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Pirmasens: Notorischer Betrüger soll hinter Gitter

Prozess in Pirmasens : Notorischer Betrüger soll hinter Gitter

Ein 26-jähriger Pirmasenser ist vom Schöffengericht des Amtsgerichts Pirmasens zu drei Jahren Haft verurteilt worden.

 Harte Worte, hartes Urteil: Als einen „Intensivtäter im Bereich der Vermögensdelikte“ hat Staatsanwalt Rouven Balzer in seinem Plädoyer den 26-jährigen Pirmasenser bezeichnet, der am Donnerstag vom Schöffengericht des hiesigen Amtsgerichts zu drei Jahren Freiheitsentzug verurteilt wurde.

„Bei der Vielzahl der Delikte“ sei im Hinblick auf eine Bewährungsstrafe „nichts mehr zu machen“ gewesen, sagte – fast entschuldigend – denn auch der Vorsitzende Richter Alexander Kolb in seiner Urteilsbegründung. Zudem ordnete das Gericht „die Einziehung von Tat-Erträgen“ in Höhe von rund 6400 Euro und eine sogenannte „isolierte Sperrfrist“ von zwei Jahren an. Demnach dürfen die dafür zuständigen Behörden dem unzählige Male einschlägig vorbestraften jungen Mann in diesem Zeitraum keine Fahrerlaubnis ausstellen.

Zuvor hatte der 26-Jährige – wenn auch zögerlich – die meisten der ihm vorgeworfenen Taten gestanden, was das Gericht zu seinen Gunsten wertete. Staatsanwalt Balzer hatte dem 26-jährigen Pirmasenser, der nach eigenen Angaben als selbständiger Baggerfahrer arbeitet, gewerbsmäßigen Betrug in vier Fällen, Unterschlagung in zwei Fällen sowie in jeweils einem Fall Bedrohung, Fahren ohne Fahrerlaubnis und – wie es im Juristendeutsch heißt – Pfandkehr vorgeworfen. Im Falle der Pfandkehr hatte der 26-Jährige einem 65-Jährigen aus Münchweiler einen Trecker wieder weggenommen, den er ihm zuvor „als Sicherheit“ für eine bei ihm gemietete und noch nicht zurückgegebene Rüttelplatte überlassen hatte. „Plötzlich war der Traktor von meinem Hof verschwunden“, sagte der Ruheständler am Donnerstag im Zeugenstand aus. Das „Pfand“ sei weg gewesen.

Er war es auch, der dem Pirmasenser besagte Rüttelplatte, eine Baumaschine zur Bodenverdichtung, „für ein, zwei Tage“ vermietet, aber von ihm nie zurückbekommen hatte. Vielmehr soll der 26-jährige die Baumaschine an einen anderen Mann quasi untervermietet haben.

Der 65-Jährige will den Pirmasenser immer wieder erfolglos auf die Rückgabe der Rüttelplatte angesprochen haben, zum Schluss gar von ihm mit den Worten „Wenn du mir über den Weg läufst, schlag‘ ich dich tot!“ bedroht worden sein. Irgendwann sei der 26-Jährige abgetaucht, berichtete der 65-Jährige. „Er war spurlos verschwunden“, erinnerte sich der Rentner aus Münchweiler. Was allerdings wider Erwarten, „von einem Kollegen auf einer Baustelle in Kaiserslautern entdeckt“, nach Monaten der Ungewissheit wieder auftauchte, war die verschollen geglaubte Rüttelplatte.

Ein solches Happy End war allerdings nicht allen Straftaten des 26-Jährigen beschieden. So ließ er vor drei Jahren bei seinem damaligen Arbeitgeber ein Stromaggregat mitgehen. Und er kaufte einen auf dem Internet-Marktplatz Ebay angebotenen Traktor-Motor, beglich die Rechnung aber nicht. Dann bot er auf dieser Plattform selbst eine hydraulische Lenkung an, ließ sie sich bezahlen, lieferte das Fahrzeugteil aber nicht.

Schließlich gönnte er, der nach eigenen Angaben aktuell 20 000 Euro Schulden hat, sich ein E-Bike – für stolze 3500 Euro. Davon bezahlte er nur 1700 Euro bar und steht bis heute bei dem Händler mit den restlichen 1800 Euro in der Kreide. Zumindest bedauerte der 26-Jährige nun vor Gericht, das teure Elektro-Rad erworben zu haben: „Das war völlig überzogen. Ich habe mich zum Kauf verleiten lassen.“

Ist etwa auch das Urteil „überzogen“? Sicher ist: Der Pirmasenser ist mehrfach vorbestraft wegen Betrugs, Unterschlagung und Fahrens ohne Fahrerlaubnis – zuletzt war er mit einem tonnenschweren Radlader illegal unterwegs. Bislang war er mit Geld- und Bewährungsstrafen davongekommen. Und auch diesmal beantragte sein Verteidiger, der Rechtsanwalt Walter Höh, in seinem Plädoyer eine Bewährungsstrafe von „nicht mehr als zwei Jahren“. Er kündigte unmittelbar nach dem Richterspruch an, gegen das Urteil in Berufung gehen zu wollen.