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Auf der Strecke mit den Besten der Welt

Auf der Strecke mit den Besten der Welt

Oliver Spurzem steht vor einem großen Wettkampf. Vielleicht vor dem größten seiner Karriere. Der Triathlet der Wassersportfreunde Zweibrücken startet am Samstag beim Ironman auf Hawaii, dem berühmtesten Langdistanz-Ereignis der Welt. 3,86 Kilometer Schwimmen, 180,2 Kilometer auf dem Rad und 42,195 Kilometer Laufen gilt es für den 37-Jährigen bei seiner ersten WM-Teilnahme zu absolvieren. Mit Merkur -Redakteurin Svenja Kissel sprach der Zweibrücker über die Vorbereitung auf seine sechste Langdistanz, sein Ziel für Hawaii und Nervosität, die er nicht spürt.

Herr Spurzem, Sie hatten bereits in den vergangenen Jahren Anlauf auf die Quali für den Ironman auf Hawaii genommen. In diesem hat es nun endlich geklappt. Wie hart war der Weg und wie groß ist die Erleichterung, nun dabei zu sein?

Oliver Spurzem: Der Weg war sehr hart. Ich habe sozusagen fünf Jahre Anlauf genommen. Ich hatte mir damals aber das Ziel gesteckt, in Hawaii teilzunehmen und habe einen Fünf-Jahresplan aufgestellt. Dieser ist zum Glück aufgegangen (lacht). Die Erleichterung an dem Tag in Frankfurt, als ich die Qualifikation geschafft habe, war schon enorm groß.

Wie lange haben Sie nach diesem Langdistanz-Triathlon im Juli in Frankfurt zur Erholung gebraucht, wann haben Sie mit der Vorbereitung auf Hawaii begonnen?

Spurzem: Dieses Mal war die mentale Erschöpfung enorm, hat recht lange gedauert. Nach zwei Wochen kompletter Ruhe ist der Bewegungsdrang langsam zurückgekehrt, aber es hat schon drei bis vier Wochen gedauert, mich mental zu erholen.

Sind Sie denn zufrieden mit Ihrer Vorbereitung auf die Weltmeisterschaft. Haben Sie noch Wettkämpfe bestritten oder nur für sich trainiert?

Spurzem: Ich habe auch noch Trainingswettkämpfe bestritten. Ich muss sagen, die sind alle ganz gut gelaufen und auch im Training war alles im grünen Bereich. Nur der Triathlon am Bostalsee war nicht ganz so gelungen mit der bergigen Laufstrecke.

Wie häufig haben Sie trainiert beziehungsweise wie groß ist der Trainingsumfang vor einem solchen Langdistanz-Triathlon?

Spurzem: Es ist schon ein großer Umfang. Ungefähr sechs bis sieben Kilometer pro Woche bin ich geschwommen, 300 bis 400 Kilometer habe ich auf dem Rad zurückgelegt und 60 bis 70 Kilometer habe ich auf der Laufstrecke verbracht.

Haben Sie Ihr Training umgestellt vor dem Ironman ?

Spurzem: Im Grunde nicht, das sind für mich die normalen Distanzen vor einem solchen Wettkampf. Von der Tempoarbeit unterscheidet es sich etwas, und ich habe beim Laufen hügelige Strecken eingebaut, weil Hawaii ein eher welliges Profil hat.

Sie reisen bereits zwölf Tage vor dem Ironman an. Dient diese lange Zeit der Akklimatisierung?

Spurzem: Ja, pro Stunde Zeitverschiebung rechnet man einen Tag. Da die Verschiebung zwölf Stunden beträgt, passt das genau.

Auf Hawaii werden Sie mit großer Hitze zu tun bekommen. Kommen Sie damit grundsätzlich zurecht?

Spurzem: Manchmal so, manchmal so. Mal sehen, wie es auf Hawaii ist. Dort herrscht eine schwüle, feuchte Hitze, die ganz anders ist als die trockene bei uns. Ich hoffe, ich gewöhne mich bis zum Wettkampf daran.

Welches Ziel setzten Sie sich für die erste Teilnahme auf Hawaii ?

