Das Ende einer großen Ära

Streit um Trainernachfolge, sportliche Misserfolge und Querelen hinter den Kulissen in der Frauenfußball-Abteilung des FSV Jägersburg sorgten in den letzten 15 Monaten für negative Schlagzeilen beim einstigen Zweitligisten. Nach dem Abstieg aus der Regionalliga verließen viele Spielerinnen den Verein. Der FSV-Vorstand musste die Notbremse ziehen: Der Verein zieht sich nun komplett aus dem Frauenfußball zurück.

Mit Spielerin und Trainerin Patricia Brocker erlebte der FSV erfolgreiche Zeiten. Fotos: Hagen

Der Frauen- und Mädchenfußball beim FSV Jägersburg ist am Ende. Der Verein hat seine Frauenfußball-Abteilung mit den entsprechenden Nachwuchsteams aufgelöst. "Dieser Schritt tat natürlich sehr weh, aber es blieb uns nichts anderes übrig, als ihn Schritt zu vollziehen", der der FSV-Sportvorsitzende Werner Finken. Für die nächste Saison eine Mannschaft nach dem Abstieg aus der Frauen Regionalliga-Südwest zu melden, hätte keinen Sinn mehr gemacht. "Zum jetzigen Zeitpunkt hätten wir nur noch sieben oder acht Spielerinnen gehabt", erklärt er.

Die Abwärtsspirale und die Negativ-Entwicklung in der Frauenfußball-Absteilung beim FSV Jägersburg fing bereits im vergangenen Jahr an, als der damalige Trainer der ersten Frauen-Mannschaft Michael Kuntz seine Tätigkeit aus beruflichen Gründen aufgab. Um die Nachfolge von Kuntz gab es richtig Zoff. Björn Dill wurde vom FSV-Vorstand und vom Leiter der Frauenabteilung Arno Auffenfeld als neuer Trainer ausgewählt. Doch viele Spielerinnen des damaligen Kaders waren damit nicht einverstanden. Sie wollten mit Dill nicht in die Spielzeit 2014/15 gehen und drohten damit, den Verein zu verlassen, falls Dill als Trainer des Regionalliga-Teams seine Arbeit aufnehmen sollte. Vorsitzender Harald Schwind erklärte im Juni vergangenen Jahres: "Wir lassen uns nicht erpressen. Wir finden schon eine Lösung." Dill blieb Trainer und musste mit einem kleinen Rest des Kaders, vielen Neuzugängen und Spielerinnen des FSV-B-Juniorinnen-Teams die Saison in der Regionalliga Südwest angehen. Mit der viel jungen und unerfahrenen Mannschaft reichte es nicht zum Klassenverbleib. Jägersburg stieg als Elfter und damit Vorletzter in die Verbandsliga Saar ab. Wie Kuntz hatte Björn Dill schon vorzeitig im März angekündigt, aus beruflichen Gründen nicht mehr weiter machen zu können. Die Trainersuche für die neue Runde in der Verbandsliga erübrigte sich, weil den Jägersburgern die Spielerinnen fehlten. Finken: "Fast alle aus der letzten Saison wollten unbedingt wieder in der Regionalliga spielen. Bei uns war dies nicht mehr möglich, also verließen sich unseren Verein." Schon im Mai hatte der Vorstand schon im Hinterkopf, die Frauenfußball-Abteilung komplett auszulösen. Ein Schritt, den viele Freunde, Anhänger und ehemalige Weggefährten der einst so erfolgreichen Fußballfrauen beim FSV Jägersburg bedauerten.

Patricia Brocker, die bis 2010 als Trainerin, Spielertrainerin und Spielerin erfolgreich die Frauenabteilung in Jägersburg aufbaute, meinte: "Es ist bitter, dass es sportlich soweit abwärts ging, um nun nicht einmal mehr am Ligenbetrieb teilzunehmen." Die 50-fache Nationalspielerin hatte sich einst beim FSV, der bereits 1969 zwei Jahre vor der offiziellen Anerkennung des Frauenfußballs durch den DFB, Frauen und Mädchen diese Sportart im Verein ermöglichte, große Verdienste erworben. Brocker, die als Schülerin beim FSV mit dem Fußballspielen begann, später im Trikot des VfR Saarbrücken und TuS Niederkirchen 50-fache Nationalspielerin wurde, kam 2001 zurück. Drei Jahre später stieg die Mannschaft in die 2. Bundesliga Süd auf. Mit Platz sieben - dank vieler Treffer von Brocker - schaffte der FSV 2005 den Ligaverbleib. Ein Jahr später stieg der FSV ab, um als Meister der Regionalliga 2008 wieder nach oben zu gehen. Ab 2009 liefen die Jägersburger Frauen wieder in der Regionalliga Südwest , in der man bis 2014 stets vierte und fünfte Plätze in der Abschlusstabelle belegte, auf. Es folgte der Absturz 2014/15.

Das Kapitel Frauenfußball beim FSV Jägersburg ist zu Ende. Vorerst auf jeden Fall, denn Finken möchte nicht ausschließen, "dass es vielleicht irgendwann einen Neuanfang geben könnte".