2. Fußball-Bundesliga Der FCK taumelt Richtung 3. Liga

Kaiserslautern · Die Krise beim Fußball-Zweitligisten 1. FC Kaiserslautern spitzt sich nach der 1:2-Heimniederlage gegen den SC Paderborn zu. Trainer Dimitrios Grammozis muss mehr denn je um seinen Job fürchten. Im DFB-Pokal-Halbfinale trifft der FCK auf Saarbrücken oder Mönchengladbach.

Kaiserslauterns Dickson Abiama steht nach der Niederlage gegen Paderborn konsterniert auf dem Rasen des Fritz-Walter-Stadions. Den FCK trennt nur noch das Torverhältnis von einem direkten Abstiegsplatz.

Kaiserslauterns Dickson Abiama steht nach der Niederlage gegen Paderborn konsterniert auf dem Rasen des Fritz-Walter-Stadions. Den FCK trennt nur noch das Torverhältnis von einem direkten Abstiegsplatz.

Foto: dpa/Uwe Anspach

(dpa/sid/mire) Nach der 1:2 (1:0)-Heimniederlage des Fußball-Zweitligisten 1. FC Kaiserslautern gegen den SC Paderborn hallte am Samstagabend ein gellendes Pfeifkonzert durch das Fritz-Walter-Stadion. Zehn der letzten zwölf Partien hat der FCK verloren und taumelt weiter in Richtung 3. Liga. Kaiserslautern fiel durch die Niederlage auf den Abstiegs-Relegationsrang zurück. Ein direkter Abstiegsplatz blieb den Roten Teufeln vorerst nur deshalb erspart, weil Hansa Rostock beim Schlusslicht VfL Osnabrück am Sonntag nicht über ein 0:0 hinauskam. Das um fünf Treffer bessere Torverhältnis trennt die Pfälzer derzeit noch von jenem Rang, der nach der Runde den Gang in die Drittklassigkeit bedeuten würde. Ob der Verein einen erneuten Abstieg verkraften könnte, scheint ungewiss.

Der Trend spricht klar gegen die Roten Teufel. Anfang Oktober gewann der 1. FC Kaiserslautern mit 3:1 gegen Hannover 96 – und sprang am neunten Spieltag für eine Nacht an die Tabellenspitze. Seitdem kamen nur noch vier Pünktchen hinzu. Berücksichtigt man nur die die vergangenen zwölf Partien, wären die Pfälzer Schlusslicht. Auch der „Flutlicht-Zauber“ – Kaiserslautern gewann zuletzt seine Abend-Spiele in der Liga gegen Schalke 04 (4:1) und im DFB-Pokal bei Hertha BSC Berlin (3:1) – ist durch die Niederlage vom Samstag erloschen.

Die Fans haben einen Schuldigen für die Misere ausgemacht: Trainer Dimitrios Grammozis. Die Anhänger forderten mit lautstarken „Grammozis raus“-Rufen die Freistellung des 45-Jährigen. Dass der Club zeitnah dieser Forderung der Fans nachkommt, scheint nicht ausgeschlossen. Nach der fünften Niederlage im sechsten Liga-Spiel unter dem neuen Übungsleiter vermied Geschäftsführer Thomas Hengen unmittelbar nach der Partie ein Bekenntnis zum Trainer, der erst am 3. Dezember des vergangenen Jahres die Nachfolge von Dirk Schuster angetreten hatte.

„Die Stimmung droht nicht zu kippen, sie ist gekippt. Mit der Serie im Nacken ist das auch verständlich. Aber nach einem solch enttäuschenden Spiel macht man keine Aussagen nach links oder rechts. Wir werden uns zusammensetzen und das Spiel analysieren, wie wir es immer tun“, sagte Hengen beim TV-Sender Sky. Er ergänzte: „Der Trainer ist die ärmste Sau, er hatte schon von Anfang an wenig Standing hier, warum auch immer. Aber du musst Ergebnisse liefern, das weiß ich, der Trainer, die Mannschaft.“

