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3. Fußball-Liga: 1. FC Kaiserslautern landet wichtigen Sieg gegen Uerdingen

1. FC Kaiserslautern : Ein Sieg fehlt noch zum Klassenerhalt

Fußball-Drittligist 1. FC Kaiserslautern gewinnt das Sechs-Punkte-Spiel gegen den KFC Uerdingen nach frühem Rückstand deutlich mit 4:1. Außenverteidiger Philipp Hercher ragt mit drei Torbeteiligungen heraus. Der Vorsprung auf einen Abstiegsplatz beträgt zwei Spieltage vor Schluss nun vier Punkte.

Erst in der 84. Minute löste sich alle Anspannung aus dem Gesicht von Marco Antwerpen. Hendrick Zuck hatte den 1. FC Kaiserslautern im „Sechs-Punkte-Spiel“ der 3. Fußball-Liga im Fritz-Walter-Stadion gegen den ebenfalls vom Abstieg bedrohten KFC Uerdingen gerade mit 4:1 in Führung geschossen. Da war auch dem FCK-Coach klar: Die Roten Teufel haben einen weiteren wichtigen Schritt Richtung Klassenerhalt getan. Zumal der SV Meppen (0:2 gegen Lübeck) und der FC Bayern München II (1:2 gegen Schlusslicht Unterhaching) am Sonntag Punkte liegen ließen und der Vorsprung der Pfälzer auf die Abstiegsplätze zwei Spiele vor Schluss auf vier Punkte angewachsen ist.

Der Mann des Tages auf Seiten des FCK war Außenverteidiger Philipp Hercher. Den Ausgleich zum 1:1 hatte er selbst erzielt. Und dann mit zwei punktgenauen Vorlagen den Grundstein dafür gelegt, dass die Roten Teufel einen 0:1-Rückstand noch vor der Pause in eine 3:1-Führung umgewandelt hatten. Die rechte Angriffsseite der Lauterer mit Hercher und Kapitän Jean Zimmer bekamen die Uerdinger zu keiner Phase der Partie in den Griff.

„Es läuft gerade super bei mir, aber die Mannschaft macht es mir auch einfach. Jean spielt mir die Bälle gut raus, die kann ich dann entweder selbst verwerten oder flanken“, schwärmte Hercher am Mikrofon von MagentaSport. „Noch haben wir nichts erreicht“, warnte er aber. „Philipp war nicht nur heute gut unterwegs, auch schon in den letzten Spielen. Als Vorbereiter. Aber auch als Torschütze. Das sind wohl seine Stürmer-Gene von früher“, sagte Antwerpen und schmunzelte. Bei der SG Sonnenhof Großaspach, von der Hercher 2019 kam, hatte der 25-Jährige in der Offensive gespielt.

Der Beginn der Partie auf dem Betzenberg war für Hercher und Co. aber alles andere als nach Maß verlaufen. Eine Flanke der Uerdinger konnte Lauterns Innenverteidiger Kevin Kraus nicht entscheidend klären. Den Nachschuss lenkte der am Boden liegende Uerdinger Fridolin Wagner eher zufällig an die Latte. Den Abpraller drückte Muhammed Kiprit zur frühen Gästeführung über die Linie (6.). „Da musst du dich erstmal schütteln“, meinte Antwerpen. Lange Zeit, um den Rückstand zu verdauen, brauchte seine Elf aber nicht. Marvin Pourié ließ in der neunten Minute einen Gegenspieler stehen und zog aus 20 Metern ab. Haarscharf rauschte das Spielgerät am rechten Pfosten vorbei. Drei Minuten später stand Pourié erneut im Fokus. Zuck hatte sich auf dem linken Flügel durchgesetzt und serviert. Doch Pourié traf den Ball nicht richtig. Kurz darauf durfte der FCK trotzdem jubeln. Felix Götze spitzelte dem Ex-Lauterer Gino Fechner tief in der Uerdinger Hälfte den Ball vom Fuß. Der nach einer Erkrankung wieder genesene Daniel Hanslik spielte mit viel Übersicht auf Hercher ab. Und der schob den Ball aus halblinker Position in die rechte Ecke (14.). KFC-Torwart Hidde Jurjus sah in der Szene allerdings nicht gut aus. Der Ball rutschte unter dem Körper des Niederländers durch und trudelte über die Torlinie.

