1. Pfälzischer Merkur

Heiko Saberatzky über die Aussichten für den Weihnachtsmarkt Zweibrücken

Zweibrücker Weihnachtsmarkt hat viele Anmeldungen, wackelt aber wegen Corona : Der Budenzauber steht in den Sternen

Urige Buden, dampfender Glühwein und knusprige Zimtwaffeln: Darauf müssen die Zweibrücker dieses Jahr vielleicht verzichten. Organisator Saberatzky sagt, der Weihnachtsmarkt sei in Zeiten von Corona ungewiss. In den nächsten Wochen werde sich alles entscheiden. Aber die Vorbereitung läuft, der Markt ist schon zu 90 Prozent ausgebucht.

Wer denkt denn Anfang August schon an Weihnachten? An leise rieselnden Schnee, an Lichterglanz und wärmenden Glühwein? Offenbar zahlreiche Bürger! Denn, so macht Heiko Saberatzky klar: „Ich bin schon von etlichen Zweibrückern angesprochen worden, ob das dieses Jahr was mit dem Weihnachtsmarkt wird.“

Saberatzky ist für diese Frage der richtige Ansprechpartner. Der Verein Kontrastbühne, dessen Vorsitzender Saberatzky ist, organisiert den alljährlichen Budenzauber rund um die Alexanderskirche und deren Vertiefung.

„Viele haben Sorge, ob Corona jetzt auch noch den Weihnachtsmarkt kaputt macht“, berichtet Saberatzky über die Gespräche mit den Zweibrückern. Er kann die Sorgen verstehen: Gerade erst ist das traditionsreiche Stadtfest wegen der Pandemie unter die Räder gekommen. Und auszuschließen sei tatsächlich nicht, dass auch der Weihnachtsmarkt Opfer des unsichtbaren Virus wird.

In Trier beispielsweise arbeiten Veranstalter und Stadt aktuell bereits an alternativen Konzepten. Der Trierer Weihnachtsmarkt ist einer der wichtigsten der gesamten Region, hunderttausende Besucher strömen deswegen Jahr für Jahr in Deutschlands älteste Stadt.

Nun wird in Trier also nach Alternativen gesucht. Saberatzky hingegen sagt: „Derzeit mache ich mir noch keine Gedanken über einen Plan B.“ Es gebe einfach zu viele Ungewissheiten für einen Plan B – und übrigens auch für einen Plan A. „Weder die Stadt noch das Land können derzeit sagen, was im Dezember sein wird“, sagt Saberatzky.

Untätig bleiben will der Organisator natürlich nicht sein und deswegen plant er – bis auf Widerruf – so, als ob der Weihnachtsmarkt stattfinden kann.

„Es läuft mit den Anmeldungen sehr gut“, sagt Saberatzky. Im vergangenen Dezember hätten zwischen 50 und 55 Händler Buden rund um die Alexanderskirche aufgeschlagen. Der Großteil habe sich schon für dieses Jahr angemeldet.

„Etwa zehn Prozent der Fläche ist noch zu vergeben“, sagt Saberatzky. Das Interesse der Händler sei also enorm, viele hoffen, dass sie mit ihrer Teilnahme am Weihnachtsmarkt das Jahr noch halbwegs versöhnlich abschließen können.

Auch wenn erst Anfang August ist – allzu viel Zeit für die Planungen ist nicht mehr, sagt der Markt-Organisator. „Normalerweise gibt es im September eine Vorbesprechung im Rathaus, da wird dann alles wesentliche für den Weihnachtsmarkt besprochen.“

Aber: „Ich habe noch nicht einmal die Nachbesprechung für 2019 durchgeführt“, sagt Saberatzky. Diese hätte im März stattfinden sollen „Da kam dann plötzlich der Lockdown – und es ging gar nichts mehr.“

Wie viel Zeit hat er denn überhaupt noch, um den Weihnachtsmarkt planen zu können? „Im Laufe des September, spätestens Anfang Oktober brauche ich Gewissheit. Bis dahin muss ich grünes Licht haben“, sagt Saberatzky. Er kann die Stadtverwaltung natürlich verstehen, die ebenso wenig wie er eine Glaskugel habe – aber irgendwann müsse eine Entscheidung getroffen werden.

Eines stehe jetzt schon fest, macht er deutlich: „Allzu heftig dürfen die Auflagen für den Weihnachtsmarkt nicht ausfallen. Dann müssten wir leider absagen.“ Der Veranstalter Kontrastbühne sei nicht in der Lage, einen ganzen Katalog an Auflagen zu stemmen.

Beispielsweise sei es dem Verein unmöglich, Zugangskontrollen durchzuführen, greift er ein Thema auf, das bereits in Diskussionen mit Bürgern aufgekommen sei. „Wie wollen Sie diese Kontrollen durchführen und sicherstellen, dass nicht jemand an anderer Stelle den Markt betritt?“ Es gebe zahlreiche Zugangsmöglichkeiten.

Solch eine Mammutaufgabe als Corona-Auflage, wäre, wenn sie denn überhaupt zu bewerkstelligen sei, Aufgabe der Stadt, sagt Saberatzky.

Der eine oder andere Händler habe ihn auch schon gefragt, ob der Weihnachtsmarkt nicht dadurch gerettet werden könne, indem das Bühnenprogramm gestrichen werde. Aber Saberatzky sieht hierin keinen wirklichen Vorteil. „Die Abstandsregeln müssen so oder eingehalten werden. Ob mit oder ohne Bühnenprogramm“, gibt der Organisator zu bedenken. Kurzum: Es sind noch viele Fragen offen. Der Budenzauber 2020 steht in den Sternen.