3. Handball-Bundesliga Der TV Homburg braucht ein Handball-Wunder

Köln/Homburg · Der Handball-Drittligist verliert mit 32:34 beim Longericher SC Köln und müsste nun am finalen Spieltag in der Partie gegen den ungeschlagenen Spitzenreiter TuS Ferndorf punkten, um die Chance auf den Klassenverbleib zu wahren. Das halten aber selbst die Homburger für nicht sonderlich realistisch.

 Yves Kunkel (am Ball) war in Köln mit neun Toren einmal mehr erfolgreichster Homburger Schütze. Dennoch ging der TVH als Verlierer von der Platte.

Yves Kunkel (am Ball) war in Köln mit neun Toren einmal mehr erfolgreichster Homburger Schütze. Dennoch ging der TVH als Verlierer von der Platte.

Foto: Markus Hagen

Noch ist der TV Homburg nicht aus der 3. Handball-Bundesliga abgestiegen. Doch an den Klassenverbleib mag beim TVH nach der 32:34 (20:17)-Niederlage am vergangenen Samstag beim Longericher SC Köln niemand mehr glauben. Auch Jörg Ecker nicht. „Das ist nicht realistisch“, sagt der sportliche Leiter, der für die kommende Saison bereits das Ziel „Wiederaufstieg“ ausgegeben hat.

Den Homburgern fehlt vor dem letzten Spieltag eigentlich nur ein Punkt auf den ersten Nichtabstiegsplatz, den der TV Aldekerk innehat. Doch Homburg bestreitet sein Saisonfinale am kommenden Samstag (18.30 Uhr) zu Hause gegen den TuS Ferndorf. Und gegen den bräuchten die Saarpfälzer schon ein Handball-Wunder. Ferndorf steht seit Wochen als Meister fest und ging in seinen bisherigen 29 Saisonspielen nie als Verlierer von der Platte. Sollte Aldekerk sein letztes Saisonspiel zu Hause gegen Köln verlieren, bräuchte Homburg im letzten Spiel sogar „nur“ ein Remis. Doch auch diese Aufgabe wäre – zurückhaltend formuliert – äußerst anspruchsvoll. Nur ein einziges Mal in dieser Spielzeit musste Ferndorf die Punkte mit dem Gegner teilen.

In Köln-Longerich zeigte der TV Homburg beim Tabellensechsten eine über weite Strecken gute Partie. Zur Pause führte der TVH sogar noch mit 20:17. Allerdings standen sich die TVH-Akteure wie schon so oft in dieser Saison auch selbst im Weg. Kurz vor der Pause beschwerte sich Niklas Ludolph auf der Auswechselbank sitzend so heftig über eine Schiedsrichterentscheidung, dass er eine Zeitstrafe für sein Team kassierte. In Überzahl glichen die Hausherren nach dem Seitenwechsel zum 20:20 aus. Diese Phase sei eine kleine Vorentscheidung gewesen, meinte Jörg Ecker, der die Partie zu Hause am Livestream verfolgte.

Aber von Beginn an: Vor rund 400 Zuschauern erwischte Homburg den besseren Start. Robin Egelhof warf den TVH in der 9. Minute mit 7:4 in Führung. Danach wogte die Partie hin und her. Die Gastgeber glichen zum 7:7 aus. Doch TVH-Top-Torjäger Yves Kunkel stellte den alten Abstand wieder her (11:8/13.). Schon in dieser Phase hatten die Homburger aber große Probleme mit Kölns Lukas Schulz, der am Ende des Spiels 13 Tore auf dem Konto hatte. Schulz sorgte mit dem 16:15 (25.) auch dafür, dass die Rheinländer erstmals seit dem 1:0 wieder vorne lagen. Doch mit einem 4:0-Lauf schlug der TV Homburg abermals zurück und ging mit einem Drei-Tore-Polster in die Pause.

Aber kurz vor der Halbzeit-Sirene hatte sich der TVH durch Ludolphs Meckerei selbst geschwächt. „Undiszipliniert“, nannte Ecker das Verhalten, das dazu beigetragen haben dürfte, dass die Kölner nach dem Seitenwechsel rasch den Ausgleich schafften.

Danach verlief die Partie aber zuerst wieder auf Augenhöhe. Über die Zwischenstände 22:22, 27:27 und 31:31 (57.) bog die Begegnung auf die Zielgerade ein. Kurz zuvor hatte der TVH nach einem Treffer von Kunkel das letzte Mal an diesem Abend in Führung gelegen (31:10). Doch in den Schlussminuten konnte man sich des Eindrucks nicht erwehren, dass die Homburger – nicht zum ersten Mal in dieser Saison – konditionell schwächer als ihr Gegner waren. Mit vier Toren in Serie – begünstigt durch eine Zeitstrafe gegen Robin Egelhof – drehte Köln die Partie und lag eine Minute vor dem Ende plötzlich mit 34:31 vorne. Kunkel, mit neun Toren erfolgreichster TVH-Schütze, konnte noch einmal verkürzen – doch die Entscheidung war gefallen.

Jörg Ecker sah in Köln „ein Spiegelbild der kompletten Saison. Wir haben die Partie erneut in den letzten Minuten hergegeben.“ Der sportliche Leiter ist selbstredend enttäuscht, blickt aber bereits auf die kommende Spielzeit. Trotz des Abgangs von Ex-Profi Kunkel zum (Noch-) Ligarivalen HG Saarlouis „werden wir ein Team haben, das in der Lage ist, unser Ziel sofortiger Wiederaufstieg zu schaffen“, sagte Ecker. Kommende Saison wird Homburg also höchstwahrscheinlich wieder in der Regionalliga – die in der laufenden Spielzeit noch Oberliga Rheinland-Pfalz/Saar genannt wird – auflaufen. Für diesen Fall sei der Verein gewappnet. Die Planungen liefen schon lange zweigleisig, versicherte Ecker.

Im letzten Saisonspiel gegen Ferndorf stehen beim TVH noch die Interims-Trainer Ljubomir Josic und Marvin Mebus an der Seitenlinie, die vor wenigen Wochen nach der Trennung von Steffen Ecker in die Bresche gesprungen waren. In der kommenden Spielzeit werde das Team dann von einem „neuen Trainer aus einer europäischen ersten Liga angeführt“, orakelte Jörg Ecker. Der neue Mann befinde sich aktuell mit seinem Team noch im Titelrennen. Der Name des Übungsleiters soll erst veröffentlicht werden, wenn die Saison vorbei – und die Tinte unter den Verträgen trocken ist.

Beim Saisonfinale werden am nächsten Samstag in der Robert-Bosch-Schulsporthalle auch acht Spieler verabschiedet: Nik Zarikos (Spanien), Miljan Bunjevcevic, Nuno Rebelo (beide Ziel unbekannt) , Ljubomir Josic (Serbien), Benedikt Berz (Schweiz) und Yves Kunkel gehen. Bei zwei Akteuren wird der Abschied aber voraussichtlich nur vorläufig sein. Peter Gohl zieht studienbedingt für ein halbes Jahr nach Portugal und will sich dort einem lokalen Club anschließen, ehe er zum TVH zurückkehrt. Auch Tobias Alt will aus beruflichen Gründen nur eine temporäre Auszeit einlegen.

Beide werden im Laufe der kommenden Saison zurückerwartet, wenn der TV Homburg den erneuten Anlauf Richtung 3. Liga nehmen will – wenn nicht am kommenden Samstag doch noch ein Handball-Wunder geschieht.

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