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Beim FC Homburg passen Anspruch und Wirklichkeit derzeit nicht zusammen

Fußball : Zwischen Anspruch und Wirklichkeit

Der FC Homburg hat den Saisonstart vergeigt, die Fans murren bereits auf. Ein Heimsieg gegen den SSV Ulm ist Pflicht.

Beim FC Homburg schrillen die Alarmglocken – vor allem bei den Fans. Während sich Spieler, Trainer und Vereinsvorstand weiterhin gefasst präsentieren, ist der grün-weiße Anhang längst stinksauer. Nach dem jüngsten 0:2 beim Bahlinger SC waren die mitgereisten Homburger Fans kaum zu beruhigen und feindeten Spieler und Offizielle mit teilweise derben Beleidigungen an. Die zweite Saisonniederlage gegen einen Aufsteiger (nach der 1:2-Auftaktniederlage gegen Bayern Alzenau) und nur sieben Punkte aus fünf Spielen sind so manchem Homburger Anhänger bitter aufgestoßen.

So schauen nicht wenige mit bangem Blick auf die anstehenden Aufgaben. Bevor am Samstag der Tabellenvierte Kickers Offenbach in Homburg gastiert und eine Woche später das schwere Derby bei der SV Elversberg ansteht, geht es für den FCH an diesem Mittwochabend um 19 Uhr im heimischen Waldstadion gegen den SSV Ulm. Die vor der Saison als Geheimfavorit gehandelten Süddeutschen sind ähnlich enttäuschend wie die Saarpfälzer in die Saison gestartet und benötigen die drei Punkte genauso dringend.

Vorteil Ulm: Während die Homburger die Pleite in Bahlingen zu verarbeiten haben, dürfte der SSV nach dem 4:0-Sieg gegen Rot-Weiß Koblenz mit neuem Selbstvertrauen anreisen. Tim Stegerer weiß, was auf dem Spiel steht. „Es ist positiv, dass es direkt weitergeht und man dadurch die Niederlage in Bahlingen schnell abhaken kann. Aber wir müssen die Heimspiele in dieser Woche unbedingt gewinnen“, macht der Außenverteidiger des FCH unmissverständlich deutlich.

Nur: Was ist los mit dem FC Homburg? Auf diese Frage gibt es verschiedene Antworten. „Wie müssen über die vollen 90 Minuten zielstrebiger und aggressiver spielen – und abgezockter vor dem Tor werden, wenn sich uns Chancen bieten“, lautet die Analyse von Jürgen Luginger. Dazu dürfe sich der FCH „defensiv keine Fehler mehr erlauben“, ergänzt der FCH-Trainer. Mit anderen Worten: Es muss sowohl vorne als auch hinten mehr Wille und Konzentration her. Herbert Eder vermutet das Problem vor allem im Kopf der Spieler. „Ich glaube, dass das ein psychologisches Problem ist und nicht mit fehlender Qualität der Mannschaft zu hat. Ich bin überzeugt, dass die Mannschaft deutlich mehr Qualität hat, als sie zur Zeit umsetzen kann. Wir hatten eine tolle Vorbereitung mit Siegen gegen Rot-Weiß Essen und den 1. FC Kaiserslautern. Das hat vielleicht dazu geführt, dass manch einer mit zu breiter Brust in die Saison gestartet ist – zumal wenn mit Bayern Alzenau ein vermeintlich leicht zu schlagender Aufsteiger als erster Gegner wartet“, sagt der Homburger Vorstands-Chef.

Mittelfeldspieler Christian Telch macht die schwache Punktausbeute an „fehlender Schnelligkeit“ des eigenen Spiels fest. „Wir müssen an die erste Halbzeit gegen Aalen anknüpfen, dann werden wir auch gegen Ulm gewinnen“, sagt der Mannschaftskapitän. Beim 2:1-Sieg gegen den Drittliga-Absteiger zeigten die Saarpfälzer ihre bislang beste Saisonleistung. Dass der FCH jedoch schon früh den Anschluss an Tabellenführer und Erzrivale 1. FC Saarbrücken verloren hat und seine Mitfavoritenrolle sich vielleicht schon erledigt haben könnte, ist für Telch derzeit kein Thema: „Darauf brauchen wir gar nicht zu schauen. Im Moment ist für uns das nächste Spiel das wichtigste. Das ist zwar eine alte Floskel, die in unserer Situation allerdings gilt.“ Ähnlich äußert sich Vereins-Chef Eder: „Zielvorgaben sind zur Zeit mein kleinstes Problem. Mir macht mehr zu schaffen, dass die Mannschaft ergebnismäßig nicht das zeigt, was sie kann.“

Stürmer Patrick Dulleck sitzt geknickt auf der Bank. Er präsentierte sich zuletzt ebenso wie seine Teamkollegen nicht in Topform. Foto: Andreas Schlichter
Homburgs Trainer Jürgen Luginger hebt am Spielfeldrand fragend die Arme. Seine Mannschaft kann ihr Potenzial aktuell nicht abrufen. Foto: Andreas Schlichter
Mehr Aggressivität in den Zweikämpfen, wie hier von Christopher Theisen (links), fordert FCH-Trainer Jügen Luginger von seinen Jungs. Foto: HAgen/Markus Hagen

Die Zeit, das Steuer herum zu reißen, drängt gewaltig. Ohne eine deutliche Leistungssteigerung hat der FCH für die kommenden Aufgaben keine gute Perspektive. Der dritte Platz aus der Vorsaison hat Erwartungen geweckt. Jetzt gilt es für die Grün-Weißen, diese Erwartungen nicht zu enttäuschen.