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Der Südwestdeutsche Fußballverband hat die Saison abgebrochen

Südwestdeutscher Fußballverband : Entscheidung gefallen — Fragen bleiben

Der Südwestdeutsche Fußballverband hat die Saison abgebrochen. Das schafft manches Problem aus der Welt — aber längst nicht jedes.

Die Basis hat gesprochen – und der Südwestdeutsche Fußballverband (SWFV) ist gefolgt: Am späten Donnerstagabend erklärte der Verband, dass die Saison in seinen Ligen abgebrochen wird (wir berichteten kurz).

Jede andere Entscheidung wäre auch eine faustdicke Überraschung gewesen. Zu erdrückend war die Mehrheit der Vereine, die sich gegen eine Fortsetzung der Runde ausgesprochen hatte. 590 der Clubs (81 Prozent), die im Verbandsbereich am Spielbetrieb teilnehmen, hatten an einer entsprechenden Befragung des SWFV teilgenommen. 453 von ihnen (77 Prozent) votierten dagegen, dass in dieser Saison noch einmal der Ball rollt. Der SWFV hatte zuvor in Aussicht gestellt, dass die Spielzeit – nur wenn es die staatlichen Verfügungen zuließen – ab dem 1. September fortgesetzt werden könne.

Die Entscheidung ist also gefallen – alle Fragen sind damit aber längst nicht beantwortet. Zumindest die Vereine im Tabellenmittelfeld haben nun Planungssicherheit. Doch wer darf nun eigentlich aufsteigen und wer muss absteigen? Oder wird es überhaupt keine Auf- oder Absteiger geben? Das ist derzeit unklar. Denn wie die Saison konkret sportlich gewertet wird, wird erst auf einem Außerordentlichen Verbandstag im Juni entschieden, der noch nicht abschließend terminiert ist.

Klar ist nur – auch im Hinblick auf die sportliche Wertung will der SWFV keinen Alleingang unternehmen. Das Präsidium bittet „die spieltechnischen Ausschüsse (Männer/Frauen/Jugend) unter Bewertung aller Spielklassen zeitnah einen Vorschlag für die Spielwertungen 2019/20 und für die Regelungen zur Spielzeit 2020/21 zu erstellen“, heißt es in einer Mitteilung des Verbandes. Nach dieser Vorlage werde das Präsidium eine Entscheidung beraten.

Ebenfalls ist noch nicht geklärt, was der Saisonabbruch für den nicht beendeten Südwestpokal bedeutet. Verbandsligist SV Alemannia Waldalgesheim steht bisher als einziger Finalist fest. Deren sportlicher Leiter Tim Thron hatte jüngst mit der Forderung für Aufsehen gesorgt, dass die Alemannia für den Fall, dass die Saison – wie jetzt geschehen – abgebrochen wird, in der nächsten Spielzeit im lukrativen DFB-Pokal antreten darf. Schließlich sei sie im Landespokal am weitesten gekommen. Kaum vorstellbar, dass diese Forderung beim Drittligisten 1. FC Kaiserslautern oder Verbandsligist SV Morlautern, die am 25. März das zweite Südwestpokal-Halbfinale hätten bestreiten sollen, auf Gegenliebe stößt. Doch wie sieht die Lösung aus? Auch das steht in den Sternen. Mit den drei im Pokalwettbewerb verbliebenen Vereinen wolle der SWFV das weitere Vorgehen gemeinsam besprechen, teilte der Verband lediglich mit.

Trotz weiter offener Fragen begrüßt Edgar Wallitt, der Vorsitzende des Fußballkreises Zweibrücken-Pirmasens den Abbruch: „Das ist die vernünftigste Lösung. Alle anderen Möglichkeiten hätten zahlreiche Probleme mit sich gebracht.“ Unter anderem sei nun die von vielen Vereinen im Vorfeld beklagte Unsicherheit bei Vereinswechseln vom Tisch, erklärt Wallitt. Regelungen zu Wechseln und insbesondere zu deren Fristen seien nun unverändert gültig, hatte der SWFV schon in seiner Pressemitteilung erklärt.

Mit dem Abbruch starten alle Mannschaften nächste Saison „wieder mit null Punkten“, bevorzugt Wallitt eine Tabula Rasa.

