1. Pfälzischer Merkur

Bundestagswahl 2021: Wahlplakate in Zweibrücken von CDU, FDP und Grüne

Wahlplakte in Zweibrücken : Lächelnde Politiker – gefühlt an jeder Ecke

Auch in diesem Jahr werden sie im Wahlkampf überall hingehängt und -geklebt – die Wahlplakate. Doch wie viel Plakate sind in Zweibrücken pro Partei eigentlich erlaubt? Und machen sie überhaupt noch Sinn? Der Merkur hat sich umgehört.

Vier Wochen vor der Bundestagswahl ist sie wieder da. Jene Zeit der dauerlächelnden, nie schlafenden Politiker, die achtsam über die Stadt wachen. Die wenig schüchtern zu all den Volljährigen den Augenkontakt suchen. Und das gefühlt an jeder Ecke, an jeder Kreuzung. Stets selbstbewusst, zielstrebig, immer gut gelaunt – komme, was wolle. Mitunter prangt dann auch noch ein prägnanter, mal fetziger Spruch unter dem Konterfei, der so einiges verspricht. Mindestens mal ein besseres Leben, eine etwas heilere Welt.

Ja, die Zielgerade des Wahlkamps ist auch immer die Zeit der Wahlplakate, die hier, dort und überall stehen. Soweit das Auge reicht. So oder so ähnlich ist das auch in Zweibrücken. Auch hier buhlen alle paar Minuten ein Politiker, eine Politikerin um die Gunst der Wähler. Spätestens. Darunter solche, die als Direktkandidat/in antreten und für Zweibrücken in den Bundestag einziehen wollen. Etwa Erika Watson (FDP) und Florian Bilic (CDU). Oder selbstverständlich auch die Kandidaten auf das Kanzleramt: Olaf Scholz (SPD) und Annalena Baerbock (Grüne) zum Beispiel. Auch von echten oder unechten Polizistinnen wird man im Übrigen aufgefordert, die CDU zu wählen.

Doch wie viele Wahlplakate sind in Zweibrücken pro Partei eigentlich erlaubt? Laut Alessa Buchmann, der Leiterin des Zweibrücker Hauptamtes, gibt es zwischen den Parteien „keine generelle Abstufung“ mehr. Anders als etwa noch bei der Kommunalwahl 2019. Damals waren der CDU und SPD 200, den Grünen oder den Linken als kleinere Partei jedoch nur die Hälfte bewilligt worden. Doch in diesem Wahlkampf gilt „im Rahmen der Gleichbehandlung“ nun, dass jeder Partei „200 Wahlwerbeträger“ zustehen. Höchstens.

Eine numerische Vorgabe, die sich jedoch nur auf die doppelseitigen Plakate in DIN-A1-Format bezieht, die etwa in der Fußgängerzone zu sehen sind. „Darüber hinaus haben wir jeder Partei zehn Standorte für Großflächenplakate zur Verfügung gestellt“, teilt Buchmann mit. Einer dieser Standorte befindet sich etwa am Bubenhauser Kreisel. Dort buhlen aktuell die Kanzlerkandidaten Baerbock, Scholz und Armin Laschet (CDU) auf ziemlicher Augenhöhe um die Aufmerksamkeit der hoffentlich nicht zu sehr abgelenkten Autofahrer. Auch von CDU-Direktkandidat Florian Bilic wird man an dieser Stelle in der Rosenstadt begrüßt. Mit einem Lächeln natürlich.

Völlig willkürlich dürfen die Parteien ihre immerzu optimistisch dreinschauenden Aushängeschilder allerdings nicht befestigen. So sind in der Fußgängerzone, also zwischen Hall- und Alexanderplatz, maximal fünf doppelseitige DIN-A1-Plakate erlaubt. Hinzu kommt: „In der Innenstadt sind zwei Plakate übereinander nicht zugelassen“, stellt Buchmann klar. Eine Vorgabe, die für die Kaiser-, Fruchtmarkt-, Lamm-, Landauer-, Saarland-, Hofenfels- und Bismarckstraße greift. Bei den großen Plakaten „werden die Standorte mit dem Ordnungsamt besprochen“, sagt Buchmann. Das etwas abgewandelte Sprichwort: Wer zuerst an den Standort kommt, plakatiert zuerst, gilt hier also nicht.

