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1. FC Kaiserslautern unterliegt bei Hansa Rostock unglücklich mit 1:2

1. FC Kaiserslautern : Schock in der Nachspielzeit

Fußball-Drittligist 1. FC Kaiserslautern liefert bei Hansa Rostock eines seiner besten Saisonspiele ab – verliert durch einen Gegentreffer in der sechsten Minute der Nachspielzeit aber mit 1:2. Trainer Antwerpen sieht die Rote Karte – und verspricht einen Sieg am Samstag gegen Zwickau.

Jean Zimmer wollte eigentlich gar nicht mehr reden. Wozu auch? Der Kapitän der Roten Teufel weiß, dass die hilflosen Erklärungsversuche nach jedem Spiel seiner Mannschaft mittlerweile klingen wie die Platte mit dem berühmten Sprung. „Ich bin es leid, darüber zu diskutieren, dass wir die Tore schießen müssen. Wir haben wieder etliche Chancen. Aber wir machen sie nicht rein“, klagte der 27-Jährige, nachdem der 1. FC Kaiserslautern sein Auswärtsspiel bei Hansa Rostock am Samstag mit 1:2 verloren hatte und damit noch tiefer in den Abstiegssumpf der 3. Fußball-Liga gerät.

Es war eine Niederlage der ganz bitteren Sorte – mit einem Knockout in der sechsten Minute der Nachspielzeit. Mit der letzten Aktion des Spiels köpfte Rostocks Damian Roßbach eine Freistoßflanke ins Tor – mitten ins Pfälzer Herz. Eine halbe Minute zuvor war Lauterns Anil Gözütok im Strafraum der Rostocker nach einem Zweikampf mit Nico Neidhardt zu Fall gekommen. Doch die Pfeife von Schiedsrichter Manuel Gräfe war stumm geblieben. Das hatte FCK-Trainer Marco Antwerpen derart in Rage versetzt, dass Gräfe ihm die Rote Karte zeigte. „Es ist ja immer so, dass die Trainer Schuld sind, wenn sie Emotionen zeigen. Die Schiedsrichter sind aber nie Schuld. Der Kontakt war da, den Elfmeter muss er geben“, schimpfte Antwerpen nach dem Abpfiff. Das Heimspiel am kommenden Samstag gegen den FSV Zwickau wird er von der Tribüne verfolgen müssen.

Jean Zimmer wollte das Ergebnis aber nicht allein an der hitzigen Schlussphase festmachen. „Die letzten Minuten sind scheißegal, wenn wir vorher die Tore machen. Aber das tun wir eben nicht“, meinte der Kapitän. Und er hatte Recht. Alleine zwischen der 74. und 83. Minute ließen die Pfälzer drei Top-Chancen fahrlässig liegen. Aber der Reihe nach:

Kaiserslautern begann die Partie im Ostseestadion trotz des durchwachsenen Auftritts am letzten Spieltag gegen Meppen (2:2) mit Schwung und Selbstvertrauen. Philipp Hercher und Hendrick Zuck gaben die ersten Warnschüsse auf das Hansa-Tor ab. Der FCK musste zunächst nur eine brenzlige Situation überstehen. Roßbach kam nach 24 Minuten frei vor FCK-Torhüter Avdo Spahic zum Kopfball, der Abschluss geriet aber zu unplatziert.

Besser machte es nur eine Minute später Kevin Kraus. Der FCK-Verteidiger, der nur in der Startelf stand, weil sich Tim Rieder vor der Partie verletzt hatte, ließ einen Freistoß von Zuck über den Scheitel rutschen – und der Ball schlug links unten im Tor der Gastgeber ein.