Spurzem: Für mich ist es das vorrangige Ziel, als Daylight-Finisher einzulaufen. Das liegt in einem Bereich von elf Stunden. Das wäre natürlich keine Bestzeit (9:18 Std., Anm. der Redaktion), es ist eher der Notfallplan, ich will einfach nichts heraufbeschwören. Es ist meine erste Weltmeisterschaft, da soll nichts schiefgehen. Ich habe einen Sicherheitsplan, bei dem das Ziel ist, anzukommen, das ist mir ganz wichtig. Wenn ein Abbruch bevorsteht, ist es mental ganz wichtig zu wissen, dass der Notfallplan greifen kann. Da ich weiß, dass ich das auf jeden Fall schaffe, ist alles im grünen Bereich.

Die Teilnahme am Ironman ist für alle Langdistanz-Triathleten der große Traum. Ist es auch für Sie das größte sportliche Erlebnis überhaupt?

Spurzem: Ja, so ganz begreife ich das immer noch nicht. Ich werde dort mit den großen Stars auf die Strecke gehen, dort versammeln sich die besten Athleten der Welt. Die maximale Teilnehmerzahl ist auf 2000 begrenzt. Und ich gehöre dazu.

Wie kamen Sie zum Triathlon ?

Spurzem: Übers Laufen. Das war mir irgendwann zu langweilig. Ich habe dann die Übertragung gesehen vom Ironman in Frankfurt. Da dachte ich mir: Das ist cool. Mit dem Schwimmen hatte ich nie Probleme, ich bin Autodidakt, habe da ein gewisses Talent. Ich habe mir selbst mein Trainingsprogramm zusammengestellt. 2006 habe ich mit dem Triathlon angefangen, 2010 habe ich die erste Langdistanz absolviert. Im Verein trainiere ich vor allem dann, wenn es an harte Einheiten geht, dann ist es gut, wenn jemand da ist, der dir in den Hintern tritt (lacht).

Sie betreiben einen sehr zeit- und kostenintensiven Sport. Wie bekommt man das alles gestemmt?

Spurzem: Man muss ein Organisationstalent haben und das Training in den Alltag einbinden können. Man ist zudem aufgrund der hohen Kosten natürlich auf Sponsoren angewiesen. Schade ist, dass viele Firmen in der Region, die ich alle angeschrieben habe, nur auf medienwirksame Sportarten fixiert sind. So bin ich auch auf überregionale Sponsoren angewiesen, obwohl ich regional sehr verwurzelt bin.

Werden Sie, je näher das große Ereignis nun rückt, nervös?

Spurzem: Eigentlich bin ich recht ruhig. Warum sollte ich auch aufgeregt sein? Es ist meine sechste Langdistanz, ich mache dort also nichts, was ich nicht kenne - bis auf die Strecke. Da ich den Notfallplan habe und weiß, dass mein Körper es kann, sollte auf Hawaii alles funktionieren.

www.oliverspurzem.de

Zum Thema:

Der Ironman Hawaii ist die älteste, bekannteste und spektakulärste Triathlon-Langdistanz der Welt. Sie wird seit der Premiere 1978 jährlich auf der Inselgruppe ausgetragen. Der Ironman ist das höchste Ziel der meisten Triathleten . Für diesen Wettkampf muss man sich seit 1988 bei einem der weltweit stattfindenden und lizenzierten Wettbewerbe durch eine schnelle Gesamtzeit in seiner Altersklasse qualifizieren. Der Ironman Hawaii findet jedes Jahr im Oktober statt und gilt als einer der schwierigsten Ausdauerwettkämpfe der Welt. Neben der extremen Länge der Wettkampfstrecke kommen auf Hawaii die erschwerenden Wettkampfbedingungen hinzu. Neben der Hitze von zum Teil über 40 Grad Celsius können die aufkommenden Mumuku-Winde vor allem auf der Radstrecke das Rennen stark beeinflussen.15 Männer nahmen an der ersten Veranstaltung am 18. Februar 1978 teil. Zwölf von ihnen beendeten das Rennen, angeführt vom damals 28-jährigen Taxifahrer und damit ersten ‚Iron Man', Gordon Haller. Seine Siegerzeit betrug 11:46,40 Stunden. Heute machen sich zwischen 1800 und 2000 Teilnehmer auf die Strecke. Seit 2006 wird der Ironman Hawaii von der World Triathlon Corporation als Triathlon-Weltmeisterschaft ausgetragen. red