Doch wann die nächste Saison beginnen kann, sei völlig offen. „Das kann derzeit niemand seriös beantworten“, sagt Wallitt. Auch dass in diesem Jahr überhaupt kein Ligenbetrieb mehr stattfindet, sei eine Möglichkeit. Zwar hatte der SWFV erklärt, der Rahmenterminkalender für die Saison 2020/21 mit Start im kommenden August habe (vorbehaltlich anderslautender staatlicher Verfügungen) Bestand. Einen konkreten Rahmenterminplan festzuschreiben hat allerdings wenig Sinn, findet Wallitt. Er fordert: „Da müssten die Fußballverbände flexibel reagieren.“

Der Kreisvorsitzende könne sich vorstellen, dass die nächste Spielzeit erst im Frühjahr 2021 startet und im April oder Mai 2022 endet. Dieses großzügige Zeitfenster, das sich durch den späten Start ergibt, hätte den Vorteil, dass auch mögliche Spielklassen mit 18 oder 20 Mannschaften keine Probleme mit den vielen Spieltagen hätten. Wallitt möchte den Ergebnissen des Verbandstags im Juni nicht vorausgreifen. Er räumt aber ein, dass er ein Modell favorisiert, dass die Tabellenführer (und auch manchen punktgleichen Zweitplatzierten) in die nächsthöhere Spielklasse aufsteigen lässt. Absteiger soll es nach diesem Modell keine geben.

Doch dies sei zunächst Zukunftsmusik. Beim Verbandstag, der via Videokonferenz stattfinden wird, sollen insbesondere die betroffenen Vereine, also jene, bei denen es um Auf- oder Abstieg geht, zu Wort kommen, fordert Wallitt: „Da dürfen nicht die Kreisvorsitzenden oder das Präsidium allein entscheiden. Da sollen viele mitreden dürfen.“

Auch die Mehrzahl der Vereine begrüßt – wie nach der Umfrage des SWFV nicht anders zu erwarten – dessen Entscheidung zum Abbruch. So auch Landesligist TSC Zweibrücken. „Wir haben jetzt einen Strich unter die Saison gezogen und beginnen die neue Runde bei Null“, sagt Vorstandsmitglied Stephan Heidenreich. Im Hinblick auf die Frage um Auf- oder Abstiege solle sich der Verband seiner Meinung nach an den Handballern orientieren. Der nach der Quotientenregelung (Anzahl der Punkte geteilt durch die Spiele) Führende sei Meister und Aufsteiger. Keine Mannschaft steigt ab. Dass es dann in der Folgesaison mehr Absteiger geben muss, sieht Heidenreich unproblematisch. Schließlich werde keine Mannschaft bevorzugt und alle wüssten frühzeitig Bescheid.

„Eine Lösung, die es allen recht macht, gibt es nicht“, findet Tobias Weis aus dem Vorstand des Verbandsligisten SG Rieschweiler. Den Abbruch hält Weis dabei noch für den gerechtesten Weg. Nun laufe zumindest alles in „halbwegs geregelten Bahnen“ ab. Eine Fortsetzung der Runde hätte große Probleme mit sich gebracht, betont der SG-Vorstand, besonders bei Wechseln. „Darf ein Spieler, den es beruflich oder wegen des Studiums im Herbst nach Bayern verschlägt, dort dann keinen Fußball spielen?“, fragt er. Zudem seien manche Vereine im Sommer gewiss mehr als andere von Abgängen betroffen. Dadurch fehlten im Saisonendspurt Spieler, die bei einer – zum regulären Zeitpunkt beendeten Runde – eigentlich an Bord gewesen wären. Das hält Weis für „Wettbewerbsverzerrung.“

„Die Gesundheit geht über alles“, sagt der Trainer des SVN Zweibrücken, Andreas Hergert. Auch er findet den Abbruch der Saison korrekt – und das obwohl seiner Mannschaft dadurch vermutlich die Chance verwehrt wird, aufzusteigen. Derzeit rangiert der SVN auf Platz zwei der A-Klasse. „Das ist bedauerlich. Aber das müssen wir hinnehmen“, sagt Hergert. Er hofft aber solidarisch, dass zumindest der Konkurrent und Tabellenführer SV Battweiler aufsteigen darf. „Die haben eine so starke Runde gespielt – das wäre für sie unfair und bitter.“

Edgar Wallitt, Vorsitzender des Fußball-Kreises Pirmasens/Zweibrücken Foto: Esther Bischoff
Tobias Weis, Vorstand der SG Rieschweiler. Foto: PM/Marcus Matti
Andreas Hergert, Trainer des SVN Zweibrücken. Foto: Angel Foto: Christian Angel
Maximilian Buchholz, Spielertrainer des SV Battweiler. Foto: Florian Schwarz

Der Spielertrainer der Battweiler, Maximilian Buchholz, hätte die Saison aus eben diesem Grund gerne zu Ende gespielt. Er hat dennoch volles Verständnis für die Vereine, die den Abbruch befürworten. „Die Clubs wollen natürlich Planungssicherheit“, weiß er. Buchholz hofft aber, dass das Modell des Kreisvorsitzenden Wallitt eine Mehrheit findet. Denn wenn es gar keinen Aufsteiger gebe, wäre nicht nur die Arbeit dieser, sondern auch die Aufbauarbeit der vorangegangenen Spielzeiten umsonst gewesen. „Aber die Entscheidung liegt nicht in unserer Hand. Wir sind gespannt, wie entschieden wird“, sagt Buchholz. Und mit ihm viele Vereine im Gebiet des SWFV.