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Abbruch der Tishtennis-Saison hinterlässt viele Fragezeichen

Tischtennis : Jähes Saisonende hinterlässt viele Verlierer

Tischtennis: Der Abbruch der Saison wird von vielen Vereinen als unfair empfunden. In einigen Ligen entscheidet nun die Zahl der ausgetragenen Spiele den Titelkampf. Das betrifft auch die Männer von der VT Zweibrücken und die Damen vom TTC Riedelberg.

Die Tischtennis-Saison ist mit sofortiger Wirkung beendet. Das hat der Deutsche Tischtennisbund (DTTB) in Absprache mit seinen Landesverbänden wegen der Corona-Krise beschlossen. Die Tabellenstände von Anfang März, als die Spieler zum letzten Mal an die Platten traten, werden als Abschlusstabellen gewertet. Das sorgt bei einigen Clubs für Stirnrunzeln, bei anderen für Frust. Denn es spielt dabei keine Rolle, ob eine Mannschaft schon mehr Spiele als die direkte Konkurrenz ausgetragen hat. Diese Regelung mit verzerrten Tabellenbildern birgt vor allem in den Auf- und Abstiegsfragen Zündstoff. Zuweilen haben Teams bis zu drei Partien weniger ausgetragen als ihre Konkurrenten. Nach Aussage von Peter Baumann, Vizepräsident des Pfälzischen Tischtennis-Verbandes (PTTV), soll es zwar möglicherweise individuelle Lösungen geben. Zum Beispiel in Form von Relegationsspielen. „Doch zum jetzigen Zeitpunkt kann ich noch nichts Konkretes dazu sagen“, ergänzt Baumann.

An den Terminen zur Saison 2020/21 soll indes festgehalten werden, so auch an der Einführung der beiden neuen Spielklassen Bezirksoberliga (zwischen Bezirksliga und 2. Pfalzliga) und Verbandsoberliga (zwischen 1. Pfalzliga und Oberliga).

Der Saisonabbruch sorgt jedenfalls für mächtig Furore quer durch alle Ligen. Die Lösung, den Tabellenstand Mitte der Rückrunde für das Abschlussklassement heranzuziehen, wird als ungerecht kritisiert. Bei Diskussionen im Internet wird die Wertung der Vorrundentabelle favorisiert. Denn dann hätten alle Mannschaften die gleiche Zahl an Spielen gehabt. Zudem wäre jedes Team einmal gegen jeden Konkurrenten in der Liga angetreten. Teams, die in der Rückrunde bis dato ein schweres Programm hatten und in den restlichen Partien demnach noch gegen viele Gegner auf Augenhöhe gespielt hätten, sehen sich ihrer Chance beraubt, einen Rückstand aufzuholen. Ein Überblick über die betroffenen Vereine aus der Region:
Oberliga Herren

Ein Gewinner des Abbruchs ist der TTC Nünschweiler. Der Aufsteiger steht auf dem viertletzten – und damit ersten Nichtabstiegsplatz.

Pfalzliga Herren

Die SG Waldfischbach ist mit 2:34 Punkten zwar abgeschlagen Tabellenletzter. Wegen der Einführung der neuen Verbandsoberliga muss die Mannschaft dennoch nicht absteigen. Das vorzeitige Saisonende findet SGW-Teamsprecher Markus Letzelter sinnvoll. „Da gerade im Tischtennis auch noch Spieler höheren Alters, die zur Risikogruppe gehören, mit von der Partie sind, ist die Entscheidung meiner Meinung nach zu vertreten, zumal die weitere Entwicklung jetzt noch nicht abzuschätzen ist.“ Die Herren vom TTC Riedelberg beenden die Runde als Aufsteiger auf Rang neun.

2. Pfalzliga Herren

Mit dem SV Weselberg (5:31 Punkte) und dem TTC Höhfröschen (6:32) belegen zwei Mannschaften aus der Südwestpfalz die Abstiegsplätze. Sie schlagen nächste Saison in der neuen Bezirksoberliga auf. Der Tabellenvorletzte TTC Höhfröschen hätte bei noch drei ausstehenden Spielen die theoretische Chance auf den Klassenerhalt gehabt. Heiko Dreßler, Mannschaftskapitän des TTC sagt: „Bei dieser Situation kann es keine richtige oder gerechte Lösung geben. Mir kommt die Entscheidung zu früh. Man hätte durchaus noch bis Ende April abwarten und dann die letzten Spiele in zwei Wochen ohne Zuschauer durchziehen können.“ Der SV Mörsbach beendet die Runde derweil auf dem guten vierten Platz.

