1. Pfälzischer Merkur

Prozess gegen Mitarbeiter der VR-Bank Südwestpfalz in Pirmasens

Prozess gegen Volksbank-Mitarbeiter : „Das hätte ich den beiden nie zugetraut“

Vor dem Amtsgerichts Pirmasens ist der Prozess gegen zwei Ex-Mitarbeiter der VR-Bank Südwestpfalz Pirmasens-Zweibrücken weitergegangen, die das Kreditinstitut über 16 Jahre um gut 1,1 Millionen Euro erleichtert haben.

Es waren dramatische Stunden, als am 26. Februar 2018 die Millionen-Unterschlagung bei der VR-Bank Südwestpfalz Pirmasens-Zweibrücken aufflog. Über jenen Montag hat am Donnerstag ein 61-jähriger Kassierer dem Schöffengericht des Amtsgerichts Pirmasens berichtet.

Es war der Tag, an dem sich der heute 61-Jährige, der zuvor viele Jahre in der Vinninger Geschäftsstelle der Bank tätig gewesen war, wie er aussagte, „zur Einarbeitung“ in der Hauptkasse in Pirmasens aufhielt. Bei einem Blick in den Tresor sei ihm seinerzeit sofort aufgefallen, dass das dort gelagerte Bargeld nicht dem elektronisch ausgewiesenen Kassenstand entsprechen konnte.

„Da sind doch keine zwei Millionen Euro drin“, habe er den Hauptkassierer darauf angesprochen. Der Kollege habe seinen Einwand aber mit dem Hinweis abgewiegelt, es gebe noch einen weiteren Tresor im Keller. „Das war für mich damals plausibel“, sagte der 61-Jährige im Zeugenstand. Als sich der Hauptkassierer dann mit den Worten „Ich komme etwas später“ in die Mittagspause verabschiedet habe und dann nicht mehr auftauchte, habe er spontan die Kasse geprüft und „eine größere Differenz“ von 1 139 000 Euro festgestellt.

Daraufhin habe er den Hauptkassierer angerufen und zur Rede gestellt, berichtete der 61-Jährige weiter. Der Kollege habe ihm gegenüber zunächst reklamiert: „Ich habe 250 Blutdruck!“ Worauf er ihm erwidert haben will: „Ich auch.“ Dann habe sein Kollege ihm exakt jenen Millionen-Fehlbetrag genannt, den er unmittelbar davor bei der Prüfung des Kassenbestandes festgestellt habe.

Schließlich habe er den Bank-Vorstand von dem Fehlbetrag in Kenntnis gesetzt, der allerdings zu diesem Zeitpunkt bereits von der Unterschlagung gewusst habe. Denn sein Kollege, der heute 69-jährige ehemalige Hauptkassierer hatte dem Vorstand schon von sich aus telefonisch gebeichtet, gemeinsam mit einem heute 71-jährigen Kollegen über mehrere Jahre hinweg insgesamt 1 139 000 Euro unterschlagen zu haben. „Das hätte ich den beiden nie im Leben zugetraut“, sagte der 61-jährige Kassierer.

Die 69- und 71-jährigen Männer, die inzwischen im Ruhestand sind, müssen sich nun vor dem Schöffengericht des Amtsgerichts Pirmasens verantworten. Zum Prozessauftakt hatte Oberstaatsanwältin Kristine Goldmann den beiden ehemaligen Bankangestellten gemeinschaftlichen gewerbsmäßigen Betrug vorgeworfen. Demnach sollen sie zwischen 2002 und 2018 insgesamt 1,139 Millionen Euro der Kasse „entnommen“ und den Fehlbetrag unter anderem mit Hilfe von fingierten Geldtransfers über ein Zwischenkonto verschleiert haben. So sei der Eindruck entstanden, die Beträge seien noch in der Kasse der Bank. Als ein jüngerer Kassierer den älteren, der seinerzeit kurz vor der Rente gestanden hatte, ersetzen sollte und der Schwindel im Zuge der Kassenübernahme aufzufliegen drohte, offenbarte sich der Bankangestellte. Sein mutmaßlicher Komplize war zu diesem Zeitpunkt bereits im Ruhestand.

Die beiden Angeklagten hatten bei ersten Befragungen unmittelbar nach ihrer Beichte angegeben, das Geld einem Werttransport-Unternehmer gegeben zu haben, der finanzielle Probleme gehabt haben soll. Von ihm wollen sie für das vermeintliche Darlehen als „Sicherheiten“ mehrere Checks erhalten haben, die sich jedoch zu ihrem Leidwesen später als ungedeckt erwiesen hätten.

Diesen Werttransport-Unternehmer will das Gericht am 8. Oktober als Zeugen befragen. Vielleicht hat er ja eine Idee, wo die 1,1 Millionen Euro geblieben sein könnten. Denn von dem Geld fehlt nach wie vor jede Spur.

Die weiteren Verhandlungstermine sind am 8. und 27.Oktober.