1. Pfälzischer Merkur

Präventionsteams kontrollieren in RE1, ob Fahrgäste an Masken denken

Präventionsteams kontrollieren : Keine Chance für Maskenverweigerer in Regionalbahnen?

Wird die Maskenpflicht im Zug eingehalten? Die Bahn setzt auf Kontrollen, denn mehr Vertrauen in Sicherheit könnte auch mehr Fahrgäste bedeuten.

Die Kontrolle kommt unerwartet. „Bitte beachten Sie die Hygiene-Vorschriften“, raunt der Zugbegleiter mit sanfter Stimme dem Fahrgast zu, dessen Schutzmaske unter dem Kinn hängt. „Sorry“, murmelt dieser und zieht die Bedeckung nach oben. Es ist eine Ausnahme: Die meisten Menschen in diesem Regionalexpress RE 1 von Mannheim nach Koblenz tragen den Corona-Schutz vorschriftsmäßig. Damit das so bleibt, kontrolliert die Bahn an diesem Tag zusammen mit der Bundespolizei in sieben Bundesländern das Einhalten der Maskenpflicht.

Auch in Rheinland-Pfalz und im Saarland wird geprüft: Während der Zug aus Kaiserslautern kommend Richtung Saarbrücken rollt, patrouilliert eine Zweierstreife durch die Sitzreihen. „Präventionsteam“ steht groß auf den gelben Westen. Seine Aufgabe: Fahrgäste schützen – ob vor Taschendieben, Gefahr auf dem Bahnsteig oder eben Corona.

„Unsere Erfahrung ist: Die weitaus überwiegende Mehrzahl der Menschen hält sich an die Regeln“, sagt eine Mitarbeiterin des Teams, die namentlich nicht genannt werden will. „Und falls es Diskussionen gibt, wird deeskaliert. Dazu ist jeder Mitarbeiter geschult, keiner wird ohne Ausbildung losgeschickt.“ Ausreden für Maskenverweigerer gibt es nicht: Wer seinen Schutz vergessen hat, kann eine Bedeckung im Zug erhalten.

„Insgesamt gibt die Deutsche Bahn zurzeit bundesweit mehr als 300 000 Masken an Reisende in Zügen und Bahnhöfen aus“, teilt das Unternehmen dazu mit. Zudem habe jeder Gast in Fernverkehrszügen die Möglichkeit, im Bordbistro eine Maske zu kaufen.

Derzeit setzt die Bahn nach eigenen Angaben täglich in rund 60 Fernverkehrszügen Mitarbeiter ein, um das Maske-Tragen zu prüfen. Bis zum 1. September will das Unternehmen die Zahl mehr als verdoppeln. Dabei dürfte es weniger um Bestrafung gehen, als auch um eine Demonstration der Sicherheit. Die Bahn braucht mehr Fahrgäste. 2019 gab es im Regionalverkehr knapp zwei Milliarden Kundenfahrten. In der Corona-Krise sank die Fahrgastzahl im ersten Halbjahr 2020 um 37 Prozent auf knapp 663 Millionen Reisende.

Mancher zweifelt, ob Bahnfahren völlig risikolos ist – etwa Petra Kling. Die 32-jährige Bürokauffrau ist an diesem Tag unterwegs von Homburg nach Trier. „Ich habe kein Auto, was will ich machen“, sagt sie achselzuckend. Die Maskenpflicht akzeptiert sie eher widerwillig. „Am liebsten wäre ich ohne, aber darauf können wir lange warten.“ Einen Waggon weiter sieht es Fahrgast Andreas Steffen ähnlich. „Die Maske nervt und drückt, und meine Brille beschlägt. Aber es ist halt Vorschrift“, meint der 58-jährige Bauzeichner.

Einige Sitze weiter trägt der 14-jährige Nils die Aufschrift „We fight Corona“ auf seinem Mund-Nasen-Schutz. „Ich verstehe nicht, wie Leute in Urlaub fahren können“, sagt er. „Maske tragen, Abstand halten – ist das wirklich so schwer?“

Für einige offenbar ja. Aggressive Maskenverweigerer sollen im Ruhrgebiet vor kurzem zwei Bahnmitarbeiter verletzt haben. In Dortmund sei ein 36-Jähriger des Bahnhofs verwiesen worden, weil er keinen Mund-Nasen-Schutz trug, teilte die Polizei mit. Als er ohne Maske zurückkam und zwei Bahnmitarbeiter ihn ansprachen, soll der Mann einer Bahnbeschäftigten vor den Kopf getreten haben. Sie und ein Kollege erlitten Verletzungen, die Bundespolizei nahm den Mann in Gewahrsam.

Wie ist es mit möglichen Bußgeldern? Dazu erläuterte das Bundesinnenministerium vor kurzem, dass auch in Fernzügen die jeweiligen Länderverordnungen zur Maskenpflicht gelten, die teils Sanktionen bei Verstößen vorsehen. Es komme also darauf an, wo ein Fernzug bei einem Verstoß gerade unterwegs sei – darüber könne dann die zuständige Landesbehörde informiert werden.

Das Stückchen Stoff, um das sich alles dreht, gibt es an diesem Tag in nahezu allen Formen: Selbst gemacht und gekauft, einfarbig und gemustert, beschriftet und bemalt. Fahrgäste tippen auf ihrem Telefon herum, einige ziehen für einen Biss ins Käsebrot kurz die Maske herunter, andere betrachten die vorbeiziehende Landschaft. Es wirkt ganz so, also hätten sich die meisten abgefunden mit dieser sogenannten neuen Normalität.

(dpa)