Aus dem Spiel heraus kam Uerdingen gegen die überlegenen Roten Teufel nur selten zu nennenswerten Aktionen, war dafür aber nach Standards gefährlich. KFC-Verteidiger Haktab Traoré kam nach einer Ecke zum Kopfball. Zuck klärte für Torwart Avdo Spahic (17.). Der Schlussmann war nach auskuriertem grippalen Infekt zwischen die Pfosten zurückgekehrt. Zehn Minuten später ging der FCK nach einem blitzsauberen Angriff über die starke rechte Seite in Führung. Zimmer schickte mit einem Kontakt Hercher in die Schnittstelle der Uerdinger Abwehr. Der 25-Jährige passte scharf zurück an den Elfmeterpunkt. Felix Götze traf flach links zum 2:1. Kurz darauf hätte Götze aber fast unfreiwillig für den Ausgleich gesorgt. Wieder war es eine Ecke der Krefelder, die den FCK in Bedrängnis brachte. Vom Hinterkopf von Götze sprang der Ball an die Querlatte (32.). Glück für Kaiserslautern. Offensiv lief es bei den Pfälzern dagegen weiter wie am Schnürchen. Carlo Sickinger trieb den Ball im Zentrum nach vorne und setzte mit einem Steilpass Hercher auf halbrechts in Szene. Querpass. Marvin Pourié stand am ersten Pfosten goldrichtig. 3:1 für den FCK (39.). So ansehnlich das Offensivspiel der Roten Teufel auch war. Hinten standen die Gastgeber nicht immer sattelfest. Spahic hielt mit einer starken Parade die Zwei-Tore-Führung fest. Auch Thomas Hengen war in der Halbzeit zwiegespalten. „Mit Ball sieht das sehr gut aus, ohne nicht“, meinte der FCK-Sportchef am SWR-Mikrofon. „Das ist Abstiegskampf, wir dürfen dem Gegner nicht solche Chancen geben, wieder ins Spiel zu kommen.“

Nach dem Seitenwechsel agierte Uerdingen offensiver. Kaiserslautern stand aber nun recht stabil. Dafür hakte es ein wenig in der Offensive. Die wenigen Kontergelegenheiten spielte der FCK schlampig aus. Pourié (60.), der eingewechselte Kenny Redondo (65.) und Anas Ouahim (76.) verzeichneten Halbchancen. Zudem sah Linksverteidiger Zuck seine fünfte Gelbe Karte (78.). Er wird in der Auswärtspartie am vorletzten Spieltag bei Viktoria Köln (Samstag, 14 Uhr) fehlen.

In der Schlussphase wurde der FCK wieder zwingender. Einen Freistoß des eingewechselten Marlon Ritter faustete Jurjus ins Seitenaus (82.). Beim anschließenden Einwurf eroberte Uerdingen zunächst den Ball. Dann wollten es die Krefelder spielerisch lösen. Der ebenfalls eingewechselte Lauterer Nicolas Sessa hatte etwas dagegen, erlief einen Pass im Uerdinger Aufbauspiel und leitete den Ball auf Zuck weiter. Doppelpass mit Jean Zimmer – und Zuck schob den Ball mit links gefühlvoll in die rechte Ecke. 4:1 für Kaiserslautern. Die Partie war entschieden. Der FCK fuhr den bislang höchsten Saisonsieg ein – und sorgte damit für Erleichterung bei Marco Antwerpen. „Ja, jetzt bin ich mal entspannt.“ Im Hinblick auf die letzten beiden Spieltage und die Konkurrenten im Tabellenkeller erklärte er: „Es gibt keine Hochrechnung. Es gibt erst mal dein eigenes Spiel, das du gewinnen musst. Ich gucke nicht nach Bayern, nicht nach Meppen oder sonst irgendwo hin. Wir gewinnen unsere Spiele und dann kann kein anderer was machen.“

Zu den FCK-Anhängern, die vor der Partie beim Weg des Mannschaftsbusses rauf auf den Betzenberg Spalier gestanden hatten, sagte der Coach: „Es ist einfach nur beeindruckend, was unsere Fans auf die Beine stellen. Der Empfang war sensationell – da willst du eigentlich sofort raus auf den Platz. Ich freue mich schon, wenn wir hier in unserem Stadion endlich vor Zuschauern spielen dürfen.“

Hendrick Zuck meinte: „Ausruhen dürfen wir uns natürlich nicht. Wir haben aber jetzt eine gute Ausgangslage, die wir die letzten Wochen nicht hatten.“ Und der Mann des Tages, Philipp Hercher, sagte: „Wir hatten mal zehn Endspiele, jetzt sind es noch zwei. Damals hatten uns nicht mehr viele auf der Rechnung.“