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Barfußlaufschuhe erhöhen das Verletzungsrisiko

Barfußlaufschuhe erhöhen das Verletzungsrisiko

In der Laufszene sind Barfußschuhe zurzeit extrem angesagt. Doch Forscher haben jetzt herausgefunden: Solche minimalistischen Schuhe können der Gesundheit schaden. Vor allem Schienbein und Wade sind betroffen.

(sara) Schuhe mit dicker Sohle, guter Dämpfung und Stützfunktion galten lange Zeit als optimal zum Laufen. Doch seit wenigen Jahren gibt es den Trend zu minimalistischen Schuhen. Sie haben eine extrem dünne Sohle, die den Sportler jede Unebenheit spüren lässt. Auch die Absatzhöhe ist bei diesen Schuhen deutlich geringer. Die sogenannten Barfußschuhe sollen ein möglichst natürliches Laufgefühl erzeugen und, wie der Name schon sagt, ein Laufen ohne Schuhwerk nachahmen. Immer mehr Sportler schließen sich dem Trend an. Doch die minimalistischen Schuhe erhöhen das Verletzungsrisiko und können Schmerzen in Schienbein und Wade verursachen. Das haben Forscher der Universitäten in Southport, Australien, und Vancouver, Kanada, in einer Studie herausgefunden.

Dr. Michael Ryan und sein Team testeten dazu 103 Männer und Frauen im Alter zwischen 19 und 50 Jahren. Alle Teilnehmer waren Hobbysportler mit mindestens fünf Jahren Lauferfahrung. Sie hatten bereits vor den Untersuchungen ein regelmäßiges Training absolviert, hatten keine gesundheitlichen Probleme und liefen bisher nicht in minimalistischen Schuhen. Die Probanden mussten zwölf Wochen lang trainieren und zum Abschluss einen Zehn-Kilometer-Lauf bewältigen.

Die Teilnehmer wurden in drei Gruppen eingeteilt und testeten verschiedene Laufschuhtypen: den herkömmlichen Schuh Nike Pegasus 28 mit dicker Sohle und guter Dämpfung und Stützen, den teilweise minimalistischen Schuh Nike Free 3.0 V2, dessen Sohle tiefe Einkerbungen hat, die für eine erhöhte Flexibilität sorgen, und den extrem minimalistischen Schuh Vibram 5-Fingers Bikila mit sehr dünner Sohle, die nur noch zum Schutz dient, aber beim Laufen keinerlei Dämpfung mehr bietet.

Am Ende der Studie blieben 99 Probanden übrig, welche die Wissenschaftler in ihre Analyse einschließen konnten. 23 von ihnen klagten über laufbedingte Verletzungen, die sie sich während der Trainingsphase zugezogen haben. Laut der Studie war die Verletzungsrate unter den Läufern mit dem herkömmlichen Schuh am geringsten. Nur vier Probanden klagten über Probleme. Es folgte die Gruppe mit den extrem minimalistischen Schuhen. Hier erlitten sieben Teilnehmer Verletzungen. Viele von ihnen hatten mit Schmerzen in Schienbein und Wade zu kämpfen. Die meisten Verletzungen gab es jedoch unter den Läufern, welche die Schuhe mit gemäßigter Dämpfung (Nike Free 3.0 V2) testeten. Zwölf Blessuren traten hier auf.

Die Wissenschaftler vermuten, dass die hohe Verletzungsrate der Nike-Free-Träger auf die Zwischensohle zurückzuführen ist. Da diese nur teilweise reduziert wurde und noch eine geringe Dämpfung vorhanden ist, kann sich die Laufdynamik trotz hoher Flexibilität nicht so verändern wie in extremen Barfußschuhen.

Hobbyläufer sollten die Erkenntnisse beherzigen und nicht unbedacht auf Barfußlaufschuhe umsteigen, empfehlen die Forscher. Da bei den Trägern des extrem minimalistischen Schuhs in Wade und Schienbein verstärkt Schmerzen aufgetreten sind, sollten sich Sportler, die ohnehin Probleme in diesen Bereichen haben, dem Trend widersetzen. Obwohl die Testdauer der Studie gering war und die Wissenschaftler keine genauen Angaben über weitere Sportaktivitäten sowie Vorerkrankungen der Teilnehmer hatten, raten sie auch Ärzten dazu, ihren Patienten wegen des erhöhten Verletzungsrisikos nicht pauschal Barfußlaufschuhe zu empfehlen.