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1. FC Kaiserslautern feiert wichtigen Derbysieg gegen Waldhof Mannheim

1. FC Kaiserslautern : „Derbysieg auswärts – mehr geht nicht“

Der Einstand von Marco Antwerpen, dem neuen Trainer des 1. FC Kaiserslautern, ist geglückt. Der Fußball-Drittligist zeigte beim 2:0-Sieg im Südwestderby gegen Waldhof Mannheim seine beste Saisonleistung und verschafft sich etwas Luft im Abstiegskampf.

Was auch immer Marco Antwerpen in nur drei Trainingseinheiten mit den Roten Teufeln angestellt hat – der neue Coach des 1. FC Kaiserslautern muss verdammt viel richtig gemacht haben. „Jungs, das ist das Allergeilste. Derbysieg auswärts, mehr geht nicht“, rief der 49-Jährige seiner Mannschaft nach der Partie am Samstagnachmittag bei Waldhof Mannheim im Mittelkreis des Carl-Benz-Stadions entgegen, bevor sein Team in kollektiven Jubel ausbrach.

Mit dem 2:0 (2:0)-Erfolg beim in diesem Jahr bis dahin noch ungeschlagenen SV Waldhof sendet der FCK das so dringend benötigte Lebenszeichen im Abstiegskampf der 3. Liga. Was vielleicht noch wichtiger war als die drei Punkte: Der FCK präsentierte sich im Vergleich zu den zurückliegenden – teilweise katastrophalen – Partien unter Ex-Coach Jeff Saibene wie eine völlig andere Mannschaft. „Wir wollten den Gegner mit Intensität beeindrucken und ich glaube, das ist uns gelungen. Ich finde aber, dass wir heute auch den fußballerisch besseren Ansatz auf den Platz gebracht haben“, meinte Antwerpen bei der Pressekonferenz nach der Partie.

Der Trainer war in Sachen Aufstellung ein gewisses Risiko eingegangen und hatte die Abwehrkette seines Teams im Vergleich zum letzten Ligaspiel gegen Wehen Wiesbaden (0:1) auf drei Positionen verändert – und dabei deutlich offensiver ausgerichtet. Hendrick Zuck und Jean Zimmer bekleideten die Außenverteidiger-Positionen. Mit Tim Rieder verteidigte ein dritter gelernter Mittelfeldspieler im Zentrum neben Alexander Winkler. Der Sicherheit im Defensivverbund schadete das nicht. Im Gegenteil: Die Roten Teufel standen so stabil wie vielleicht noch nie in dieser Saison. „Wenn bei uns einer ausgespielt war, stand gleich der nächste da. Das hat uns heute ausgezeichnet“, schwärmte der neue Kapitän Jean Zimmer am SWR-Mikrofon.

Die mutige Aufstellung spiegelte sich im Auftritt der Pfälzer wider. Von der ersten Minute an drückte Kaiserslautern der Partie im Carl-Benz-Stadion seinen Stempel auf. Der FCK war giftig, gallig, variabel – und vor allem gedankenschnell. Exemplarisch dafür die vierte Minute: Nachdem FCK-Torwart Avdo Spahic einen Ball abgefangen hatte, schoss er das Leder umgehend in die Spitze Richtung Marvin Pourié. Der erreichte das Leder zwar nicht. Dennoch reckten Pourié und Antwerpen für Spahics Idee den Daumen in die Höhe.

Mannheim schien überrascht vom selbstbewussten Auftritt der Pfälzer, die bereits in der 14. Minute in Führung gingen. Eine Ecke von Jean Zimmer faustete Waldhof-Torwart Timo Königsmann aus dem Strafraum. Doch Lauterns Hikmet Ciftci machte den Ball wieder scharf. Winkler verlängerte per Kopf, Pourié ließ das Leder mit der Brust auf Hendrick Zuck abtropfen – und der traf mit einem satten Linksschuss aus elf Metern in die rechte Ecke.

