen aktiv.

Zwar sinken die Zahlen der Mitglieder seit 2001 kontinuierlich. Aber zum einen war der Rückgang nicht annähernd so stark, zum anderen war er „der demographischen Entwicklung geschuldet“, schreibt der Sportbund. Große Ursachenforschung ist nicht notwendig. Die Gründe liegen auf der Hand: „Seit einem Jahr legt die Corona-Pandemie das Vereinsleben im Sport nahezu lahm. Das hat sich nun auch auf die Anzahl der Mitgliedschaften in den pfälzischen Sportvereinen ausgewirkt. Dieser Rückgang ist coronabedingt bedeutend stärker als die leichten Abnahmen der letzten Jahre und ist sowohl auf Vereinsaustritte, aber auch auf fehlende Neueintritte zurückzuführen“, schreibt der Sportbund Pfalz weiter.

Einen Besorgnis erregenden Einbruch gab es bei der Gruppe der Kinder im Alter von null bis sechs Jahren. Seit 2015 waren hier durch Neueintritte in die Sportvereine jedes Jahr Zuwächse zu verzeichnen. Zwischen 2015 und 2020 stiegen die Mitgliedschaften unter den jüngsten Kids von 23 001 auf 26 574. Das bedeutete einen Zuwachs von 15,5 Prozent. Die jüngsten Zahlen belegen nun, dass Corona, beziehungsweise die Lockdown-Maßnahmen, in diesem Alterssegment die Arbeit der letzten sechs Jahre zurückgeworfen haben. Ohne Angebote wie Mutter-Kind-Turnen oder Bambini-Training sank die Mitgliederzahl der Jüngsten innerhalb des Pandemie-Jahres aufgrund fehlender Neueintritte auf 21 712 (Minus 18,3 Prozent) – also sogar deutlich unter den Stand von 2015.

Die Mitgliederzahlen bei den Jüngsten sind am stärksten betroffen – sie sind aber nicht die einzigen, die sinken. Auch in der Altersgruppe der 27-40-Jährigen, in der es zwischen 2015 und 2020 stetige Zuwächse gegeben hatte, sank die Mitgliederzahl im Vergleich zur Vorjahres-Erhebung um 4,31 Prozent. Auch alle anderen Altersgruppen verzeichnen innerhalb eines Jahres Rückgänge zwischen 4 und 6 Prozent. Einzig der Seniorensport (über 61 Jahre) legte auch im Corona-Jahr leicht zu (0,76 Prozent).

Insgesamt bedeuten die 481 216 Mitgliedschaften in Relation zu den 1 421 113 Millionen Menschen im Verbandsgebiet, dass noch immer mehr als jeder dritte Pfälzer (33,86 Prozent) in einem Sportverein aktiv ist. Zudem wurden „nur“ sechs Clubs abgemeldet. Mit 2043 Sportvereinen liegt der Sportbund Pfalz also immer noch deutlich über der 2000er Marke, die erstmals 1998 über-, und seitdem nicht mehr unterschritten wurde.

Und dennoch: In der Rangliste der zehn größten Sportarten gemessen an der Mitgliederzahl konnten nur der Tennisverband Pfalz (plus 452 Mitglieder) sowie der Deutsche Alpenverein (plus 48) Zuwächse verzeichnen. Starke Verluste mussten hingegen der Südwestdeutsche Fußballverband (minus 5620), der Pfälzer Turnerbund (minus 6692) sowie der Skiverband Pfalz (minus 1208) hinnehmen.

Auch vor der Vereinigten Turnerschaft Zweibrücken machte das Mitglieder-Minus nicht halt. Der achtgrößte Verein im Verbandsgebiet hat laut den Zahlen des Sportbundes binnen eines Jahres 276 Mitglieder verloren. Noch immer gehen bei dem Mehrspartenverein über 2134 Sportler ihren Hobbys nach. Trotzdem belegen die Zahlen einen Verlust von 11,45 Prozent.

Die „sportfreudigsten“ Kreise und Städte wurden durch das Verhältnis von Vereinsmitgliedern zur Einwohnerzahl berechnet. Ganz vorne liegt hier der Kreis Germersheim, in dem über 41,75 Prozent der Menschen Mitglied in einem Verein sind. Auch der Kreis Südwestpfalz (39,91 Prozent) liegt auf Rang drei in der Spitzengruppe. In der Stadt Zweibrücken sind 10 357 Menschen in einem der 55 Vereine organsiert. Damit liegt die Rosenstadt mit 30,45 Prozent unter dem Verbandsschnitt im unteren Mittelfeld auf Rang elf. Trübe sieht die Situation in Pirmasens aus (29,31 Prozent/Rang 14). Schlusslicht auf Platz 16 ist Ludwigshafen (22,76 Prozent.).

Bislang hat in Rheinland-Pfalz nur der Sportbund Pfalz seine aktuellen Mitgliederzahlen veröffentlicht. Dass es in den Bünden Rheinhessen und Rheinland besser aussieht, ist aber zweifelhaft. „Dieser Trend ist sicherlich exemplarisch für die Entwicklung in ganz Rheinland-Pfalz“, schreibt Dirk Herber, der Sprecher der CDU-Landtagsfraktion. Seine Partei fordere daher, „dass jeder Verein für jedes Mitglied eine pauschale Unterstützungsleistung von 10 Euro erhalten soll“. „Der Rückgang der Mitglieder ist für viele Vereine ein großes wirtschaftliches Problem, sie finanzieren sich eben zum Großteil auch durch Mitgliederbeiträge. Die Zukunft unserer Vereine muss gesichert werden, sie stehen für Lebensidentität und Heimat – im Verein fühlt man Zusammenhalt. Sport schafft uns Werte“, schreibt Herber weiter.

Die komplette, 69 Seiten lange Mitgliederstatistik, steht im Internet unter www.sportbund-pfalz.de in der Rubrik „Über uns“ zur Ansicht oder als Download zur Verfügung.