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Claudio Schreyer hat Vertrag beim EHC Zweibrücken verlängert

EHC Zweibrücken : Schreyer will „Mission“ bei den Hornets vollenden

Das Ausscheiden im Playoff-Halbfinale gegen seinen Ex-Verein spukt Claudio Schreyer vom Eishockey-Regionalligisten EHC Zweibrücken nach dreieinhalb Monaten noch immer im Kopf herum. Auch deshalb hat der 27-Jährige seinen Vertrag bei den Hornets um ein Jahr verlängert.

Nein, aus den Kleidern geschüttelt hat Claudio Schreyer sein bitterstes Spiel im Hornets-Dress auch rund dreieinhalb Monate später noch nicht. „Das steckt in meinem Kopf. Und das wird auch so bleiben – mindestens bis die nächsten Playoffs anstehen“, sagt der 27-Jährige. In der Halbfinalserie um die Meisterschaft in der Eishockey-Regionalliga Südwest war er mit dem EHC Zweibrücken Anfang März auf die Eisbären Heilbronn getroffen. Ausgerechnet jenen Verein, von dem er vor der Saison zu den Hornets gewechselt war. Die Zweibrücker gingen als Favorit in die Serie. Der EHCZ hatte die reguläre Saison als klarer Tabellenführer beendet und alle drei Ligaspiele gegen Heilbronn gewonnen. Im letzten Aufeinandertreffen vor den Playoffs im Januar hatten die Hornets die Württemberger gar mit 10:3 gedemütigt.

Doch in der Halbfinalserie kam alles anders. In der heimischen Ice-Arena unterlag Zweibrücken mit 4:5. Und im zweiten Spiel der „Best-of-Three“-Serie am Freitagabend, 6. März, zogen die Hornets in Heilbronn mit 0:2 den Kürzeren. Der Titeltraum war geplatzt. „Die Stimmung in der Kabine war wie auf einer Beerdigung, niemand hat ein Wort gesprochen. Was hätte man auch groß sagen sollen“, erzählt Schreyer. Auch aufgrund dieser Erfahrung hat der Mannheimer als erster Spieler seinen Vertrag bei den Hornets um eine weitere Saison verlängert. „Für mich ist das eine Mission, die noch nicht vollendetet ist“, sagt Schreyer kämpferisch.

Die Scharte des verpassten Finaleinzuges auszuwetzen, ist ein Grund dafür, dass Schreyer auch in der kommenden Runde für die Hornets auflaufen wird. Der einzige ist es aber nicht. „Die Entscheidung ist mir leichtgefallen, es war kein langes Gespräch“, sagt er über die Vertragsverhandlungen. Zwar hätten auch andere Clubs bei ihm angeklopft, „aber in Zweibrücken passt für mich alles am besten zusammen. Das Team, die Anfahrt, die Vereinbarkeit mit der Arbeit“, sagt Schreyer und ergänzt: „Außerdem spiele ich Eishockey zuallererst, weil es mir Freude machen soll. Und das ist hier der Fall.“ Der Verein und das Umfeld seien ihm ans Herz gewachsen. „Harald, das ist die gute Seele unseres Teams, die immer auswärts mit uns mitfährt und dort das Essen für uns macht, hat mich schon gefragt, ob man mich auch nächste Saison noch hier sehen wird. Da konnte ich ja schlecht nein sagen“, sagt Schreyer und muss schmunzeln.

Von seiner Vertragsverlängerung erhofft er sich auch eine Signalwirkung auf andere Spieler. „Man steht ja schon mit den anderen in Kontakt und fragt: ‚Wie schaut’s bei dir aus?’. Vielleicht gibt sich ja der eine oder andere, der noch auf der Kippe steht, einen Ruck und sagt: ‚Wenn du bleibst, bleib ich auch’“.

Schreyer möchte laufenden Vertragsverhandlungen nicht vorgreifen, sagt aber: „Tendenziell habe ich schon den Eindruck, dass der Großteil des Kaders zusammenbleiben wird“. Und damit scheint der27-Jährige nicht falsch zu liegen. Wenige Tage nach Schreyers Verlängerung, verkündete der Verein auch, dass Verteidiger Tim Essig, gleich um zwei weitere Spielzeiten verlängert hat.

Was damals in der Halbfinalserie schiefgegangen sei, vermag Schreyer auch knapp vier Monate später gar nicht genau zu sagen. „Ich denke, im ersten Spiel hat Heilbronn die neutrale Zone gut zugestellt und wir haben es nicht geschafft, mit Geschwindigkeit drüber zu kommen. Im zweiten Spiel waren wir einfach nicht gut, hatten dazu ein bisschen die Scheiße am Schläger. Man muss aber auch sagen, dass der Heilbronner Torwart Andrew Hare an dem Tag brutal gehalten hat“, versucht sich der 27-Jährige an einer Erklärung.

Mit seiner eigenen Leistung in den entscheidenden Spielen geht Schreyer hart ins Gericht. „Ich hatte die Treffer auf dem Schläger. Die hätten uns wieder Selbstvertrauen geben können, um die Spiele zu drehen. Für solche Situationen wurde ich geholt – aber ich habe die Tore nicht gemacht“, hadert er. Auch die 27 Scorerpunkte (11 Tore/16 Vorlagen), die er unter der Runde gesammelt hat, seien nicht das Optimum gewesen. Dass das Ausscheiden gegen seinen Ex-Verein erfolgte, habe bei ihm aber keine Rolle gespielt. „Ich respektiere den Sieg jedes Gegners, der besser war als wir. Und Heilbronn war in beiden Spielen besser.“

Dass die Zweibrücker auch in der kommenden Saison in die Playoffs vorstoßen werden, sei kein Selbstläufer, warnt Schreyer. „Das Wechselkarussel hat gerade erst angefangen, sich zu drehen. Wir sollten abwarten, wie die Teams nächste Saison aussehen, bevor wir Ziele formulieren“, sagt der 27-Jährige, der aber darauf hofft, dass sich nach dem verpassten Finaleinzug der Vorsaison bei jedem Spieler eine „Jetzt-erst-recht-Mentalität“ einstellt.

Doch wann die neue Runde starten kann, vermag der Mannheimer nicht zu sagen. Auch nicht, wann die Hornets wieder auf dem Eis ins Training einsteigen können. „Da hängen der Verein und die Spieler in der Luft. Das geht aber nicht nur uns so. Ich habe ein paar Kumpels, die höherklassig spielen und habe bei denen nachgehört, ob sie mehr wissen – aber die haben auch keine Ahnung“, bedauert Schreyer.

Zumindest eine Art Ersatzprogramm für seinen Sport kann er nun wieder betreiben. „Vor zwei Wochen durften wir beim ISC Mannheim wieder mit dem Inline-Hockey anfangen. Natürlich kein Ligenbetrieb. Nur Training. Und jeder eher für sich und mit Abstand zu den Nebenleuten. Es hat gut getan, wieder einen Schläger in der Hand zu halten. Das Selbe ist es aber nicht“, erzählt er.

Doch wenn der Tag kommt, an dem die Hornets wieder aufs Eis dürfen, wird das auch der Tag sein, an dem Claudio Schreyer seine Mission mit dem EHC Zweibrücken fortsetzen will. In der Hoffnung, dass er diesen dunklen Abend am 6. März in Heilbronn irgendwann endlich vergessen kann.