Auf der Gegenseite hatten die Gastgeber zwei Minuten später ihre erste – und einzige – Chance im ersten Durchgang. Mannheims Marcel Seegert traf mit seinem Kopfball aber nur das Außennetz. Besser machte es der FCK. Genauer gesagt Marius Kleinsorge. Der lief den verdutzten Waldhof-Verteidiger Marcel Gottschling tief in der Hälfte der Mannheimer an und eroberte den Ball. Der Lauterer brach auf Linksaußen durch und passte in den Strafraum zu Anas Ouahim. Dem FCK-Neuzugang wurde der Ball zwar vom Fuß gespitzelt. Allerdings genau zurück auf Kleinsorge, der mit einem herrlichen Schlenzer in die rechte Ecke traf. 2:0 für Kaiserslautern nach gerade einmal 20 Minuten. Marius Kleinsorge, der unter Saibene zuletzt nicht einmal mehr im Kader stand, lieferte unabhängig von seinem Treffer sein mit Abstand stärkstes Spiel im Trikot der Roten Teufel ab. „Marius war letzte Saison in Meppen einer der überragenden Spieler der 3. Liga. Der kann ja das Fußballspielen nicht verlernt haben. Wir haben ihm ein paar Dinge mit auf den Weg gegeben. Was er dann auf dem Platz zeigt, dafür ist er selbst verantwortlich“, sagte Antwerpen. Kleinsorge war es auch, der in der 31. Minute fast das dritte Tor der Pfälzer nachgelegt hätte. Doch seinen Schuss klärte Königsmann zur Ecke.

Davor hatte Kaiserslautern aber auch einmal Glück gehabt. Ouahim war mit der Sohle voran in einen Zweikampf mit Mannheims Gerrit Gohlke eingestiegen (23. Minute). Mancher Schiedsrichter hätte wohl sofort die Rote Karte gezeigt. Thorben Siewer beließ es bei Gelb. Neben Ouahim hatten bei Abpfiff noch fünf weitere Spieler der Pfälzer den gelben Karton gesehen. „Es war eine intensive Partie, teilweise waren wir in den Zweikämpfen ein bisschen drüber“, räumte Neu-Trainer Marco Antwerpen ein, der ebenfalls von Siewer verwarnt wurde, weil er sich an der Seitenlinie zu vehement beschwert hatte.

Kaiserslautern agierte nach dem Seitenwechsel etwas abwartender, stand in der Defensive aber weiter ungemein sicher. Chancen waren auf beiden Seiten zunächst Mangelware. Lauterns Kenny Redondo hätte daran etwas ändern können, doch sein Freistoß aus 18 Metern blieb in der Mannheimer Mauer hängen (61.). Davor war Kleinsorge im Waldhof-Strafraum im Zweikampf mit Gottschling zu Fall gekommen (56.). Doch Schiri Siewer hatte richtig gesehen, dass beide Spieler in dem Duell mit Haken und Ösen gearbeitet hatten.

Erst in der Schlussphase wurden die Gastgeber zwingender. „Aber das waren Halbchancen“, räumte selbst Waldhof-Trainer Patrick Glöckner ein. Auf der Gegenseite merkte man dem FCK an, dass er im ersten Durchgang viele Körner gelassen hatte. Die Räume, die die aufgerückten Mannheimer den Roten Teufeln in den letzten 20 Minuten boten, konnten diese nicht mehr nutzen. Viele Konter der Pfälzer versandeten, weil der letzte Pass zu ungenau geriet.

Der Ärger beim FCK dürfte sich darüber aber in Grenzen gehalten haben. Denn Kaiserslautern gewann die Partie verdient mit 2:0 und steht auf Rang 15 nun drei Zähler über der Abstiegszone. Allerdings ist die Situation trügerisch. Vier der fünf Teams, die aktuell hinter den Pfälzern platziert sind, haben noch mindestens ein Nachholspiel in der Hinterhand und könnten den 1. FC Kaiserslautern noch überholen oder mit ihm gleichziehen.

„Ein Derbysieg gibt auch nur drei Punkte. Wir werden das jetzt zwei Tage genießen und den Fokus dann auf das nächste Spiel richten“, sagte Zimmer. Die kommende Partie bestreitet Kaiserslautern am nächsten Samstag zu Hause gegen den FC Bayern München II. „Die Leistung heute wollen wir auch in Zukunft sehen. Das kann nur der erste Schritt gewesen sein“, forderte auch Antwerpen.