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Der traditionsreiche Radrenntag RV Blitz Oberbexbach findet erstmals seit über 40 Jahren nicht statt.

Radrennsport : Traurige Premiere für den RV Blitz

Der Radrenntag des Oberbexbacher Vereins am Pfingstmontag findet erstmals seit über 40 Jahren nicht statt.

Schon seit vielen Jahren ist der Radsportverein RV Blitz Oberbexbach am Pfingstmontag der Gastgeber von über 200 Rennsportlern an der Oberen Hochstraße. Doch am 1. Juni werden in diesem Jahr keine Fahrer im Wettkampf um Punkte, Prämien und Pokale antreten. Wegen der Corona Krise wurde der traditionsreiche Radrenntag vorzeitig abgesagt.

 „Seit über 40 Jahren findet unser Renntag am Pfingstmontag statt“, berichtet Blitz-Rennsportleiter Thomas Ruffing. Lange trat er an diesem Tag selbst in die Pedale, ehe er im letzten Jahr bei seinem Heimrennen seine Radsportkarriere beendete. Es sei zwar abzusehen gewesen, dass die Veranstaltung ausfallen muss – traurig sei es dennoch, sagt er.

Alleine sind die Oberbexbacher damit nicht. Auch die Trofeo der Gemeinde Gersheim findet in diesem Jahr nicht statt. Sogar das größte Radrennen der der Welt, die Tour de France, muss zumindest verlegt werden. „Radrennen gibt es in absehbarer Zeit nicht. Der Bund Deutscher Radsport hat alle Veranstaltungen bis auf weiteres abgesagt“, weiß Ruffing, der hofft, dass eventuell im September oder Oktober wieder Rennen stattfinden können.

Den 15 aktiven Rennsportlern des RV Blitz Oberbexbach von der Jugend bis zu den Senioren bleibt nichts anderes übrig, als weiter einsam auf den Straßen ihr wöchentliches Pensum von 200 bis 250 Kilometern (Nachwuchsklassen), beziehungsweise 350 bis 400 Kilometern (Aktive) abzuspulen. „In Gruppen dürfen wir beim Training überhaupt nicht unterwegs sein“, verweist Thomas Ruffing auf die strengen Vorgaben. „Nur Einzelausfahrten sind erlaubt“, ergänzt er. Der Rennsportleiter des RV Blitz Oberbexbach glaubt aber nicht, dass den Sportlern deshalb derzeit die Motivation zum Training fehlt. Auch weil Wettkämpfe durchaus stattfinden – zumindest virtuell. Wer zu Hause eine Rolle für das Fahrrad besitzt, kann sich über das Internet sportlich mit anderen Fahrern messen. Diese „Cyberradrennen“ sind allerdings mit Wettkämpfen in der freien Natur kaum zu vergleich. Im Freien spielen Taktik, Ausreißversuche und Sprints eine wichtige Rolle. Dieser Aspekt fehlt bei den Vergleichen im Netz.

Über 250 Starter waren im letzten Jahr bei den elf Rennen auf dem Rundkurs in Oberbexbach beim RV Blitz mit dabei. „Dass es dieses Jahr nichts wird, ist bitter und schade für uns. Aber die Gesundheit geht vor. Auch wenn damit der Jahreshöhepunkt unseres Vereinslebens ausfällt“, trauert Ruffing.

Den Verein trifft es allerdings noch härter. Nicht nur der Radrenntag am Pfingstmontag musste abgesagt werden – sondern auch das Crosstourenfahren und die Radtourenveranstaltung des RV Blitz. Das hat es in der über 100-jährigen Geschichte des 1903 gegründeten Vereins noch nicht gegeben.

In den 30er-Jahren erlebte der RV Blitz durch den Bau einer Radrennbahn in der Dorfmitte einen wahren Boom. Gefahren wurde damals auf roter Asche – aus heutiger Sicht kaum vorstellbar. Über viele Jahre hinweg hatte der RV Blitz immer wieder Spitzenfahrer, sowohl im Bahn-, als auch im Straßenbereich in seinen Reihen. Mit dem Verlust der Radrennbahn wurde die Zahl der Fahrer mit den Jahren allerdings geringer. Ende der 60er-Jahre stand der Verein sogar kurz vor dem Aus. Anfang der 1970er wurde unter der Führung der Vorstände Benno Hennes, Helmut Baschab und Hansi Pirrung ein erfolgreicher Neustart vorgenommen. Schritt für Schritt ging es für den Verein wieder bergauf. 1975 wurde die Deutsche Jugendmeisterschaft auf dem traditionellen Rundkurs um den Höcherberg vor vielen Zuschauen ausgetragen. Am Fronleichnamstag – später am Pfingstmontag – fand auf der schweren 900 Meter langen Strecke stets ein Kriterium statt. Besonders in den 80er-Jahren sorgten Fahrer des RV Blitz für Schlagzeilen. So wurden Walter Neuheisel und Thomas Ruffing Saarlandmeister. In den 90er-Jahren profitierte der RV Blitz dann vom RTF (Radtourenfahren)-Boom. Die RTF-Abteilung des Vereins hatte zeitweise bis zu 70 Fahrer. Über viele Jahre hinweg gewann der RV Blitz die Jahreswertung auf Landesebene.

Auch in der jüngeren Vergangenheit feierte der Verein bemerkenswerte Erfolge. 2005 setzte sich Pascal Ruffing bei der Jugend auf der Heimstrecke in Oberbexbach durch. Daniel Kiefer gewann mehrere Jugendrennen. Auch die Seniorenfahrer mit Thomas Ruffing, Alberto Kunz, Jan Birkett, Jochen Schreiber, Harry Weirich, Steffen Heintz, Jens Weicherding und Uwe Sander standen ganz oft auf der Spitze des Siegerpodests. Zeitfahrspezialist Kunz wurde 2018 sogar Senioren-Weltmeister im Einzel im italienischen Varese.