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Hussong LAZ Zweibrücken enttäuscht bei Olympische Spiele in Tokio

Speerwerferin vom LAZ Zweibrücken in Tokio : Hussong ist völlig von der Rolle

Ratlos verlässt Christin Hussong die Olympia-Bühne von Tokio. Als Medaillenhoffnung angetreten, stürzt sie im Finale der Speerwerferinnen ab. Woran es liegt? Irgendwie an der Technik. Aber irgendwie war Hussong einfach auch nur ratlos.

Das Gesicht vergräbt Christin Hussong tief in ihre Hände. Ihr Blick geht starr und zielstrebig nach unten. Richtung Boden. Und damit genau dorthin, wo Hussong vom Gefühl her auch ist. Am Boden. Tief traurig. Natürlich ahnt die Speerwerferin und Medaillenhoffnung vom LAZ Zweibrücken in diesem Moment, dass es gleich vorbei sein wird. Dass sie nach drei schwachen Würfen nicht mal den Endkampf erreichen wird. Sie hätte dafür mindestens Achte werden müssen. Liegt am Ende aber nur auf Platz neun. Vorbei der Traum von einer Medaille bei den Olympischen Spielen in Tokio.

Und das eindeutig viel zu früh – und sehr deutlich obendrein. In all ihren drei Versuchen überwirft die Herschbergerin kein einziges Mal die 60-Meter-Marke. 59,94, 59,18, 59,61. Zu wenig, viel zu wenig. Die Europameisterin blieb knapp zehn Meter hinter ihrer Saisonbestleistung von 69,19 Meter.

Der Höhepunkt, auf den sie jahrelang hingearbeitet und hingefiebert hatte, wurde damit zu ihrem Tiefpunkt. Der Traum von einer Medaille zu einer Art Albtraum:  „Wenn man als Zweite der Welt mit 69 anreist ist es normal, dass man enttäuscht ist, wenn man als Neunte rausfliegt. Da muss man gar nicht darüber diskutieren“, äußerte Hussong. Den Endkampf der Top acht wollte sie sich nicht mehr an Ort und Stelle antun. „Jetzt, in dem Moment, fehlt einem ein bisschen die Lust als Außenstehender dabeizusitzen und das anzuschauen“, meinte sie.

Damit verpasste Hussong, wie sich Liu Shiying aus China (66,34) vor der Polin Maria Andrejczyk (64,61) und Weltmeisterin Kelsey-Lee Barber (64,56) zur Olympiasiegerin kürte. Und danach ihre Freude freien Lauf ließ: die Faust ballte, schreite, hüpfte. Ein Stadion, zwei Gefühlswelten. Besonders bitter für Hussong: Vergleicht man die Weite der Gewinnerinnen mit ihren Leistungen in diesem Jahr, wird schnell klar, was für die Rheinland-Pfälzerin in Topform möglich gewesen wäre.

„Doch wenn man technisch so schlecht wirft, dann hat man es auch nicht verdient“, sagte  die traurige Herschbergerin im ARD-Interview – und wusste: „Es war der schlechteste Wettkampf im ganzen Jahr“. Ja, ausgerechnet bei diesen Olympischen Spielen, bei denen sie als Mitfavoritin an den Start gegangen war. Sich selbst eine Medaille zugetraut hatte. Doch dann dieses Desaster. „Es ist auf Deutsch gesagt beschissen – gerade, wenn es im Olympia-Finale passiert“, gestand sie. Sie konnte, ja wollte es nicht so recht glauben.

Genau wie ihr Vater und Trainer Udo Hussong, der auf der Tribüne irgendwann nur noch den Kopf schüttelte. Seine Tochter vergoss im ersten, bitteren Moment Tränen. Egal, was sie tat – es half einfach nicht. „Klar probiert man es, aber es hat nichts gebracht“, meinte die ratlose Hussong aus Zweibrücken. Doch sie will es verstehen: „Ich muss es mal analysieren“, sagte sie. Trost suchte sie anschließend bei ihrem Vater. „Ich bin ganz froh, dass Papa dabei ist und man mal Tochter und Vater sein kann“, sagte Hussong.

Bereits in der Qualifikation am Dienstag hatte die 27-Jährige überhaupt nicht zu ihrer Form gefunden. Ungewohnte Schwächen gezeigt. Mit 61,68 hatte die gebürtige Herschbergerin  gerade so die Vorrunde überstanden. Als Elfte von zwölf Athletinnen. „Ich bin durch und es ist egal, was ich geworfen habe. Am Freitag kommt es darauf an“, analysierte sie nach dem Wettkampf noch pragmatisch.  Dass Hussong im Finale dann aber sogar noch schlechter werfen würde – damit hätte wohl keiner gerechnet. Auch sie nicht.

„Momentan ist das natürlich kein gutes Gefühl“, hielt die LAZ-Athletin fest – ließ dann aber trotz der Trauer ein wenig Positives durchblicken: „Ich denke, in ein paar Tagen sieht es wieder anders aus. Ich mein, ich bin noch jung, ich hab noch einige Spiele vor mir.“

Die nächsten sind 2024 in Paris. Vielleicht hält Hussong ihre Hände dann nicht vor das Gesicht – sondern streckt ihre Arme nach oben. Breit grinsend.