Die CDU habe bereits alle 200 Plakate verteilt, den größten Teil davon in der Innenstadt, sagt Herbert Beckmann bei der stichprobenartigen Merkur-Umfrage. Er ist als Stellvertretender Parteivorsitzender stark in den Wahlkampf der Christdemokraten eingebunden. Die Frage, ob er Wahlplakate in Zeiten der Digitalisierung noch als ein Stimmen bringendes Instrument ansieht, beantwortet er mit „teils so, teils so“. „Die Älteren bleiben stehen, die Jugendliche laufen daran vorbei und informieren sich eher im Internet“, vermutet Beckmann.

Ähnlich sieht das Erika Watson, die für die FDP im Wahlkreis 210 in den Bundestag einziehen will. „Es gibt ja einige Studien darüber – die Meinungen gehen da auseinander, sind zwiegespalten“, sagt sie. Watson selbst setzt auch in diesem Wahlkampf auf eine ausreichende Plakatierung. „Bislang haben wir 160 Plakate in der Stadt befestigt“, sagt die FDP-Frontfrau.

Die Grünen setzen im Vergleich zu der CDU und der FDP deutlich weniger Wahlplakate als Stimmenfänger ein. „Wir plakatieren in der Stadt nur auf Großflächen – etwa an der Aral-Tankstelle“, sagt Dagmar Pohlmann, Schatzmeisterin des Grünen Kreisverbands Zweibrücken: „Ich denke, das ist für die Nachhaltigkeit wichtig.“ Denn anders als die DIN-A1-Werbeträger sind die Plakate auf Großflächen nicht aus Plastik, sondern aus Papier. Hinzu kommt: „Die Plakatierung ist insgesamt sehr teuer“, sagt Pohlmann. So koste eine große Plakatwand für etwa zwei Wochen 300 Euro. Und „das ist für einen kleinen Kreisverband nur schwer zu stemmen“.

Stimmverlust befürchtet sie jedoch nicht. Im Gegenteil. „Wir setzen neben den Großflächen eher auf Facebook und Instagram“, sagt Pohlmann. Auch der Infostand jeden Samstag von 10 bis 13 Uhr in der Fußgängerzone soll den Grünen noch das eine oder andere Kreuzchen einbringen.

„Wir sind der Meinung, dass Plakatwerbung weiter wichtig ist“, sagt Stéphane Moulin, Vorsitzender des SPD Unterbezirks Pirmasens-Zweibrücken. „Es ist zwar nicht das alleinige Mittel, hat aber insgesamt den Sinn, auf eine Wahl aufmerksam zu machen und plakativ unsere Nachrichten an die Menschen zu bringen.“ Moulin meint, dass die SPD die Anzahl der maximal erlaubten Großplakate wohl nicht ausschöpfen wird. Obwohl er mit denen, die an prägnanten Orten im Wahlkreis aufgestellt sind, recht zufrieden ist: „Wenn da viele Fotos hängen mit dem hohen Rotanteil, sind wir doch relativ gut wahrnehmbar.“ Die DIN A1-Plakate hingegen sind verteilt an die Genossen vor Ort, „der ganz große Teil hängt bereits“. Einen Teil habe man in der Hinterhand behalten. „Es geht ja immer mal was verloren“ – ob durch Wind und Wetter oder durch aggressive Mitmenschen. Für die SPD im Wahlkreis ist die Wahlwerbung über Soziale Medien maximal eine Ergänzung. Um die kümmere sich auch in erster Linie Spitzenkandidatin Angelika Glöckner mit ihrem Team. „Die Kandidatin wirbt ja bei Facebook für ihre Veranstaltungen und postet Kurzberichte über ihre Aktivitäten. Wir teilen das dann“, sagt Moulin.

 Die CDU wirbt mit einer (falschen) Polizistin .
Die CDU wirbt mit einer (falschen) Polizistin . Foto: Moritz Scheidel

Ein wenig Zeit bleibt den Parteien bis zum Wahltag am 26. September noch. Knapp vier Wochen. Dann, so viel ist sicher, werden nicht mehr alle Politiker/innen dauergrinsen. Spätestens beim Wurf in die Tonne nicht mehr.