1. Pfälzischer Merkur

Drogentransport-Fall: Kein Lügendetektor für den Zeugen

Landgericht Zweibrücken : Kein „Lügendetektor“-Test für den Hauptbelastungszeugen

Bei der mittlerweile zehnten Verhandlung im Drogentransport-Fall am Landgericht Zweibrücken ging es erneut um die Glaubwürdigkeit des 46-Jährigen.

Nein, dass sie wirklich nicht alles versucht hätten, die Glaubwürdigkeit des Hauptbelastungszeugen ihres Mandanten zu erschüttern, wollen sich die drei Verteidiger nicht vorwerfen lassen. Allerdings bleibt ihnen wohl auch kaum etwas anderes übrig, nachdem mehrere Versuche, dem 46-Jährigen ein Alibi für die Tatzeit zu verschaffen, kläglich gescheitert sind.

Oberstaatsanwalt Thomas Lißmann legt dem 46-Jährigen zur Last, vom 17. bis 18. Dezember 2018 versucht zu haben, 26,3 Kilogramm Marihuana in die Bundesrepublik Deutschland einzuführen. Demnach soll der Angeklagte das Gras in Barcelona erworben und hinter einer doppelten Wand eines Kleintransporters verborgen haben, um die Drogen über Frankreich nach Deutschland zu bringen und dort weiterzuverkaufen. Das Vorhaben scheiterte allerdings, weil der von dem 46-Jährigen mutmaßlich beauftragte 58-jährige Fahrer des Sprinters am 18. Dezember 2018 auf der Rückfahrt von Spanien mit seinem Kleintransporter auf der Autobahn A 36 beim französischen Besançon eher zufällig in eine Polizeikontrolle geriet. Dabei wurden die Drogen entdeckt. Der festgenommene 58-jährige Chauffeur hatte bei allen seinen Vernehmungen beteuert, er habe für einen Mann aus Pirmasens lediglich Möbel transportieren sollen. Von den im Wagen versteckten Drogen habe er nichts gewusst. Als Adressat der Lieferung hatte er den Namen des 46-jährigen Pirmasenser Gebrauchtwagenhändlers angegeben.

Gleichwohl wurde der 58-jährige Pirmasenser in Frankreich zu einer zweijährigen Freiheitsstrafe verurteilt. Er kam allerdings bereits nach 14 Monaten wieder frei – wegen guter Führung, wie es hieß. Aber auch der 46-Jährige, der inzwischen mit seiner Familie von Pirmasens nach Zweibrücken gezogen ist, will nichts mit der schlussendlich gescheiterten Drogeneinfuhr zu tun gehabt haben. Er sieht den 58-Jährigen als Alleintäter.

Am nunmehr zehnten Verhandlungstag des Prozesses um die versuchte Drogeneinfuhr vor der Ersten Großen Strafkammer des Landgerichts Zweibrücken beantragte am Freitag der St. Ingberter Rechtsanwalt Robert Münch, einer der drei Verteidiger des Angeklagten, die geplante Vernehmung des Hauptbelastungszeugen aufzuzeichnen und die Aufnahmen einem sogenannten Affective Computing zu unterziehen – quasi einer Vermessung von Gestik und Mimik. So könne man Rückschlüsse auf die Gefühle des Zeugen während seiner Vernehmung und damit auf seine Glaubwürdigkeit ziehen, behauptete der Rechtsanwalt. „Das kommt ja einem Lügendetektor gleich“, empörte sich Oberstaatsanwalt Lißmann. „Das sieht die deutsche Strafprozessordnung nicht vor.“ Was auch die Vorsitzende Richterin Susanne Thomas so sah. Sie lehnte namens der Großen Strafkammer den Antrag der Verteidigung ab.

Gleichwohl blieb die Glaubwürdigkeit des 58-Jährigen am Freitag Hauptthema der Verhandlung. So blieb er, zum wiederholten Male im Zeugenstand, bei seiner, von der Verteidigung ebenfalls angezweifelten früheren Aussage, wonach er die im Kleintransporter versteckten Drogen im Fahrerhaus habe nicht riechen können – wegen seines stark beeinträchtigten Geruchssinns. Er legte ein Attest seines Arztes vor, der ihm bescheinigte, im Jahr 2004 an der Nasenscheidewand und Nasenschleimhaut operiert worden zu sein. Zudem bestritt er die Aussage einer früheren Hausnachbarin in der vorangegangenen Verhandlung, nach der er ihr gegenüber bei einem Grillfest geäußert haben soll, er würde „ab und an einen Joint rauchen“. Möglich, dass er das „vielleicht aus Blödsinn“ mal gesagt habe, „aber Drogen geraucht habe ich in Wirklichkeit noch nie“, sagte der 58-Jährige. Und er blieb auch dabei, mehrfach in Spanien gewesen, aber noch nie dorthin geflogen zu sein, schon gar nicht mit dem Angeklagten am 24. November 2018 von Frankfurt nach Barcelona, wie es die Verteidigung des 46-Jährigen herausgefunden haben will.

Zum Beweis legte der Pirmasenser der Strafkammer unter anderem Fotos vor, die ihn am mutmaßlichen Abflugtag bei der Familie seines Stiefsohns im südwestpfälzischen Lemberg zeigen. Dennoch räumte er auf Nachfrage ein: Ja, er sei Anfang November 2018 mit dem Angeklagten in Spanien gewesen, was er allerdings ohnehin nie verheimlicht hatte: „Aber wir sind mit dem Auto gefahren, nicht geflogen.“