1. Pfälzischer Merkur

Marco Antwerpen dritter Trainer des 1. FC Kaiserslautern in dieser Saison

3. Fußball-Liga : Die (aller)letzte Patrone für den FCK?

Der – erhoffte – Retter ist da: Marco Antwerpen ist der neue Trainer beim abstiegsbedrohten Fußball-Drittligisten 1. FC Kaiserslautern. Am Mittwoch soll der 49-Jährige der Mannschaft vorgestellt werden und dann erstmals eine Trainingseinheit am Betzenberg leiten.

(mire/dpa/sid) Die Metapher von der „letzten Patrone“ ist beim 1. FC Kaiserslautern schon oft bemüht – wahrscheinlich überstrapaziert worden. Schon 2008 in der 2. Liga war die Entlassung von Trainer Kjetil Rekdal nach Worten des damaligen Teammanagers Fritz Fuchs die letzte Patrone für die Roten Teufel. 2012 musste auch Marco Kurz bei seiner Demission unfreiwillig für den Vergleich mit dem Projektil herhalten. Vor etwa einem halben Jahr schließlich war das Insolvenzverfahrens in Eigenverwaltung der Pfälzer laut dem Generalbevollmächtigten Dirk Eichelbaum eine weitere „letzte Patrone“.

Die nächste heißt nun Marco Antwerpen. Zumindest soll er den 1. FC Kaiserslautern vor dem Absturz in die Regionalliga retten. Der 49-Jährige ist neuer Chefcoach des abstiegsbedrohten Fußball-Drittligisten, wie der Club am Montagabend bestätigte. Antwerpen folgt beim vierfachen deutschen Meister auf den Luxemburger Jeff Saibene, der am Samstag nach dem 0:1 gegen den SV Wehen Wiesbaden freigestellt worden war. Über die Vertragslaufzeit von Antwerpen machte der FCK zunächst keine Angaben.

Zunächst hatten „Kicker“ und Sport1 von der Verpflichtung berichtet. Antwerpen war zuletzt von Ende September bis Anfang November bei den Würzburger Kickers in der 2. Liga tätig. Zuvor hatte er Eintracht Braunschweig zurück in die 2. Liga geführt, sein Vertrag war aber nicht verlängert worden.

Antwerpens Co-Trainer werde Frank Döpper, der zuletzt für den Regionalligisten TSV Steinbach Haiger tätig war. Antwerpen und Döpper werden sich nach zwei erfolgten Corona-Tests erstmals am kommenden Mittwoch der Mannschaft vorstellen und das Training am Betzenberg leiten. Zudem wird an diesem Tag eine virtuelle Pressekonferenz zur Vorstellung von Antwerpen als Cheftrainer des FCK stattfinden.

Antwerpen ist bereits der dritte Chefcoach des FCK in dieser Saison, nachdem Boris Schommers im Oktober gehen musste. Der seit Jahren wirtschaftlich und sportlich stark angeschlagene Fritz-Walter-Club hatte kürzlich sein Insolvenzverfahren in Eigenverwaltung abgeschlossen, um sich seiner Schulden zu entledigen.

Auf dem Rasen aber geht es weiter abwärts: Als Tabellen-16. kann Lautern gerade mal drei Siege in 22 Spielen vorweisen. Zuletzt erzielten die Roten Teufel in vier Heimspielen in Folge nicht einmal ein Tor. Das war zuvor in 58 Jahren Profifußball in Kaiserslautern noch nie geschehen. Einst versetzte der Betzenberg selbst Bayern München in Angst und Schrecken. „Am besten schicken wir die Punkte gleich mit der Post“, hatte Paul Breitner 1982 nach einer der schon obligatorischen Niederlagen auf dem „Betze“ gesagt. Doch vom einstigen Renommee des FCK ist vor dem Südwest-Derby am Samstag um 14 Uhr bei Waldhof Mannheim längst nichts mehr übrig.

Auf der Kippe steht beim FCK auch Sportdirektor Boris Notzon. Der Beiratsvorsitzende Markus Merk sagte am Sonntagabend im SWR-Fernsehen, dass dieser in die Trainersuche „nicht involviert“ sei. „Der Beirat und unser Geschäftsführer Soeren Oliver Voigt, wir haben uns seit Wochen darum gekümmert und wir haben unfassbar viele Gespräche geführt“, sagte der frühere FIFA- und Bundesliga-
Schiedsrichter.

Notzon wird eine verfehlte Kaderplanung vorgeworfen. Der Vertrag des 41-Jährigen läuft Ende Juni aus. „Wir werden die sportliche Kompetenz und Verantwortung weiter neu ausrichten, wir werden die sportliche Schiene neu positionieren“, kündigte Merk an.

Ursprünglich hatte der FCK vom Aufstieg geträumt. In den verbleibenden 16 Saisonspielen geht es für die Mannschaft nun nur noch um den Klassenerhalt. Gegen Wiesbaden zeigten die Profis eine desolate Vorstellung. Die Frage, ob das Team überhaupt drittligatauglich ist, muss sich auch Antwerpen stellen.

Womöglich ist er tatsächlich die allerletzte Patrone der Pfälzer – und die sollte tunlichst nicht zum Rohrkrepierer werden.