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Coronazeit: Webenheimer Patrick Schmidt, Fußbaler bei Dynamo Dresden

Patrick Schmidt hat noch große Ziele : Nach Heimatbesuch wieder im „Teamtraining“

Der Webenheimer Patrick Schmidt will mit dem Fußball-Zweitligisten Dynamo Dresden den Klassenverbleib schaffen. Vor Ostern ist der 26-Jährige mit seinen Teamkollegen bereits wieder ins Kleingruppen-Training gestartet. In der Coronakrise auf Teile des Gehalts zu verzichten, sei für den Stürmer eine Selbstverständlichkeit.

Endlich wieder den Ball am Fuß. Darüber hat sich Patrick Schmidt in der vergangenen Woche bei der Wiederaufnahme des Trainings riesig gefreut. Mit vier Toren in seinen bisherigen sieben Spielen vor der durch die Corona-Krise erzwungenen Spielpause rückte der 26-jährige saarländische Vollblutstürmer und frühere Jugendnationalspieler in den Fokus der öffentlichen Wahrnehmung. Sein spektakuläres Fallrückzieher-Siegtor gegen Erzgebirge Aue steht zudem unter den fünf Vorschlägen des März-Wettbewerbes „Tor des Monats“ der ARD-Sportschau.

Der gebürtige Webenheimer bildete vor zwei Jahren noch gemeinsam mit seinem Angriffspartner Kevin Behrens das torgefährlichste Stürmerduo des Regionalligisten 1. FC Saarbrücken. Dorthin war er vom FC Homburg gewechselt. Vom FCS zog es Schmidt zum Zweitligisten 1. FC Heidenheim. In der Winterpause wechselte er von der Brenz an die Elbe und schlug auf Leihbasis beim abstiegsbedrohten Ligakonkurrenten SG Dynamo Dresden seine Zelte auf.

Der über 23 000 Mitglieder zählende Club gehört zu den Top-Adressen im deutschen Fußball. Anfang der 1990er-Jahre spielten die Sachsen in der Bundesliga. In ihrer 67-jährigen Geschichte brachten sie Top- und Nationalspieler wie Ulf Kirsten, Jens Jeremies oder Matthias Sammer heraus. Und Schmidt hat sich bei Dynamo schnell zurechtgefunden. Erleichtert hat dies auch, dass er mit Kevin Broll und René Klingenburg zwei ehemalige Teamkollegen und mit dem gleichaltrigen Florian Ballas einen weiteren Saarländer im Kader des schwarz-gelben Kultvereins hat. Mit ihm gemeinsam hat er in der Saison 2013/14 bei den „Blau-Schwarzen“ Malstättern in der dritten Liga gespielt.

Ans Spielen ist in der andauernden Coronakrise allerdings noch nicht zu denken. „Es ist schon ungewöhnlich, während der Saison eine Zwangspause zu haben. Aber es war gut für uns alle, dass wir heimfahren konnten,“ beschreibt Schmidt die derzeitige Situation. Er konnte die Zeit mit seiner Familie im Bliesgau genießen. Mit einem durchgetakteten Trainingsplan, bestehend aus Lauf- und Kraftplänen hielt er sich fit. Am vergangenen Mittwoch stieg er wieder ins Mannschaftstraining ein –in Kleingruppen. „Der Fußball hat mir total gefehlt“, so Schmidt, der in den Jugendabteilungen des VfB Stuttgart und Schalke 04 ausgebildet wurde. In einer Zeit, in der sich die Prioritäten deutlich verschoben haben, bezeichnet er es als richtige Entscheidung, den Sport hinten anzustellen. „Die Gesundheit der Menschen ist das höchste Gut, das es mit allen Mitteln zu schützen gilt.“ Dass er mit seinen Teamkollegen in den nächsten Monaten auf Teile seines Gehaltes verzichtet, ist für ihn selbstverständlich und alternativlos, zudem der Ausdruck der Solidarität und gesellschaftlichen Verantwortung. „Wir wollen damit sowohl dem Club als auch seinen Mitarbeitern, die leider in Kurzarbeit geschickt werden mussten, helfen“, betont Schmidt. Für alle Vereine sei es in vielfältiger Weise eine außergewöhnlich schwere, nie da gewesene Situation und Belastungsprobe. „Ich bin aber guter Dinge, dass Dresden gut aufgestellt ist, und diese Krise in den nächsten Monaten überstehen wird“, sagt der Saarländer.

Er hat sich im „Elbflorenz“, einer fußballverrückten Stadt, gut eingelebt. „Es ist eine sehr schöne Stadt. Verein, Umfeld und Stadion – hier passt alles.“ Jetzt hofft Patrick Schmidt, bald wieder im 32 000 Zuschauer fassenden Rudolf-Harbig-Stadion mit seiner „gelben Fanwand“ auflaufen und den Traum vom Klassenerhalt wahrmachen zu können. „Ich bin nicht nach Dresden gekommen, um hier ein paar Zweitligaspiele zu bestreiten und wieder zu gehen, sondern mit der guten Überzeugung, die Liga zu halten und hier zu bleiben.“ Derzeit ist er noch bei Heidenheim unter Vertrag, Dresden hat sich für ihn eine Kaufoption gesichert.

Beim 2:1-Erfolg von Dynamo Dresden gegen Erzgebirge Aue Anfang März erzielte Patrick Schmidt (re.) beide Treffer – hier das 1:1. Sein Fallrückzieher zum Siegtor wurde sogar für die Wahl zum Tor des Monats der ARD-Sportschau nominiert. Foto: Kuttner/Dynamo/Steffen Kuttner
Patrick Schmidt als 16-Jähriger auf dem heimischen Sportplatz in Webenheim. Foto: Wolfgang Degott

In seiner bisherigen Karriere mit Höhen und Tiefen sowie vielen Verletzungspausen will er jetzt allen zeigen, was in ihm steckt. „Ich habe immer fest an mich geglaubt, jeden Tag dafür hart gearbeitet, um dort hin zu kommen, wo ich jetzt bin“, erklärt Schmidt. Als Spieler, der über den Willen und die Leidenschaft kommt, gibt er immer hundert Prozent. Er sieht sich noch lange nicht am Ende und ist stolz in der zweiten Liga spielen zu können. Er sei zwar spät in den hochklassigen Profibereich gestoßen, besitze jedoch noch viel Potenzial zur Weiterentwicklung. Schmidt: „Bei mir ist es gefühlt noch lange nicht am Ende. Ich glaube daran, dass noch viel in mir steckt, das ich in den nächsten Jahren abrufen kann“. Das unterstreicht auch sein Trainer Markus Kauczinski: „Patrick Schmidt ist ein lauffreudiger aggressiver Stürmer, der richtige Mittelstürmerqualitäten besitzt. Er bringt körperlich sehr viel mit und läuft Flanken gut ein. Zudem besitzt er eine gewisse Erfahrung und hat Bock darauf, mit uns die Herausforderung anzunehmen, sich ihr zu stellen und mit uns zu kämpfen.“