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Lage Intensivstationen Rheinland-Pfalz prekär, Dreyer warnt und lobt

Corona-Pandemie : Dreyer warnt Bundesländer und sieht Rheinland-Pfalz als Vorbild

Die rheinland-pfälzische Landeschefin spricht sich vehement für die Notbremse ab einer Inzidenz von 100 aus. Im Bundesland wird die Lage in vielen Städten und Kreisen ernster. Die Krankenhausgesellschaft warnt.

Die rheinland-pfälzische Ministerpräsidentin Malu Dreyer (SPD) hat angesichts der steigenden Corona-Infektionszahlen und der Lage auf den Intensivstationen an die von den Ministerpräsidenten bereits beschlossene Notbremse erinnert. „Rheinland-Pfalz handelt – wir warten nicht auf die bundesweite Bundes-Notbremse“, sagte Dreyer am Donnerstag in Mainz.

Dreyer hat hierbei auch die deutschlandweite Situation im Blick. Die SPD-Politikerin warnt: „Die Infektionszahlen steigen in ganz Deutschland signifikant an. Nur noch ein Bundesland liegt unterhalb des kritischen Wertes von 100. Die Alarmrufe aus den Intensivstationen sind nicht zu überhören.“ Was in dieser schwierigen Situation zu tun sei, steht für Dreyer nicht zur Diskussion: „Wir haben ein verabredetes Verfahren dafür seit Anfang März, es ist die Notbremse im Perspektivplan. Wir handeln in Rheinland-Pfalz danach“, sagte die Landeschefin mit Blick auf die Beschlüsse der Ministerpräsidenten und Bundeskanzlerin Angela Merkel. Die Notbremse wird in Rheinland-Pfalz ab einer Inzidenz von 100 umgesetzt – inklusive Ausgangsbeschränkungen ab 21 Uhr.

Mittlerweile dürfen die Bürger in großen Teilen von Rheinland-Pfalz wegen des Coronavirus nachts nicht mehr ohne triftige Gründe aus dem Haus gehen. So überschreiten aktuell 24 der insgesamt 36 kreisfreien Städte und Kreise in Rheinland-Pfalz eine Corona-Inzidenz von 100. Ist dies drei Tage in Folge der Fall, sind sie von der geltenden „Notbremse“ des Landes mit nächtlichen Ausgangsbeschränkungen betroffen. Auch die geplante Bundes-„Notbremse“ sähe dies vor.

Zwei kreisfreie Städte lagen am Donnerstag sogar über einer Inzidenz von 200: Ludwigshafen mit 235,7 und Worms mit 232,2, wie das Landesuntersuchungsamt in Koblenz mitteilte. Den niedrigsten Wert hatte der sehr dünn besiedelte Eifelkreis Bitburg-Prüm mit 57,5. In der StadtZweibrücken liegt die Inzidenz bei 81,9. Landesweit stieg diese geringfügig auf 131,6. Das ist weiterhin der höchste Stand seit dem 12. Januar. Insgesamt kam es laut Landesuntersuchungsamt zu 1092 neuen Fälle im Bundesland am Donnerstag. Seit Beginn der Pandemie gab es 127 676 Infektionen. 13 638 Bürger in Rheinland-Pfalz sind aktuell mit dem Coronavirus infiziert. Die Zahl der gemeldeten Patienten, die mit oder an dem Virus starben, steigerte sich binnen 24 Stunden um zwölf auf 3434.

Das Gesundheitsministerium in Mainz forderte nach eigenen Angaben die Kliniken im Land auf, nicht zwingend nötige Operationen zu verschieben, um genug Kapazitäten für Corona-Patienten vorzuhalten. Notfälle seien davon nicht betroffen. „Die Belastungen auf den Intensivstationen nehmen zu“, hält die Krankenhausgesellschaft Rheinland-Pfalz hierzu fest.