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3. Handball-Liga: SV 64 Zweibrücken verpflichtet Kevin Knieps

SV 64 Zweibrücken : Albträume sollen nur noch die Gegner haben

Handball-Drittligist SV 64 Zweibrücken kassierte in seiner Aufstiegssaison 2019/2020 nur eine Niederlage – gegen die Sportfreunde Budenheim. Für diesen einzigen Fleck auf der sonst blütenweißen Runde der Löwen war vor allem Budenheims Kevin Knieps verantwortlich. Zur kommenden Saison wechselt der torgefährlichste Kreisläufer der Oberliga zum SV 64.

Vielleicht hat der eine oder andere Handballer des SV 64 Zweibrücken am 7. Dezember 2019 schlecht von Kevin Knieps geträumt. An jenem Tag nämlich traten die Löwen zum Auswärtsspiel der Handball-Oberliga bei den Sportfreunden Budenheim an. Nach 15 Siegen in Serie verlor der SV 64 in dem Mainzer Stadtteil sein erstes Saisonspiel mit 23:24. Es sollte bis zum Abbruch der Runde, nach der die Zweibrücker in die 3. Liga aufstiegen, die einzige Niederlage bleiben. Die Pleite bei den Sportfreunden – es war der einzige Fleck auf einer ansonsten blütenweißen Weste. Bester Torschütze an diesem Septembertag: Budenheims Kreisläufer Knieps, der sechs Treffer erzielte.

Zumindest in den kommenden beiden Spielzeiten wird sich das nicht wiederholen. Auch wenn die Budenheimer eines der wenigen Teams sind, die nach der annullierten Saison in der Oberliga Rheinland-Pfalz/Saar ihr Interesse am Aufstieg in die 3. Liga angemeldet haben und somit künftig wieder ein Ligakonkurrent der Zweibrücker sein könnten. Sollte dies der Fall sein, wird Knieps allerdings die Farben der Löwen tragen. Denn der 28-Jährige hat beim SV 64 einen Vertrag bis 2023 unterschrieben.

Seine künftigen Teamkollegen hat der Kreisläufer, der in der Saison 2019/20 mit 120 Treffern in 22 Spielen hinter Tom Paetow (damals VTZ Saarpfalz) zweitbester Torschütze der Oberliga RPS wurde, im Rahmen von zwei Probetrainings bereits kennengelernt. „Da hat man seine Qualität schon gesehen, er hat auf Anhieb super mit unseren Rückraumspielern harmoniert“, sagt SV-Trainer Stefan Bullacher, der bei der Aufzählung von Knieps‘ Vorzügen ins Schwärmen gerät: „Er verbindet Zweikampfstärke mit einer feinen Technik. Er fängt die Bälle am Kreis einhändig und unter größter Bedrängnis. So einen Spieler findet man in der Oberliga eigentlich nicht. Kevin ist für mich auch kein Oberligaspieler – sondern ein klarer Drittligaspieler.“

Bei der Verpflichtung von Knieps hätte bei den SV 64-Verantwortlichen vor allem dessen Robustheit und Durchsetzungsfähigkeit eine Rolle gespielt. „Die gegnerischen Abwehrreihen in der 3. Liga stellen uns vor neue Herausforderungen. Da haben die Verteidiger nicht selten Gardemaß, sind 1,95 Meter plus X groß“, weiß Bullacher. „Kevin misst ebenfalls fast 1,90 Meter. Aber vor allem ist er eine richtige Kante, ein bulliger Typ. Diese Körperlichkeit braucht man in der 3. Liga“, ergänzt der Trainer. Auch der SV-Vorsitzende Jürgen Knoch freut sich über die Verpflichtung: „Kevin stand bei uns ganz oben auf dem Wunschzettel und wir sind froh, dass wir ihn für unsere Arbeit begeistern konnten. Er bringt unglaublich viel Energie und Vorfreude mit. Die Gespräche mit ihm waren sehr positiv, er möchte mit uns etwas bewegen Er wird zusammen mit Sebastian Meister ein sehr gutes Kreisläufergespann bilden“, ist er sicher.

Knieps wechselte vor fünf Jahren aus beruflichen und familiären Gründen seinen Wohnort aus seiner niedersächsischen Heimat Münden nach Mainz. Sportlich trug er allerdings zunächst das Trikot des hessischen Drittligisten TV Groß-Umstadt, für den er zum Training und Wettkampf stets eine Wegstrecke von fast 100 Kilometer auf sich nahm.

Nun wird seine Anfahrt sogar noch länger. Rund 140 Kilometer muss er zur neuen Saison zwischen Mainz und der Rosenstadt pendeln. „Und so etwas macht man ja nicht aus Langeweile. Sondern nur wenn man von etwas überzeugt – und vielleicht ein bisschen verrückt ist“, sagt Bullacher und muss lachen. Die Verhandlungen mit Knieps hätten jedenfalls nicht lange gedauert. „Ich glaube, er findet auch unsere Spielweise ziemlich geil. Aber beide Seiten waren ad hoc voneinander begeistert. Dass wir für so einen Spieler erste Wahl sind, zeigt auch, dass der SV 64 im Handball eine sehr gute Adresse geworden ist“, ergänzt der 52 Jahre alte Trainer.

„Die Spielphilosophie beim SV 64 steht für einen schnellen und körperbetonten Handball. Das passt sehr gut zu meinem eigenen Spiel“, sagt Knieps selbst, der seit 2017 für Budenheim spielt und beruflich als technischer Leiter für ein Logistikunternehmen arbeitet. Ausgebildet wurde er bei seinem Heimatverein TG Münden in Niedersachsen. Dort spielte er bereits im Alter von 17 Jahren in der 3. Liga.

In dieser Spielklasse wird er nächste Saison wieder auf Torejagd gehen. „Ich wurde von den Jungs super aufgenommen und der gute Ruf der Truppe und des Trainings hat sich bestätigt. Ich freue mich darauf, dass die Runde losgeht und hoffe, dass wir vor dem tollen Zweibrücker Publikum spielen können“, sagt der 28-Jährige. Und seine künftigen Mitspieler freuen sich vielleicht ebenfalls – darauf, dass Kevin Knieps künftig nur noch den Gegnern schlechte Träume bescheren wird.