1. Pfälzischer Merkur

Der 1.FC Kaiserslautern reist ohne Fans nach Magdeburg

3.Fußball-Liga : Kaiserslautern will Abstiegskampf annehmen

Beim 1. FC Kaiserslautern ist die Vorfreude auf den Neustart der 3. Liga groß. Auch ohne die Unterstützung der Fans muss die Mannschaft von Trainer Schommers in den ausstehenden Spielen punkten, um den Absturz in die Viertklassigkeit zu verhindern.

Im Abstiegskampf der 3. Fußball-Liga will der 1. FC Kaiserslautern auch ohne seine treuen Fans bestehen und schon zum Neustart nach der fast dreimonatigen Corona-Pause im Geisterspiel beim 1. FC Magdeburg punkten. „Für uns ist das ein herber Verlust, weil wir einen geilen Support zuhause und auswärts haben“, sagte FCK-Trainer Boris Schommers auf der Presskonferenz am Donnerstag zu den anstehenden Geisterspielen. „Wir müssen das aber jetzt so annehmen, wie es ist.“

Bis zur Unterbrechung der Spielzeit hatten die Pfälzer mit 19 282 Besuchern den höchsten Zuschauerschnitt der 3. Liga verzeichnet. Wegen der Coronavirus-Pandemie müssen die ausstehenden elf Partien in fünf englischen Wochen allesamt vor leeren Rängen ausgetragen werden. Schommers sieht darin aber auch die Möglichkeit, noch mehr Einfluss auf ein Spiel zu nehmen.

An diesem Samstag (14.00 Uhr) muss der Tabellen-14. zunächst ohnehin auswärts antreten – beim Zweitliga-Absteiger und Tabellennachbarn aus Magdeburg (15.). Die Pfälzer haben in der Rückrunde noch kein Spiel gewinnen können und müssen dringend punkten, um nicht noch tiefer in den Abstiegsstrudel zu geraten. „Die Situation ist uns deutlich bewusst. Wir werden alles dafür tun, dass wir erfolgreich in die restlichen elf Spiele starten“, verkündete Schommers.

Vor der Corona-Pause hatten die Roten Teufel in Mannheim und gegen Meppen in der Schlussphase wichtige Punkte verschenkt. „Wir haben die Zeit genutzt, um alle Spiele nach der Winterpause aufzuarbeiten und den Spielern Hilfestellungen an die Hand zu geben, wie sie konsequenter und abgebrühter spielen können, um auch mal einen Vorsprung über die Zeit zu bringen“, berichtete Schommers. Mit Blick auf das Spiel in Magdeburg sagt Schommers: „Das Spiel beginnt grundsätzlich bei 0:0. Wir haben die letzten Wochen aus meiner Sicht gut genutzt, die Mannschaft brennt auf die Partie und freut sich, dass wir wieder in den Spielbetrieb einsteigen.“ Beim Gegner in Sachsen-Anhalt ist die Stimmungslage eine andere. Der Verein hatte sich ausdrücklich gegen eine Fortsetzung der Saison ausgesprochen und konnte erst am Dienstag mit der Wiederaufnahme des Trainings beginnen (Bericht unten). Die Auseinandersetzung mit dem DFB wirft einen Schatten auf die kommende Begegnung. Schommers warnt davor, dass Spiel aus diesen Gründen auf die leichte Schulter zu nehmen und verweist auf die Stärken des Gegners. „Magdeburg hat bereits vor dem Trainerwechsel in verschiedenen Systemen gespielt. Sie stehen sehr gut gegen den Ball und haben auch den einen oder anderen Schlüsselspieler in ihren Reihen, zudem in der Offensive gute Spieler.“

Beim FCK lief die Vorbereitungszeit auf das Spiel im Vergleich zum Gegner etwas ruhiger ab, normal war sie aber auch nicht. Schommers: „Sicher war das eine ungewöhnliche Vorbereitungszeit. Wir müssen uns über die Spiele wieder an den Wettkampf herantasten. Um die Partie aber erfolgreich zu gestalten, müssen wir unsere Tugenden auf den Platz bringen und das erwarte ich auch von meiner Mannschaft.“ Dem FCK steht gegen den FCM, mit Ausnahme der Langzeitverletzten, fast der komplette Kader zur Verfügung. Sicher fehlen wird Lucas Gottwald, der sich in der Vorbereitung schwer verletzte. Ein kleines Fragezeichen steht außerdem noch hinter dem Einsatz von Simon Skarlatidis, den Adduktoren-Probleme plagen.

Schon am kommenden Mittwoch steigt dann das erste Geister-Heimspiel gegen 1860 München. Die Roten Teufel werden dabei – wie auch in den nachfolgenden Partien auf dem 100-jährigen Betzenberg – keine künstliche Atmosphäre schaffen. „Fans, die den Fußball nun mal mit all ihrer Emotion und Leidenschaft im Stadion verkörpern, sind einfach durch nichts zu ersetzen – schon gar nicht beim FCK. Aus diesem Grund haben wir uns bewusst dazu entschieden, auf jegliche Stilmittel der Fankultur oder sonstige optische und akustische Aufwertung dieser Geisterspiele zu verzichten“, sagte Alexander Krist, der Fanbeauftragte des FCK.

Ein wichtiges Signal zur Bewältigung der finanziellen Krise sendete die Mannschaft schon vor dem ersten Pfiff. Alle Profis verzichten auf einen Teil ihres Gehaltes. „Wir wollen damit ein solidarisches Zeichen setzen und gleichzeitig zeigen, wie sehr uns der Verein am Herzen liegt“, begründeten die FCK-Spieler ihre kollektive Entscheidung.Die Roten Teufel plagen aktuell Schulden in Höhe von rund 20 Millionen Euro. Geschäftsführer Soeren Oliver Voigt und Sportdirektor Boris Notzon sprachen daher von einem „bemerkenswerten Zeichen der Spieler“. Trainer Schommers bezeichnete die Lösung als „guten Konsens für alle Beteiligten“.

(dpa)