Grammozis selbst reagierte wortkarg auf Nachfragen zu seiner Zukunft und flüchtete sich in Durchhalteparolen. „Es ist nicht schön, wenn man solche Rufe hört. Profi zu sein, bedeutet nicht nur im Guten vor der Kurve zu stehen und sich feiern zu lassen. Solche Momente gehören dazu“, sagte er. „Aber ich kann nicht mehr tun, als Gas zu geben. Die Situation ist, wie sie ist.“

Gegen Paderborn bot seine Mannschaft in der ersten Halbzeit eine stabile Leistung und führte bereits nach drei Minuten durch einen Kopfball von Jan Elvedi. In der Folge liefen die Pfälzer die Ostwestfalen scharf an, provozierten immer wieder Fehler der Gäste und spielten sich einige Chancen heraus. Zudem wurde einem vermeintlichen Treffer von Ragnar Ache wegen Abseits die Anerkennung verweigert (8. Minute). Kurz vor der Pause gab Schiedsrichter Martin Petersen vor 36 344 Zuschauern dann zunächst einen Elfmeter für den FCK – revidierte seine Entscheidung aber, nachdem er sich den Zweikampf zwischen Lauterns Tymoteusz Puchacz und SC-Torwart Pelle Boevink auf dem Video-Monitor angesehen hatte.

Die Hausherren hätten vor dem Seitenwechsel jedenfalls deutlich höher als mit 1:0 führen können – wirkten aber mit dem Wiederanpfiff plötzlich wie gelähmt. Die Gründe für den Einbruch bleiben Spekulation. Der Umstand, dass der FCK in dieser Saison noch in keinem Ligaspiel ohne Gegentor blieb, könnte aber eine Erklärung für das schwindende Selbstbewusstsein sein.

Schon nach 55 Minuten wechselte Grammozis mit Ragnar Ache, Richmond Tachie und Marlon Ritter seine komplette Offensivreihe aus. Vor allem Top-Torjäger Ache gefiel das gar nicht. Erregt lief er bei seiner Auswechslung am Trainer vorbei. Auch die Zuschauer reagierten teils mit Unverständnis. Zwar war das Spiel des FCK schon vor der Dreifach-Rochade zum Erlahmen gekommen. Doch das ausgewechselte Offensiv-Trio war in dieser Spielzeit an immerhin 23 der 34 Tore der Roten Teufel direkt beteiligt.

Ob das Spiel mit Ache und Co. auf dem Platz einen anderen Verlauf genommen hätte, bleibt natürlich ebenfalls spekulativ. So jedenfalls kam Paderborn in der 65. Minute durch einen von David Konsombi verwandelten Handelfmeter zum Ausgleich. Bitter für den FCK: Schiri Petersen hatte nach dem Vergehen von Lauterns Verteidiger Boris Tomiak, der einen Schuss mit dem Arm geblockt hatte, zunächst weiterlaufen lassen. Erst nach Ansicht der Videobilder zeigte er auf den Punkt. Sieben Minuten später köpfte Visar Musliu zum 2:1-Siegtreffer für die Gäste ein.

Als rund eine Stunde nach dem Spiel der Gegner für das DFB-Pokal-Halbfinale feststand – Kaiserslautern trifft dort auf den Sieger der Partie 1. FC Saarbrücken gegen Borussia Mönchengladbach – war dies ob der Enttäuschung des kurz zuvor zu Ende gegangenen Spiels nur zweitrangig. „Das ist mir im Moment völlig egal, gegen wen wir spielen. Wir haben jetzt genug zu tun. Was irgendwann im April passiert, da habe ich keinen Kopf“, sagte Grammozis. Ob er dann noch als FCK-Trainer an der Seitenlinie steht, scheint aber ohnehin fraglich.

Für FCK-Trainer Dimitrios Grammozis wird die Luft nach der Niederlage gegen Paderborn dünn.

Für FCK-Trainer Dimitrios Grammozis wird die Luft nach der Niederlage gegen Paderborn dünn.

Foto: dpa/Soeren Stache

Wahre Worte kamen nach dem Abpfiff von Kaiserslauterns Kapitän Jean Zimmer. Er warnte: „Es ist brandgefährlich. Wenn wir jetzt anfangen, uns gegenseitig zu zerfleischen, wird es noch schwerer.“

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