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Amateurfußballer im SWFV pausieren nun auch

Amateurfußball im SWFV ruht : „Das war jetzt höchste Eisenbahn“

Nun ruht auch der Ball bei den Amateurkickern im Südwestdeutschen Fußballverband wieder. Nach dem Saarland haben der SWFV und das Rheinland am Dienstagabend mit der Unterbrechung der Spielzeit nachgezogen. Die Entscheidung trifft überwiegend auf Verständnis.

Keine zwei Monate ist es her, dass sich die Amateurfußballer im Südwestdeutschen Verband nach der langen Corona-Pause wieder auf die ersten Punktspiele freuen konnten. Noch in den vergangenen Tagen hatte Reiner Ehrgott, der Vorsitzende des Fußball-Kreises Pirmasens/Zweibrücken gehofft, den Spielbetrieb aufrecht erhalten zu können. Doch diese Hoffnung wurde von den steigenden Corona-Infektionszahlen überrollt. Unabhängig von den Entscheidungen der Bundesregierung hat der Südwestdeutsche Fußballverband (SWFV) am Dienstagabend beschlossen, die Runde ab diesem Donnerstag in allen Pflichtspielklassen der Männer, Frauen und Jugend sowie im Pokal zu unterbrechen. Auch der Verband Rheinland hat sich zu diesem Schritt entschlossen. Im Saarland pausieren die Fußballer bereits seit dem vergangenen Wochenende.

„Die Maßnahmen waren jetzt unausweichlich“, sagt Ehrgott, der an der Videokonferenz des SWFV teilgenommen hatte. „In allen Kreisen im Verbandsgebiet gibt es Orte, in denen die Ampel auf Rot steht“, fügt der Kreisvorsitzende an. Man müsse sich nur überlegen, die Zweite des FC Fischbach würde am Wochenende bei der SG Pirmasens spielen, wo die Ampel auf gelb ist, und dürfte demnach spielen, die Erste müsste nach Contwig, dürfte dort aber nicht auf den Platz. „Das wäre paradox“, verweist Ehrgott auf die unterschiedlichen Verfügungslagen in den Kreisen, die einen adäquaten Spielbetrieb derzeit nicht zuließen.

Noch während der Sitzung hatte Ehrgott dann auch eine Meldung aus einem Verein des Kreisgebiets bekommen, dass ein Spieler positiv auf Corona getestet wurde. So hätten wieder Absagen gedroht – und das waren nicht die einzigen. Die Zahl der Neuinfizierten hat sich im Vergleich zur vergangenen Woche innerhalb des Verbandsgebiets fast verdoppelt, schreibt der SWFV in seiner Mitteilung, Das bedeutet für den Spielbetrieb: Anfang Oktober mussten zirka fünf Prozent der angesetzten Partien kurzfristig abgesetzt werden. Die Zahl der Absagen stieg in der Vorwoche auf 25 Prozent. „Das ist nun ohnehin hinfällig. Die Pause kommt von daher nun ganz gut. Zumal auch das Saarland und Rheinland, mit denen wir den Regionalverband bilden, den Spielbetrieb ebenfalls unterbrochen haben“, betont Reiner Ehrgott.

Wann im Südwesten wieder um Punkte gekämpft werden kann, ist derzeit offen. Während sich der SFV, der sich Anfang November neu beraten will, zunächst eine Frist von zwei Wochen gesetzt hatte, „haben wir keinen festen Termin genannt“, sagt Ehrgott. Es habe keinen Sinn, erst einmal 14 Tage zu unterbrechen und dann wieder zu verlängern. So werde der SWFV rechtzeitig über eine Fortsetzung informieren. Die Zulässigkeit von Freundschaftsspielen und Trainingsbetrieb richte sich nach den jeweils gültigen staatlichen oder behördlichen Verfügungslagen, so der SWFV. „Wir werden beobachten, wie sich die Zahlen entwickeln“, erklärt der Kreisvorsitzende.

