1. Pfälzischer Merkur

Landgericht Zweibrücken: Dealer beichten ihren Werdegang

Prozess am Landgericht Zweibrücken : Dealer beichten ihren Werdegang

Landgericht Zweibrücken hat Hauptverhandlung gegen vier Westpfälzer fortgesetzt.

Es ging zunächst um die Person, noch nicht um die Sache. An den beiden Verhandlungstagen Donnerstag und Freitag des Prozesses gegen vier mutmaßliche Mitglieder einer insgesamt elfköpfigen Drogenhändlerbande, die in der Südwest- und in der Saarpfalz mit kiloweise verkauften Betäubungsmitteln Millionen-Umsätze gemacht haben sollen, haben die angeklagten 23, 29, 30 und 35 Jahre alten Männer vor der Ersten Großen Strafkammer des Landgerichts Zweibrücken über ihren Werdegang berichtet.

Demnach wohnen alle vier Angeklagten in Kaiserslautern. Der 30-Jährige und der 29-Jährige sind deutsche Staatsbürger, der 35-Jährige ist Deutsch-Iraner und der 23-Jährige Deutsch-Marokkaner. Der 35-Jährige ist glühender Anhänger des 1. FC Kaiserslautern und hatte nach Polizeiangaben auch Verbindungen in die Hooligan-Szene. Zudem war der Kraftsportler im Jahr 2019 zeitweilig als Türsteher in einem ehemals angesagten Nachtclub in Kaiserslautern beschäftigt. Auch der 29-jährige Angeklagte gab sich als FCK-Anhänger aus. Zudem ist der passionierte Freizeit-Torwart, schenkt man dem aktuellen Internetauftritt seiner Firma Glauben, sogar immer noch Geschäftsführer einer Personalvermittlungsagentur. Der ebenfalls angeklagte 30-jährige Gelegenheitsarbeiter, der laut Anklage eine der beiden Führungsfiguren der Drogenhändler-Bande gewesen sein soll, hielt sich nach Polizeiangaben zwar ebenfalls in Kaiserslautern auf, ist dort aber nicht mehr gemeldet, gilt – trotz Untersuchungshaft – derzeit immer noch als „unbekannt verzogen“.

Das Nesthäkchen des Angeklagten-Quartetts, der 23-jährige Deutsch-Marokkaner, sagte am Freitag aus, mehrfach versucht zu haben, eine Ausbildung zu machen – aber steht erfolglos. Er sei bereits in frühester Jugend den Drogen verfallen: „Mit neun Jahren habe ich in Marokko bei meinem Onkel den ersten Joint geraucht.“ Im zarten Alter von 16 Jahren sei er an einer Überdosis und einer Alkoholvergiftung fast gestorben. Jetzt, in der Untersuchungshaft, sei er aber „clean“. Auch die Mitangeklagten gaben zu, eine gewisse Affinität zu Betäubungsmitteln zu haben, mehr oder weniger davon abhängig zu sein.

Von der Vorsitzenden Richterin Susanne Thomas im Anschluss an die Befragungen zur Person gefragt, ob sich die vier Angeklagten nun auch zur Sache äußern wollten, teilten deren Anwälte mit, dass ihre Mandanten darüber zwar noch nicht entschieden hätten, sich aber wohl nicht einlassen würden.

Bis in den September hinein müssen sich neun der elf mutmaßlichen Mitglieder der Drogenhändler-Bande in drei parallel laufenden Prozessen mit jeweils zwei, drei und vier Angeklagten verantworten. Am kommenden Dienstag beginnt der nunmehr dritte Prozess gegen drei angeklagte mutmaßliche Bandenmitglieder.

Fortgesetzt wird die Verhandlung gegen vier mutmaßliche Bandenmitglieder am kommenden Freitag, 14. Mai, um 9 Uhr; die Verhandlung gegen zwei mutmaßliche Bandenmitglieder am Montag, 10. Mai, um 9 Uhr.