Und Kaiserslautern blieb dran, setzte Rostock früh unter Druck und gefiel mit flottem Kombinationsfußball. So auch in der 32. Minute. Über drei Stationen landete der Ball bei Marlon Ritter. Dessen Außenristschuss zischte Richtung rechtes Eck. Hansa-Torwart Markus Kolke wäre wohl nicht mehr rangekommen. Doch Roßbachs langes Bein verhinderte den Einschlag. Auf der Gegenseite musste sich zwar auch Spahic bei einem Freistoß der Hanseaten ganz lang machen. Aber der FCK war im Ostseestadion die klar bessere Mannschaft. Nur das Aluminium verhinderte, dass die Roten Teufel ihren Vorsprung noch vor der Pause ausbauten. Nach Ecke von Kenny Redondo traf Elias Huth mit einem Kopfball den Innenpfosten (40.). Huth hatte den Vorzug vor Daniel Hanslik erhalten, Lauterns Top-Torschütze Marvin Pourié stand wegen zuletzt schwacher Trainingsleistungen erneut nicht im Kader. Weil FCK-Mittelfeldspieler Hikmet Ciftci kurz darauf mit einer Volleyabnahme an Kolke scheiterte, wurden beim Stand von 1:0 für die Roten Teufel die Seiten gewechselt.

Doch nur 64 Sekunden nach Wiederanpfiff stand es plötzlich 1:1. Mit zwei einfachen Pässen hebelten die Gastgeber die Hintermannschaft der Pfälzer aus. Rostocks Nik Omladic brach auf halbrechts durch und überwand Spahic mit einem Schuss aus spitzem Winkel in die kurze Ecke (47.).

Kaiserslautern brauchte zehn Minuten, um den Rückschlag zu verdauen, riss die Partie nach einer Stunde aber wieder an sich. Beinahe wären die Pfälzer dennoch in Rückstand geraten. Einen harmlosen Aufsetzer ließ Spahic genau vor die Füße von Rostocks Tobias Schwede prallen. Doch der FCK-Schlussmann machte seinen Fehler wieder gut und parierte den Nachschuss (73.).

Was folgte, waren acht Minuten, in denen der FCK die Partie zu seinen Gunsten hätte entscheiden können. Vermutlich sogar müssen. Redondo tauchte nach Zuspiel von Ritter frei vor Kolke auf. Der Hansa-Schlussmann hielt aber genauso wie sechs Minuten später gegen Anas Bakhat, der zehn Meter zentral vor dem Tor zum Abschluss gekommen war. In der 82. Minute schließlich ließ der eingewechselte Gözütok Rostocks Roßbach mit einer Körpertäuschung ins Leere laufen. Doch sein Schuss ging neben das Tor. Weil auch ein Freistoß von Ritter sein Ziel in der 90. Minute knapp verfehlte, schien die Partie auf eine Punkteteilung hinauszulaufen. Aber in den hitzigen Schlussminuten überschlugen sich die Ereignisse. Erst forderte der FCK nach dem Zweikampf zwischen Gözütok und Neidhardt vergeblich Elfmeter – und dann traf Roßbach mit seinem Kopfball in der 96- Minute mitten ins Pfälzer Herz.

„Die Niederlage ist extrem bitter, weil die Jungs sich für eine gute Leistung nicht belohnt haben. Wir waren die bessere Mannschaft und hätten als Sieger vom Platz gehen müssen. Selbst mit einem Remis hätten wir zu wenig mitgenommen“, haderte Antwerpen. Das sah Rostocks Trainer Jens Härtel nicht viel anders: „Der Sieg war heute mit Sicherheit glücklich – aber danach fragt in zwei, drei Tagen niemand mehr.“

Für den FCK wird die ohnehin extrem angespannte Situation im Abstiegskampf immer brenzliger. Kaiserslautern belegt zwar nach wie vor den ersten Nichtabstiegsplatz. Aber die drei vor den Pfälzern platzierten Teams sind bereits auf vier Punkte enteilt – und haben allesamt weniger Spiele ausgetragen. Der KFC Uerdingen, der einen Platz und einen Punkt hinter Lautern liegt, hat sogar noch drei Nachholspiele in der Hinterhand.

Noch elf Spiele bleiben dem stolzen Traditionsverein, um den Sturz in die Regionalliga abzuwenden. Coach Antwerpen verspricht vor der Heimpartie am Samstag gegen Zwickau: „Da werden wir definitiv den Dreier holen.“ Bei den Spielern selbst war der Schock nach der Last-Minute-Niederlage gegen Rostock allerdings gewaltig: „Es fühlt sich einfach nur beschissen an. Im Moment fällt es mir schwer, irgendetwas positives aus dem Spiel zu ziehen“, sagte Kapitän Zimmer am Mikrofon von MagentaSport. Und auch Elias Huth hatte keine Lust mehr „jedes Wochenende dieselben Worte zu finden.“