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Den eigenen Siegtreffer nicht bemerkt

Den eigenen Siegtreffer nicht bemerkt

In vielen Sportvereinen gibt es Urgesteine und Unikate, die mit Leib und Seele dabei sind. In loser Abfolge stellt der Merkur einige von ihnen vor. Heute im dritten Teil: Armin Dahler, der über 600 Einsätze für Wiesbach absolviert hat.

Wenn der eigene Verein in Schwierigkeiten gerät, besinnt sich so manches Urgestein noch mal, ob es die müden Knochen nicht doch noch machen. So geschehen in Wiesbach : Da stieg zur Winterpause Armin Dahler beim SV wieder ein, nachdem er vor fünf Jahren die Schuhe schon an den Nagel gehängt hatte. Der langjährige Abwehrchef macht das natürlich nur, weil ihm der Verein so am Herzen liegt, denn: "Bei mir ist eigentlich alles kaputt." Aufgehört hatte er damals wegen des Knies, das operiert werden musste. Jetzt hat Dahler die gesamte Wintervorbereitung absolviert - er wollte "ein bisschen was machen", damit er nach der langen Pause wieder mithalten kann. Dieses Jahr wird der Maschinenschlosser 42 Jahre alt; seinen ersten Einsatz für den SV Wiesbach hatte er bereits in der Saison 92/93, bei einem Auswärtsspiel beim VfR Thaleischweiler. Es folgte eine lange Karriere beim immer gleichen Verein, die 2011 nach etwa 600 Einsätzen und 62 Toren nur eine längere Unterbrechung erfuhr. Ein einziges Mal hatte Dahler den Gedanken zu wechseln, während der Runde nach Martinshöhe. Damals lief es nicht so gut in Wiesbach , dennoch: "Da hab ich kalte Füße gekriegt und mich einfach nicht getraut." Wenn jedoch alljährlich A-Klassenvertreter ihre Angebote ausbreiteten, wiegelte Dahlers Vater schon am Telefon ab: "Der geht nicht fort, das braucht ihr gar nicht zu probieren," so habe der Senior einen möglichen Wechsel schon im Keim erstickt.

Obwohl Armin Dahlers Revier die Abwehr war und ist, hat er im Laufe der Jahre alle Positionen schon mal gespielt. Sein liebster Mitspieler im Verein war Manfred Türr, in der Kreisauswahl ist ihm Carsten Reichert vom SC Stambach in guter Erinnerung geblieben. Bei den Spielen mit der Auswahl traf Dahler auch auf den härtesten Gegenspieler seiner Karriere: Das sei Danko Boskovic gewesen, der damals bei den FCK-Amateuren spielte und später auf einige Einsätze in der Zweiten Bundesliga kam. Geprägt wurde Dahler von seinem Jugendtrainer Armin Klein. An besonderen Spielen ist ihm noch in Erinnerung, wie der SV Wiesbach einst gegen Reifenberg ein 0:3 noch aufholen konnte - und dann doch noch durch ein 3:4 mit dem Abpfiff verlor. Kurios auch, was Dahler über ein ruppiges Derby mit dem SC Winterbach erzählt: "Da habe ich das entscheidende 2:1 geschossen. Vor lauter Adrenalin habe ich aber gar nicht richtig registriert, dass das der Siegtreffer war. Erst als mir am Schluss einer gratuliert hat, habe ich's mitgekriegt. In dem Spiel habe ich selber die Rote Karte gesehen, weil ich ausgetickt bin nach mehreren Foulspielen an mir."

Dahler ist emotional eben immer voll dabei, das sei ihm auch in seiner Spielpause aufgefallen: "Außerhalb am Spielfeldrand zu stehen, da kriege ich's an die Nerven. In mir brodelt's dann. Ich versuche zwar, die Vereinsbrille abzuziehen, aber anscheinend habe ich sie doch immer wieder an." In der Saison 2002/03 versuchte sich der Vater von drei Kindern auch mal als Trainer bei seinem Herzensverein. "Das war das Schlimmste, was ich im Verein je mitgemacht habe. Da hab ich schnell gemerkt, dass ich nicht dazu geboren bin." Jetzt versucht der kantige Innenverteidiger, seinem Verein mit seiner Erfahrung im Abstiegskampf zu helfen.

Für seine neue Serie "Mit Leib und Seele" sucht der Merkur sportliche Urgesteine und Unikate. Gibt es auch in Ihrem Verein jemanden, der in diese Kategorie passt und dringend einmal vorgestellt werden sollte? Dann melden Sie sich in der Merkur-Redaktion, Hauptstraße 66 in Zweibrücken, unter der Nummer (0 63 32) 80 00 50 oder per E-mail an merkur@pm-zw.de.