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1. FC Kaiserslautern trennt sich 1:1 von Bayern München II

3. Fußball-Liga : Neuer Trainer – altbekannte Probleme

Marco Antwerpen, Übungsleiter des Fußball-Drittligisten 1. FC Kaiserslautern war nach dem 1:1 im Heimspiel gegen Bayern München II sauer: Auf den Gästecoach, auf die Schiedsrichter – aber auch auf die erneut schwache Chancenverwertung seiner Roten Teufel, die selbst eine 40-minütige Überzahl nicht zum Sieg nutzen konnten.

Marco Antwerpen war geladen. Als sich sein Trainerkollege Holger Seitz vom FC Bayern München II nach der Pressekonferenz im Fritz-Walter-Stadion für den obligatorischen Handschlag in Antwerpens Richtung drehte, würdigte ihn der Coach des 1. FC Kaiserslautern keines Blickes und stapfte mit finsterer Miene vom Podium. Zuvor hatten sich die beiden Fußball-Drittligisten auf dem Betzenberg mit 1:1 (0:0) getrennt. Für den FCK war mehr drin gewesen. Wieder einmal. Was Antwerpen aber fast ebenso auf die Palme brachte wie das Ergebnis war das seiner Ansicht nach unfaire Benehmen des Bayern-Trainers. „Ich habe den Kollegen heute das erste Mal kennengelernt. Bei seinem Verhalten sollte er mal gucken, ob das so in Ordnung ist“, giftete der FCK-Trainer bei Magenta Sport. In der Tat hatte Seitz in den 90 Minuten kaum eine Szene unkommentiert gelassen und sich fortwährend in Richtung der Schiedsrichter und der Lauterer Bank beklagt. Als Antwerpen daraufhin etwas erwiderte, sah er prompt die Gelbe Karte. Seine zweite in seinem zweiten Spiel als Coach der Roten Teufel. „Mein Trainerkollege sagt da etwas zu mir, wofür es eine ganz andere Karte hätte geben müssen“, meinte Antwerpen. „Das war eine Fehlentscheidung. Eine weitere“, ergänzte er.

Denn an der Leistung der Unparteiischen ließ Antwerpen ebenfalls kein gutes Haar. Und das war zumindest in einer Szene durchaus nachvollziehbar. In der 74. Minute hatte Lauterns Marvin Pourié eine Flanke von Marlon Ritter mit dem Kopf auf Kenny Redondo weitergeleitet, der zur vermeintlichen 2:1-Führung der Roten Teufel getroffen hatte. Doch der Linienrichter hob die Fahne – und Schiri Nicolas Winter gab das Tor nicht. Eine Fehlentscheidung wie die Fernsehbilder belegen. Schon zuvor sei eher zugunsten der Münchner gepfiffen worden, monierte Antwerpen „aber dass dieses Tor nicht zählt, war die Krönung. Ich frage den Linienrichter noch, wie sicher er sich ist – und er sagt, dass er die Szene erstmal Revue passieren lassen musste. Wenn er sich nicht sicher ist, darf er die Fahne nicht heben.“ „Wir haben in der 3. Liga keinen Videobeweis, also müssen die Schiedsrichter einen guten Job machen. Und den haben sie heute nicht gemacht. Darüber sind wir nicht enttäuscht – sondern sauer“, legte Antwerpen nach. 

Sauer war er aber auch über die Chancenverwertung seiner Elf, die den Platz trotz der strittigen Entscheidung als Sieger hätte verlassen können. „Neben dem aberkannten Treffer hatten wir noch drei hochkarätige Möglichkeiten. Eine davon muss rein“, räumte Antwerpen, der die Startformation seines Teams im Vergleich zum Derbysieg gegen Waldhof Mannheim (2:0) nicht verändert hatte, zähneknirschend ein.

Allein Marius Kleinsorge hatte die Führung für die Pfälzer zwei Mal auf dem Fuß. Zuerst war er nach einem langen Ball von Verteidiger Alexander Winkler (13. Minute), dann nach Vorarbeit von Pourié (17.) alleine auf das Münchner Tor zugelaufen. Doch Kleinsorge, der gegen Mannheim noch bester Mann auf dem Feld war, zeigte Nerven. Seine beiden Abschlüsse gerieten zu unplatziert.

