1. Pfälzischer Merkur
  2. Regionalsport

3. Fußball-Liga: 1. FC Kaiserslautern empfängt im Derby 1. FC Saarbrücken

Drittliga-Derby 1. FC Kaiserslautern gegen 1. FC Saarbrücken : „Wir haben gezeigt, dass wir Derby können“

Die Rivalität ist groß, der Abstand in der Tabelle auch. Dabei ist die Konstellation vor dem Derby der 3. Fußball-Liga zwischen dem 1. FC Kaiserslautern und dem 1. FC Saarbrücken ganz anders, als sich die Pfälzer das sieben Spieltage vor Schluss erhofft hätten. Während der Aufsteiger aus dem Saarland, der seit 57 Jahren nicht auf dem Betze gewonnen hat, oben mitmischt, kämpft der vom Abstieg bedrohte FCK um seine Existenz.

Nein, es ist kein Spiel wie jedes andere. Auch hier sind in den 90 Minuten zwar nur drei Punkte zu vergeben. Und doch geht es in dem Südwestderby der 3. Fußball-Liga zwischen dem 1. FC Kaiserslautern und dem 1. FC Saarbrücken um weit mehr. Seit Jahrzenten herrscht zwischen den beiden Clubs aus Pfalz und Saar eine riesige Rivalität. Nicht erst seit Einführung der Bundesliga 1963 kämpfen die beiden Gründungsmitglieder um die Vormachtstellung im Südwesten. Meist lag der FCK in all den Jahrzehnten dabei vorne. Das Duell an diesem Samstag (14 Uhr, SWR/SR) auf dem Betzenberg steht nun allerdings unter Vorzeichen, die den Roten Teufeln gar nicht schmecken dürften. Während der Tabellen-18. um den Klassenerhalt und damit das sportliche Überleben kämpft, stehen die Saarländer aktuell weit vor den Pfälzern. Als derzeit Fünfter mit 18 Zählern mehr auf dem Konto.

Doch trotz dieser prekären Lage, trotz der fehlenden Unterstützung von den Rängen im Fritz-Walter-Stadion, trotz der langen Ausfallliste will der FCK am Samstag alles daran setzen, die drei Punkte auf dem Betze zu behalten. „Wir haben gezeigt, dass wir Derbys können. Wir haben in Mannheim gewonnen – das ist uns allen in Erinnerung. Dementsprechend wollen wir auch dieses Derby jetzt gewinnen“, erklärt FCK-Trainer Marco Antwerpen, dass der Mannschaft die Bedeutung der Partie – auch für die Anhänger – durchaus bewusst ist. Jedem Spieler sei klar, was es heißt, ein Derby zu spielen. „Und das versuchen wir auch am Samstag wieder auf den Platz zu bringen.“

Damit das bestmöglich gelingt, hieß es für die Pfälzer zuletzt vor allem Akkus aufladen. „Die Woche war wirklich sehr Kräfte zehrend“, sagt der FCK-Coach. Zumal seine Mannschaft keines der drei Spiele gegen Halle, Zwickau und Lübeck nach Platzverweisen in Gleichzahl beenden konnte. „In Lübeck sind wir zudem dem Rückstand hinterhergelaufen. Wir mussten viel Energie in die Spiele reinbringen.“ Daher musste auch das Training angepasst werden, viele Regenerationseinheiten standen auf dem Programm. Denn volle Akkus werden die Roten Teufel im harten Liga-Schlussspurt dringend brauchen. Nach der zurückliegenden englischen Woche mit fünf Punkten aus den Partien gegen Halle (3:1), Zwickau (2:2) und Lübeck (1:1) geht es für den FCK bereits am Dienstag (19 Uhr) zum sieben Punkte vor ihm liegenden MSV Duisburg, am Samstag darauf ist beim Schusslicht Unterhaching ein Sieg Pflicht.

Zunächst steht aber das Duell gegen den starken Aufsteiger aus Saarbrücken an, der in 31 Spielen bislang 54 Treffer erzielt hat. „Ja, Saarbrücken ist in der Lage, Tore zu erzielen, sehr offensiv zu spielen. Das wissen wir und dementsprechend bereiten wir uns darauf vor“, betont Antwerpen, der von seiner Mannschaft verlangt, sich in dem Heimspiel aber erstmal auf ihre eigenen Stärken zu konzentrieren. „Wir wollen eine Elf auf den Platz bringen, die in der Lage ist, Saarbrücken zu schlagen.“

Klar ist aber schon jetzt, dass Marco Antwerpen dazu gezwungen sein wird, seine Mannschaft schon wieder umzustellen. Neben den beiden gesperrten Anil Gözütok und Alexander Winkler fallen Marius Kleinsorge (Leisten-OP), Hikmet Ciftci, Dominik Schad, Kevin Kraus, Adam Hlousek, Lukas Gottwalt und Lukas Spalvis sicher aus. Der Einsatz von Kapitän Jean Zimmer „ist fraglich“. Seit dieser Woche wieder zurück bei der Mannschaft ist nach seinem Muskelbündelriss aber immerhin Carlo Sickinger. „Er präsentiert sich ordentlich, ist in einem guten körperlichen Zustand. Im Moment tut uns jeder Spieler, der zurückkommt, sehr gut. Carlo ist sehr spielstark und wir suchen auf der Sechser-Position oder auch in der Innenverteidigung gerade händeringend Spieler. Von daher sind wir froh, dass er wieder da ist“, hofft der FCK-Trainer, dass Sickinger seinem Team gleich am Samstag wieder auf dem Platz helfen kann.

