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Mutmaßlichem Brandstifter von Rodalben droht hohe Haftstrafe

Landgericht Zweibrücken : Vergeht mutmaßlichem Brandstifter von Rodalben das Grinsen?

Weil er ein Mehrfamilienhaus in Rodalben abgefackelt haben soll, muss sich ein 28-jähriger „Wohnsitzloser“ seit Mittwoch im Landgericht Zweibrücken verantworten.

Ein unentwegt grinsender Angeklagter – sowas hat sicher Seltenheitswert. Zumal es eigentlich für den verhaltensauffälligen 28-Jährigen nichts zum Lachen gibt. Denn in der Ersten Strafkammer des Landgerichts Zweibrücken droht ihm, sollte er verurteilt werden, eine hohe Haftstrafe. Darauf hat ihn die Vorsitzende Richterin Susanne Thomas gleich zu Prozessbeginn am Mittwoch unmissverständlich aufmerksam gemacht: „Hier stehen fünf Jahre Freiheitsentzug im Raum – mindestens!“

Staatsanwalt Christian Heinekamp warf dem 28-Jährigen, der in Pirmasens und zuletzt in Rodalben gelebt hatte und sich jetzt als „wohnsitzlos“ bezeichnete, besonders schwere Brandstiftung vor. Demnach soll er in der Nacht zum 21. Juni 2018 gegen 3.30 Uhr im Rodalber Stadtteil Neuhof ein Auto in einer Doppelgarage eines Einfamilienhauses angesteckt haben. Das Feuer breitete sich rasend schnell aus und erfasste das Hauptgebäude, das auch das Zuhause eines früheren Schulkameraden des Angeklagten war. Die aus dem Schlaf erwachten drei Bewohner konnten sich nur durch einen Sprung aus dem Fenster aus dem Flammeninferno retten und erlitten Rauchgasvergiftungen. Ein Mann, der der Feuerhölle entkommen konnte, soll, wie es in der Anklageschrift hieß, bereits vorher unter Herzrhythmusstörungen gelitten und infolge des Brandes einer „intensiven medizinischen Behandlung bedurft haben“.

Den Sachschaden an dem total zerstörten und dadurch unbewohnbar gewordenen Gebäudes, an den beiden Autos und an der Garage bezifferte Staatsanwalt Heinekamp mit insgesamt 250 000 Euro. Er rechnete 1000 Euro Sachschaden hinzu, den das Feuer an den Rollläden eines benachbarten Einfamilienhauses angerichtet hatte.

All das schien den 28-jährigen, derzeit Erwerbslosen („Ich habe gerade keine Lust und keine Motivation zu arbeiten“) Anlagenmechaniker kalt zu lassen. Er war am Mittwoch drei Stunden zu spät zum Verhandlungstermin erschienen, weil er angeblich zwei Mal hintereinander den Zug verpasst habe, wie er angab. Nicht „nur“, dass er das Gericht hatte über Gebühr auf sich warten lassen, er gönnte sich auch noch unmittelbar vor Verhandlungsbeginn im Foyer des Landgerichts einen Schluck aus der Pulle, was eine Justiz-Wachtmeisterin beobachtet hatte. Darauf von der Vorsitzenden Richterin angesprochen, sagte der junge Mann, es handele sich um ein „Konterbier“, denn er habe noch „einen Kater“ vom Trinkabend davor. Deshalb habe er zwar noch einen „Rausch“, wolle aber dennoch Angaben zu seiner Person und zu dem ihm vorgeworfenen Sachverhalt machen, „um meine Unschuld zu beweisen“, sagte er – weiterhin grinsend – auf eine entsprechende Frage der Vorsitzenden Richterin.

Der Angeklagte gab an seit dem 13. Lebensjahr Alkohol („mindestens drei Flaschen“) zu trinken und seit seinem 16. Lebensjahr täglich Drogen zu konsumieren – darunter Cannabis, Amphetamin, Heroin und Ecstasy-Tabletten. Zudem leide er unter einer Psychose, sei deshalb Ende vergangenen Jahres einen Monat lang in der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie des Städtischen Krankenhauses Pirmasens stationär behandelt worden. Was er aber nicht so richtig ernstzunehmen schien. Als ihn die Vorsitzende Richterin bezüglich der möglichen Erkrankung fragte, ob er auch Halluzinationen habe, also etwas wahrnehme, was gar nicht existiert, antwortete er schmunzelnd: „Habe ich öfters. Aber das ist ja nicht ungesund.“

Hier zog Richterin Thomas die Reißleine: Sie ordnete – unterstützt vom Verteidiger des Angeklagten, dem Pirmasenser Rechtsanwalt Walter Höh, und vom Staatsanwalt – ein psychiatrisches Gutachten an. Es soll Aufschluss geben über die Schuldfähigkeit des nach eigenem Bekunden und ganz offensichtlich suchtkranken jungen Mannes. Zudem soll die Expertise prüfen, ob der 28-Jährige statt im Gefängnis besser in einem psychiatrischen Krankenhaus oder einer Entziehungsanstalt aufgehoben wäre.

Bis zum Vorliegen dieses Gutachtens setzte die Kammer die Hauptverhandlung aus, die voraussichtlich erst im kommenden Jahr wieder aufgenommen wird. Vielleicht ist dem mutmaßlichen Brandstifter von Rodalben bis dahin auch das Grinsen vergangen.