München hatte vor dem Seitenwechsel nur eine Chance – und die begünstigte der FCK. Ein Freistoß der Bayern sprang Winkler gegen das Knie und trudelte Richtung Torlinie. FCK-Torwart Avdo Spahic, der schon in die andere Ecke unterwegs war, klärte stark (20.).

Anschließend verflachte die zuvor muntere Partie, Gelegenheiten auf die Führung hatten die Pfälzer trotzdem. Zuerst zielte Pourié aus spitzem Winkel zu hoch (34.) und drei Minuten später wurde es im Münchner Strafraum richtig wild. Eine Ecke von Jean Zimmer verlängerte Tim Rieder mit dem Kopf. Bayern-Torwart Michael Wagner hätte sich den Ball fast selbst ins Netz gelegt – hatte aber Riesenglück, dass das Leder vom Pfosten ins Feld zurücksprang. Allerdings genau auf Kenny Redondo. Dessen verunglückter Abschluss landete bei Carlo Sickinger, der darüber aber so überrascht war, dass er sechs Meter vor dem Tor über den Kasten schoss.

Trotzdem sprach nach dem Seitenwechsel vieles dafür, dass Kaiserslautern auch sein zweites Spiel unter Antwerpen gewinnen würde. Erst recht nachdem der Münchner Brigh Arrey-Mbi in der 51. Minute vorzeitig zum Duschen geschickt wurde. Er hatte den auf halbrechts durchgebrochenen Redondo umgerissen und Gelb-Rot gesehen.

Rund 40 Minuten in Überzahl schienen den FCK allerdings eher zu lähmen als zu beflügeln. Die Pfälzer bissen sich am bayerischen Defensiv­bollwerk die Zähne aus. Die Gäste lauerten auf Konter – und hatten damit Erfolg. Münchens Christopher Scott spielte einen feinen Schnittstellenpass auf Dimitri Oberlin. Die Verteidigung der Pfälzer war zu weit aufgerückt. Oberlin hatte freie Bahn und ließ Spahic im Eins-gegen-eins keine Chance (67).

Antwerpen reagierte sofort, brachte Daniel Hanslik für Kleinsorge – und nur fünf Minuten später stach der Joker der Roten Teufel. Zimmer bediente Ritter auf dem rechten Flügel. Dessen Flanke vollstreckte Hanslik am zweiten Pfosten trocken in die linke Ecke. Nur zwei Zeigerumdrehungen später schien der FCK die Partie gedreht zu haben, doch Redondos Treffer wurde wegen des vermeintlichen Abseits’ zurückgepfiffen.

In der Schlussphase rannte Kaiserslautern an. Der eingewechselte Simon Skarlatidis schoss zuerst über (77.), dann neben das Tor (83.). Und in der 88. Minute bot sich dem FCK noch eine letzte dicke Gelegenheit. Nach einem gefühlvollen Steilpass von Hikmet Ciftci stürmte Pourié von halblinks auf das Münchner Tor zu, schoss aber rechts neben den Kasten.

Dass sich FCB-Trainer Seitz nach dem Schlusspfiff provozierend vor der Bank der Pfälzer aufbaute und seiner Freude über den Punktgewinn mit einem mehrfachen „So sieht es aus“ kundtat, verbesserte die Laune von Antwerpen nicht nachhaltig. Trotzdem hatte der 49-Jährige auch Positives bei seiner Elf gesehen, die nach vier torlosen Heimspielen in Folge zumindest wieder einen Treffer auf dem Betzenberg erzielt hatte. Dennoch ist der FCK zu Hause nun seit sechs Partien ohne Sieg. „Unsere Reaktion nach dem Rückstand war gut. Und was wir im Vorfeld besprochen hatten, haben wir umgesetzt. Wir wollten München nach vorne locken und dann in die Tiefe spielen. So sind unsere Chancen entstanden“, lobte Antwerpen.

Auch Torschütze Hanslik versuchte das Positive zu sehen. „Wir waren über die komplette Spielzeit das bessere Team. Wir ziehen an einem Strang und wollen es nächste Woche besser machen.“ Am Samstag (14 Uhr) erwartet Kaiserslautern auswärts beim Zweiten FC Ingolstadt allerdings ein schwerer Brocken.