1. Pfälzischer Merkur

Leichter Rückgang der Arbeitslosigkeit trotz Corona-Krise

Auch wenn Corona-Schock bisher ausbleibt : Keine Kehrtwende auf dem Arbeitsmarkt

Die Lage auf dem Arbeitsmarkt in Rheinland-Pfalz hat sich etwas verbessert. Von einer Kehrtwende will die Arbeitsagentur aber nicht sprechen. Ausbildungsplätze sind noch zu haben.

Trotz der andauernden Corona-Krise ist die Arbeitslosigkeit in Rheinland-Pfalz im Oktober zumindest etwas zurückgegangen. Insgesamt waren 118 700 Frauen und Männer arbeitslos, 3900 weniger als einen Monat zuvor, wie die Regionaldirektion der Bundesagentur für Arbeit am Donnerstag mitteilte. Die Arbeitslosenquote lag bei 5,2 Prozent. Vor einem Monat betrug sie 5,4 Prozent und vor einem Jahr 4,2 Prozent.

Von einer Kehrtwende am Arbeitsmarkt könne noch nicht gesprochen werden, teilte der stellvertretende Vorsitzende der Geschäftsführung der Regionaldirektion, Walter Hüther, mit. Erst im kommenden Jahr sei von einem Rückgang der Arbeitslosigkeit auszugehen.

Im Oktober meldeten sich 9400 Frauen und Männer nach einer Erwerbstätigkeit arbeitslos. Das waren 800 oder 9,5 Prozent mehr als vier Wochen zuvor.

Ende September hatten 1350 Bewerberinnen und Bewerber der Regionaldirektion zufolge weder einen Ausbildungsplatz noch eine sonstige Alternative. Gegenüber dem Vorjahr sei diese Zahl um 200 oder 19,4 Prozent gestiegen. 2700 Ausbildungsstellen waren noch zu besetzen, insbesondere im Einzelhandel, als Kaufmann oder Kauffrau für Büromanagement sowie im Hotel- und Gaststättenbereich.

In der Corona-Pandemie haben laut Regionaldirektion im März und April 37 300 Betriebe im Land Kurzarbeit angemeldet, angegeben waren in diesen Anzeigen 423 500 Beschäftigte. Damit sei bislang der Höchstwert erreicht gewesen. Das bedeute aber nicht, dass in allen Firmen auch Kurzarbeit umgesetzt worden sei. Im Monat Oktober wurden demnach 280 Anzeigen für 3200 Beschäftigte gezählt. Nach den aktuellsten Hochrechnungen haben laut Regionaldirektion im Juli 14 100 Betriebe für 114 200 Mitarbeiter Kurzarbeit umgesetzt.

Auf dem saarländischen Arbeitsmarkt ist trotz der Corona-Krise weiterhin eine leichte Erholung zu beobachten. Laut der Bundesagentur für Arbeit waren im Oktober 38 700 Saarländerinnen und Saarländer arbeitslos gemeldet. Das waren zwar 5400 oder 16,3 Prozent mehr als im Vorjahresmonat, aber 1200 (drei Prozent) weniger als im September dieses Jahres. Die Arbeitslosenquote liegt damit aktuell bei 7,2 Prozent, vor einem Monat betrug sie 7,5 Prozent und vor einem Jahr 6,2 Prozent.

Zwar hätten sich die „düsteren Prognosen zu Beginn der Pandemie“ damit bisher nicht bestätigt, sagte Walter Hüther. Trotzdem: „Mit Blick auf das Vorjahr sind deutlich mehr Menschen arbeitslos.“

Zudem spielten die staatlichen Maßnahmen zur Stabilisierung der Wirtschaft – allen voran die Kurzarbeit und die Aussetzung der Insolvenzpflicht – eine entscheidende Rolle. „Der Arbeitsmarkt zeigte sich bisher zwar erstaunlich robust“, sagte Hüther. „Diese Robustheit gründet aber insbesondere auf den Regelungen zur Kurzarbeit.“ Wie schon in der Finanzkrise im Jahr 2009 könnten so viele Firmen überleben, „die ihre Mitarbeiter ohne dieses Instrument bereits in die Arbeitslosigkeit geschickt hätten“. Hinzu komme, dass einige Firmen durchaus von der Krise profitiert hätten, sagte Hüther. „Es gab nicht nur Verlierer in der Pandemie.“

Aber werden die Firmenpleiten damit nicht nur auf den Winter oder das kommende Frühjahr verschoben? Darauf lasse sich zurzeit keine abschließende Antwort geben, sagte Hüther. „Wir können nur feststellen, dass wir momentan noch keine große Insolvenzwelle haben.“ Das Institut für Arbeitsmarkt und Berufsforschung (IAB) erwarte im Saarland für den Winter allerdings 19 Prozent mehr Arbeitslose als im Vorjahr. Erst im Jahr 2021 sei dann „wieder von einem Rückgang der Arbeitslosigkeit auszugehen“, erwartet Hüther.

Im Oktober ging die Zahl der offenen Stellen im Saarland zurück. Bei der Bundesagentur wurden im Oktober rund 7500 vakante Arbeitsplätze gemeldet, 1400 oder 15,6 Prozent weniger als ein Jahr zuvor. In der Zeitarbeit werden mit 1500 offenen Stellen die meisten Menschen gesucht, gefolgt vom Gesundheits- und Sozialwesen mit 1150, dem Handel mit 910 und dem Baugewerbe mit 690 Meldungen.

Deutschlandweit hat sich die Situation auf dem Arbeitsmarkt ebenfalls etwas entspannt. Nach Angaben der Bundesagentur für Arbeit in Nürnberg waren im Oktober 2,760 Millionen Menschen arbeitslos, 87 000 weniger als noch im September, aber 556 000 mehr als im Oktober 2019. Die Arbeitslosenquote sank im Vergleich zum September um 0,2 Prozentpunkte auf 6,0 Prozent.

Bundesarbeitsminister Hubertus Heil (SPD) geht dennoch von einer Verschärfung aus. „Ich rechne durchaus damit, dass wir nicht allein aufgrund der beschränkenden Maßnahmen, sondern wegen des Coronavirus‘ und der Pandemie insgesamt vor einem ziemlich harten Winter stehen“, sagte er am Donnerstag in Berlin.