Gegen eine Mannschaft, für die bei neun Punkten Rückstand auf Platz drei, zehn nach ganz oben theoretisch sogar noch der Aufstieg drin ist. Fünf Punkte fehlen dem FCS, der mit Nicklas Shipnoski, Sebastian Jacob, Steven Zellner, Maurice Deville und Mario Müller gleich fünf ehemalige Lauterer in seinen Reihen hat, auf Rang vier, der die direkte DFB-Pokal-Quali bedeuten würde. „Ich weiß gar nicht, ob das jetzt nur noch theoretische Chancen sind. So groß ist der Rückstand nach oben nicht“, sagt Antwerpen beim Blick auf die Tabelle. „Von daher sind die Saarbrücker sicher immer noch gewillt, ein Wörtchen oben mitzusprechen. Die müssen demnach bei uns das Spiel hier auch gewinnen und offensiv spielen. Und das versuchen wir natürlich auszunutzen.“

Das wird der scheidende Trainer Lukas Kwasniok, der mit dem FCS in die 3. Liga aufgestiegen ist und das DFB-Pokal-Halbfinale erreicht hatte, verhindern wollen. Er betonte unter der Woche, dass am Samstag genau der richtige Zeitpunkt sei, „um noch mal Geschichte zu schreiben“. Sollte den Blau-Schwarzen der Sieg gelingen, käme das beinahe wirklich so etwas wie einem historischen Erlebnis gleich. Denn der letzte Sieg auf dem Betze gelang den Saarbrückern beim 4:2 im Februar 1964 – und damit vor mehr als 57 Jahren. Erstmals überhaupt in einem Pflichtspiel waren die Molschder 1948 bei den Lauterern zu Gast. Damals behauptete sich die FCK-Truppe um Fritz und Ottmar Walter in der Partie der Oberliga Südwest klar mit 6:0. Doch seither ist viel Zeit vergangen. Mehr als 20 Jahre nach dem letzten Pflichtspiel-Aufeinandertreffen – im September 1997 setzten sich die Roten Teufel im DFB-Pokal mit 4:0 beim FCS durch – trennten sich die beiden Teams im Hinspiel dieser Drittliga-Runde im leeren Ludwigspark-Stadion 1:1.

Menschenleer werden auch die Ränge am Samstag im Friz-Walter-Stadion sein. Wenn die Fans der Roten Teufel ihr Team auch nicht lautstark vor Ort unterstützen können, so spürt der FCK derzeit doch Rückhalt von seinen Anhängern. Unter der Woche seien weit über 100 E-Mails eingegangen, die den Lauterern im Abstiegskampf Kraft geben sollen, erklärt Pressesprecher Stefan Roßkopf. „Zuerst einmal haben wir schon eine überragende Reaktion in Lübeck gehabt“, erzählt Antwerpen davon, wie nach Schmierereien am Mannschaftsbus FCK-Fans aufgetaucht waren und diese mit Bannern überdeckt hatten. Vor dem Derby habe die Mannschaft nun die über 100 E-Mails in der Kabine ausliegen, „die die Spieler auch lesen“. Darin sei zu sehen, „wie groß die Unterstützung hier ist, wie sehr die Fans an uns glauben. Das pusht uns, das gibt uns unheimlich viel Energie und Kraft. Das sind schon überragende Reaktionen, die wir dankend mitnehmen“, betont Antwerpen.

Weniger brillant war wiederum eine gegen den FCK gerichtete Aktion unter der Woche: Am Trainingsgelände haben laut Internetportal „Der Betze brennt“ FCS-Anhänger Hassbotschaften in Form eines Banners, eines Sarges sowie von Friedhofskreuzen am Trainingsgelände aufgebaut (wir berichteten). „Mir fällt es immer schwer, über solche Aktionen zu sprechen, weil sie einfach geschmacklos sind“, sagt Antwerpen mit einem tiefen Seufzer. Er wolle dem keine Aufmerksamkeit schenken. „Daraus müssen wir keine Motivation ziehen, wir ziehen Motivation aus der sportlichen Rivalität – ich glaube, das ist der richtige Weg.“ Und der soll den 1. FC Kaiserslautern am Ende dieser besonderen Partie dann doch einfach nur zu den so wichtigen drei Punkten führen.