Mit Blick auf die derzeitige Entwicklung kann Andreas Hergert, Trainer des A-Ligisten SVN Zweibrücken, die Entscheidung des Verbands nachvollziehen: „Natürlich haben wir Verständnis. Ehrlich gesagt hätte ich schon ein, zwei Wochen früher damit gerechnet. Das war jetzt höchste Eisenbahn“, betont er. Verständnis zeigt auch der Co-Spielertrainer des Verbandsligisten SG Rieschweiler, Steffen Sprau. „Wenn man die ganzen Risikogebiete anschaut, wäre es wirklich nicht sinnvoll, einfach weiterzuspielen. Man sieht ja, dass die Zahlen derzeit eher nicht besser werden.“ Auch  Stephan Heidenreich, Sprecher des TSC Zweibrücken, war nicht überrascht von der Unterbrechung. „Das war absehbar“ sagt er. Natürlich treffe die Entwicklung andere Bereiche sicher härter als den Amateursport. „Etwa die Gastronomie, da hängen Existenzen dran. Aber wirtschaftlich trifft es den TSC auch extrem.“ Wie alle Vereine in Eigenregie, betont er. Der TSC generiere seine Einnahmen vor allem aus dem Clubheim. Von Sponsoren könne man derzeit nicht viel verlangen. Je nachdem, wie lange die Pause dauert, werde das problematisch. Aus dem ersten Corona-Lockdown sei der TSC gerade noch „mit einem blauen Auge davon gekommen“.

Auch sportlich sieht Heidenreich keine einfache Zeit auf die Clubs zukommen. „Es kann sein, dass der ein oder andere Spieler aufhört, weil er keine Lust mehr auf das Hin und Her hat.“ Er glaubt auch nicht daran, dass es für die Mannschaften vor 2021 nochmal zurück in die Punktspiele gehen wird. „Und vielleicht wäre es sogar ganz sinnvoll, jetzt einen harten Schnitt zu machen, die Hinrunde als beendet zu erklären und dann im kommenden Jahr mit englischen Wochen in die Rückrunde zu starten, anstatt jetzt wieder vier Wochen Pause, dann nochmal anfangen, dann Weihnachtspause und wieder anfangen – das birgt auch ein Verletzungsrisiko.“

Durch die kleineren Ligen ist Andreas Hergert zuversichtlich, egal, wann es zurück auf die Plätze geht, zumindest die Vorrunde durch zu bekommen. Die anschließenden Auf- und Abstiegsspiele in kompletten Runden kann er sich hingegen nicht mehr vorstellen. Weil man damit rechnen musste, dass es eine zweite Welle geben würde, „haben wir die Spielzeit ja mit Vorrunde sowie mit anschließender Auf- und Abstiegsrunde geplant. Wenn wir es schaffen, die Gruppenspiele durchzubringen, dann haben wir schon mal eine halbwegs sportliche Entscheidung“, betont Ehrgott. Dann müsse je nach Lage entschieden werden, ob die Auf- und Abstiegsrunden gespielt werden oder, ob die Auf- und Absteiger möglicherweise über Kreuz ermittelt werden. „Das müssen wir abwarten.“

Auch Hergert glaubt nicht daran, dass in diesem Jahr nochmal um Punkte gespielt wird. „Wir hoffen es natürlich, aber der gesunde Menschenverstand sagt da etwas anderes. Wir haben jetzt Ende Oktober. Ende November, Anfang Dezember wieder anzufangen, wäre auch Schwachsinn.“ Auch er sieht hier eine große Verletzungsgefahr – und spricht dabei aus Erfahrung. Hergerts Mannschaft hatte nach der langen Coronapause mit großen Verletzungssorgen zu kämpfen. „Wir sind gerade wieder in Fahrt gekommen, sportlich ging es gerade wieder aufwärts.“ Doch trotz aller Freude der Jungs, wieder auf dem Platz sein zu können, seien die Voraussetzungen derzeit nicht gegeben, unter regulären Bedingungen  die Spiele durchzuziehen. Steffen Sprau hofft, dass sich die Situation möglichst schnell wieder bessert. „Wir haben nach der langen Pause fast neun Wochen Vorbereitung und sieben Wochen Spiele hinter uns – da ist es doch klar, dass man weitermachen will.“

Ob der SVN Zweibrücken in der Pause weiter trainieren wird, war noch offen. „Wir warten jetzt mal die Entscheidungen der Bundesregierung und der Stadt ab“, erklärt Hergert. Dann werde er entscheiden, ob auch eine Trainingspause eingeschoben wird. Der TSC wolle, so lange es zugelassen ist, weiter trainieren. Die Hygiene-Konzepte stünden ja. Diese Gedankenspiele sind spätestens ab Montag dann ohnehin hinfällig. Bund und Länder haben beschossen, den Amateursport sowie den Trainingsbetrieb, bis auf  den Individualsport, im November ruhen zu lassen. Unter Einhaltung der Hygiene- und Abstandsregeln hätte es Steffen Sprau für sinnvoll gehalten, weiter am Ball zu bleiben und sich fit zu halten. Für den Tag X, wenn wieder auf den Plätzen um Punkte gekämpft werden darf.