1. Pfälzischer Merkur

ehemalige Bank-Kassierer der VR-Bank Südwestpfalz verurteilt

Prozess um ehemalige VR-Bank Mitarbeiter abgeschlossen : Selbstbedienerische Kassierer verurteilt

Das Schöffengericht des Amtsgerichts Pirmasens hat am Dienstag gegen zwei einstige Mitarbeiter der VR-Bank Südwestpfalz Pirmasens-Zweibrücken mehrjährige Haftstrafen ausgesprochen.

Die ehemaligen Kassierer hatten ihr eigenes Geldinstitut, die VR-Bank Südwestpfalz Pirmasens-Zweibrücken, über 16 Jahre hinweg um 1,139 Millionen Euro erleichtert. Am Dienstagabend hat das Schöffengericht am Amtsgericht Pirmasens die beiden heute 69- und 71-jährigen Männer, die inzwischen im Ruhestand sind, wegen Betrugs und Unterschlagung zu jeweils drei Jahren und neun Monaten Haft verurteilt. Zudem ordnete das Gericht an, bei ihnen den Schadensbetrag einzuziehen. Die Millionen-Summe sollen die Ex-Kassierer von 2002 bis 2018 beiseite geschafft haben. Den Betrag wollen sie einem einstigen Geldtransporteur als Darlehen überlassen haben. Der 57-jährige, unter anderem wegen Betrugs vorbestrafte Kaufmann aus Kaiserslautern hatte bei seiner Vernehmung an einem der vorangegangenen Verhandlungstage zwar zugegeben, von den beiden Ex-Kassierern 60 000 Euro bekommen zu haben, niemals jedoch 1,139 Millionen Euro.

In seiner Urteilsbegründung sagte der Vorsitzende Richter Alexander Kolb, die beiden früheren Bankangestellten hätten sogar über die Rentenaltersgrenze hinaus gearbeitet, um ihren Betrug und die Unterschlagungen „länger zu vertuschen“. Dennoch wären „die Entnahmen früher oder später aufgefallen“.

Zunächst sei es ihnen gelungen, so Richter Kolb, den Fehlbetrag unter anderem mit Hilfe von fingierten Geldtransfers über ein Zwischenkonto zu verschleiern. So sei der Eindruck entstanden, die Beträge seien noch in der Kasse der Bank. Als ein jüngerer Kassierer den älteren, der seinerzeit kurz vor der Rente gestanden hatte, ersetzen sollte und der Schwindel im Zuge der Kassenübernahme aufzufliegen drohte, habe sich der Angestellte am 26. Februar 2018 telefonisch einem der Vorstände der VR-Bank offenbart. Sein Komplize sei zu diesem Zeitpunkt bereits im Ruhestand gewesen.

Die beiden Angeklagten hatten bei ersten Befragungen unmittelbar nach ihrer Beichte angegeben, das Geld einem Werttransport-Unternehmer gegeben zu haben, der finanzielle Probleme gehabt haben soll. Von ihm wollen sie für das vermeintliche Darlehen als „Sicherheiten“ mehrere Checks erhalten haben, die sich jedoch zu ihrem Leidwesen später als ungedeckt erwiesen.

Zum Prozessauftakt hatte Oberstaatsanwältin Kristine Goldmann den beiden ehemaligen Bankangestellten gemeinschaftlichen gewerbsmäßigen Betrug vorgeworfen. Nun beantragte sie in ihrem Plädoyer je vier Jahre Freiheitsentzug für die beiden Angeklagten. „Sie haben die Tat gemeinschaftlich geplant und begangen“, zeigte sich die Anklagevertreterin überzeugt. „Von dem angelieferten Bargeld wurden Beträge nicht in die Kasse getan, sondern in die eigene Tasche gesteckt.“ Das betrügerische Verhalten der beiden Ex-Kassierer sei auch ein „bewusster, miserabler Vertrauensbruch“ ihren Kollegen gegenüber gewesen. Sie hätten den stetig anwachsenden Fehlbetrag über die Jahre „verschleiert“ und auf der Haben-Seite „täglich gebucht“, obwohl das Geld tatsächlich gar nicht mehr vorhanden gewesen sei. „Das ist Sicherungsbetrug“, sagte Oberstaatsanwältin Goldmann. „Und der verjährt nicht.“

Das sahen die Verteidiger der beiden Angeklagten, die Pirmasenser Rechtsanwälte Rainer Fuchs und Manfred Gampfer, anders. Sie forderten – letztlich vergeblich –, ihre Mandanten freizusprechen. Denn die „ursprünglichen Taten“ im Zeitraum 2002 bis 2006 seien verjährt. Und für einen Sicherungsbetrug hätten sich die Tatbestandsmerkmale wie Täuschung oder Erlangung eines Vermögensvorteils in der Beweisaufnahme nicht bestätigt.

Immerhin: In ihrem Schlusswort rangen sich die beiden Angeklagten jeder für sich noch ein „Es tut mir leid“ ab. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.