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Andreas Krämer lebt den SV Großsteinhausen

SV Großsteinhausen : Der ewige Andy steigt in den Club der 600er auf

600 Spiele, 240 Tore, 26 Jahre und vier Meisterschaften für seinen Verein. Andreas Krämer lebt den SV Großsteinhausen. Und die Fußballschuhe an den Nagel hängen möchte der 44-Jährige, der bei den Aktiven nie für einen anderen Verein auf dem Rasen stand, noch lange nicht.

Wenn Andreas Krämer auf dem Fußballplatz steht, trägt der Kapitän des SV Großsteinhausen II in der C-Klasse eigentlich das Trikot mit der Nummer 23. Am Sonntag zierte aber eine andere Zahl jenes blau-weiße, eingerahmte Trikot, das Krämer vor dem Heimspiel seiner Mannschaft gegen die SG Wallhalben-Mittelbrunn vom SV-Vorsitzenden Karl Baqué überreicht wurde: 600 – so viele Partien hat der 44-Jährige für die Großsteinhauser bestritten. In der Bezirksliga Westpfalz, der A-, der B-, und heute für die Reserve in der C-Klasse.

Eine „ehrenvolle Aufgabe“, sei es, „Andy“ dieses Trikot zu überreichen, sagte Baqué unter dem Beifall der Großsteinhauser Spieler. Einen würdigen Platz dafür werde er finden, versprach der gerührte Krämer mit Tochter Leni an seiner Seite.

600 Spiele oder mehr – die haben in der stolzen Historie des SV Großsteinhausen nur drei Spieler bestritten. Frank Lehner kommt auf 618 Partien, Harald Clauer thront mit 635 an der Spitze. In den „Club der 600er“ wäre Krämer schon viel früher aufgestiegen, hätte die Corona-Pandemie den vergangenen beiden Spielzeiten nicht ein vorzeitiges Ende beschert. Nun ist der 44-Jährige eben ein wenig verspätet zu den „Fußballgrößen“ seines Heimatortes aufgestiegen, wie es Thomas Pfeifer formulierte. Erhard Vogelgesang, Frank Lehner, Harald Clauer – in einem Atemzug mit diesen Namen müsse Krämer, der „Steenhauser Bub“ nun genannt werden, sagte Vorstandsmitglied Pfeifer, der auch das Vereinsarchiv führt, und der an diesem Nachmittag als Chronist gefragt war. Er wusste unter anderem zu berichten, dass Krämer im Aktivenbereich nie für einen anderen Club die Fußballschuhe schnürte als für den SV. In der Jugend kickte er allerdings für die SG Rieschweiler, da der Nachwuchsbereich beim SV damals noch nicht existierte. Damals also kutschierte Papa Krämer seinen Sohn zum Training ins Schwarzbachtal. Zur Saison 1995/96 schloss der junge Andy sich „seinem“ SV Großsteinhausen aber wieder an. Am 12. August 1995 stand Krämer dann erstmals für den SV auf dem Feld, wusste Pfeifer. Im Auswärtsspiel gegen den TSC Zweibrücken wurde er eingewechselt. Krämers Erfolgsgeschichte bei den Blau-Weißen begann damals mit einem Misserfolg. Der SV verlor am Wattweiler Berg mit 2:4.

Pfeifer wusste auch, wann Andreas Krämer seinen ersten Treffer für Großsteinhausen erzielte. Sechs Wochen nach seinem Debüt – am 24. September 1995 – waren die Sportfreunde aus Bundenthal im Steinhauser Land zu Gast. Und Krämer hatte mit seinem Tor einen Anteil daran, dass die Sportfreunde die Heimreise mit einer 0:3-Pleite im Gepäck antreten mussten. Sein erster Treffer für Großsteinhausen! 239 weitere Tore ließ der Offensivspezialist bis heute folgen.

39 davon erzielte Krämer in der Bezirksliga Westpfalz und hatte somit großen Anteil daran, dass die erste Mannschaft des SV, die heute in der A-Klasse an den Start geht, in der Liga blieb. Vier Meisterschaften feierte Krämer mit seinem Heimatverein (2002, 2004, 2009, 2015). In der Saison 2003/04 als Spielführer. Ein sportliches Highlight in der bisherigen Laufbahn des 44-Jährigen war auch das Bezirkspokalfinale an Christi Himmelfahrt im Jahr 2012. Gegen den damaligen Bezirksligameister SV Morlautern unterlag Großsteinhausen vor rund 500 Zuschauern auf dem Rasenplatz in Knopp aber mit 0:5.

Die ohnehin stolze Zahl von 600 Partien für seinen Heimatverein wird vor Krämers gesundheitlichem Hintergrund noch einmal beeindruckender. 2012 erlitt er in jungen Jahren einen Herzinfarkt und pausierte über ein Jahr. Nachdem er zunächst nur noch ein wenig bei den Senioren mit kickte, packte den „ewigen Andy“ aber erneut der sportliche Ehrgeiz. In Absprache mit den Ärzten nahm der Familienvater das Training bei den Aktiven wieder auf. Heute spielt er in der zweiten Mannschaft, für die er mit Heiko Weber und Björn Bernhard verantwortlich ist. „Der Fußball macht mir noch immer viel Spaß“, sagt Krämer, der aktuell noch keinen Gedanken daran verschwende, die Fußballschuhe an den Nagel zu hängen. Und so wird man Krämer auch in Zukunft – dann wieder mit der Rückennummer 23 – auf den Fußballplätzen der Südwestpfalz kicken sehen. Allerdings nicht am kommenden Wochenende. Da hat der SV Großsteinhausen II nämlich spielfrei. Und dennoch wird die Zahl der Spiele und die der Tore auf Krämers Konto wachsen. Für ein weiteres Jubiläumstrikot würde er sicher wieder einen würdigen Platz finden. Mit dem Platz für die Zahlen auf dem Trikotrücken könnte es hingegen bald knapp werden.