Bezirksliga Herren

Mit der TTA Vinningen, der VT Zweibrücken, dem TTC Hauenstein und dem TV Höheinöd liegen vier Mannschaften an der Tabellenspitze fast gleichauf. Vinningen ist mit 33:11 Punkten Meister und steigt in die 2. Pfalzliga auf. Die Verfolger aus Zweibrücken (31:11), Hauenstein (30:12) und Höheinöd (29:11) haben ein – im Fall von Höheinöd sogar zwei – Spiele weniger ausgetragen und somit knapp das Nachsehen. Auch der TTC Mittelbach als Fünfter (29:13) und die BTTF Zweibrücken (25:15) als Sechster hatten noch Außenseiterchancen. Diese Teams werden zusammen mit dem TTC Gersbach und dem TTC Dahn auf den Plätzen sieben und acht nächste Saison in der neuen Bezirksoberliga spielen. Jonas Greiner, Mannschaftsführer der TTA Vinningen, sagt: „Für mich war der Abbruch die einzig richtige Entscheidung. Auch wenn es am Ende denkbar knapp war, wären wir auch bei einem Abbruch mit Stand Ende der Vorrunde Erster gewesen. Daher freuen wir uns jetzt auf den Aufstieg in die 2. Pfalzliga“. Sebastian Schwartz vom Kontrahenten VT Zweibrücken meint: „Ich denke, dass man den Teams, die weniger Partien gespielt haben, wenigstens noch die Möglichkeit hätte geben sollen, auf die gleiche Anzahl zu kommen. So ist die Tabelle nicht aussagekräftig.“ Auch Manuel Conrad vom TV Höheinöd ist frustriert: „Fair wäre ganz klar das Endergebnis der Vorrunde. Es ärgert mich schon gewaltig, da die Runde eben noch nicht entschieden war und die entscheidenden Spiele noch gekommen wären.“ Sebastian Kranitz sagt in seiner Doppelfunktion als Mannschaftsführer des Tabellenzehnten TTC Pirmasens und als Bezirkssportwart: „Es ist nicht die fairste Lösung. Ich hätte eine andere Variante bevorzugt, aber irgendjemand wäre immer benachteiligt worden. So wissen jetzt alle Vereine wenigstens, woran sie sind.“ Auf das punktlose Schlusslicht TTC Riedelberg II hatte der Saisonabbruch bei vier ausstehenden Spielen und neun Punkten Rückstand auf den Vorletzten keinen Einfluss.

Oberliga Damen

Der Tabellendritte TTC Riedelberg hätte noch in den Genuss eines Relegationsspiels kommen können und auch der TTC Pirmasens auf Platz fünf war noch nicht aus dem Rennen. Aber der Aufsteiger hat den Klassenerhalt und damit sein Saisonziel erreicht. Elena Süs, die Mannschaftsführerin des TTC Riedelberg, sieht die Entscheidung alternativlos: „Einzelfallentscheidungen für einzelne Ligen wären nicht zu realisieren gewesen. Es gibt Gewinner und Verlierer, aber sportlich wird sich das bis zur Saison 2021/22 wieder ausgeglichen haben.“

1. Pfalzliga Damen

Die BTTF Zweibrücken müssen mit 8:20 Punkten als Vorletzter um den Klassenerhalt zittern. Wieviele Mannschaften absteigen, ist noch nicht vollkommen sicher. Das sieglose Schlusslicht TTC Mittelbach muss dagegen den Gang zurück in die 2. Pfalzliga antreten. Der TTC Riedelberg II beendet die Runde mit ausgeglichenem Punktekonto (15:15) auf Platz sechs.

Julia Dieter und ihr TTC Riedelberg hatten noch gute Chancen auf den Relegationsplatz. Selbst Spitzenreiter Saarbrücken lag noch in Reichweite. Foto: Martin Wittenmeier

2. Pfalzliga West Damen
Schlusslicht TTC Riedelberg III hatte bei vier verbleibenden Spielen noch die theoretische Chance, im Saisonendspurt Plätze gutzumachen. Wahrscheinlich war dies angesichts von sechs Zählern Rückstand auf den Vorletzten SG Hochspeyer aber nicht.

Ob das letzte Wort um die Auf- und Abstiege in den rheinland-pfälzischen Tischtennisklassen damit tatsächlich gesprochen ist, ist allerdings ungewiss. Beschwerden – oder sogar Klagen – scheinen angesichts des Unmuts vieler Vereine zumindest nicht ausgeschlossen.