1. Pfälzischer Merkur

Amtsgericht spricht Urteil gegen Todesfahrer von Pirmasens

Amtsgericht Pirmasens verhängt Gefängnisstrafe : „Warum musste unser Sohn von einem Betrunkenen totgefahren werden?“

Der 51-Jährige Todesfahrer von Pirmasens wurde wegen fahrlässiger Tötung, fahrlässiger Körperverletzung in sechs Fällen, Straßenverkehrsgefährdung und Unfallflucht zu einer Gefängnisstrafe von drei Jahren verurteilt.

Warum hat sich der Mann in jener verhängnisvollen Nacht zum 14. Juni überhaupt ans Steuer seines vor der Gaststätte „Hoepfner-Pilsquelle“ in der Pirmasenser Blümelstalstraße abgestellten Wagen gesetzt? Warum hat er anschließend mit seinem Gefährt wilde Lenkmanöver vollführt, wodurch er ein am Fahrbahnrand geparktes Auto rammte? Warum ist er dann einfach weitergefahren? Warum hat er nicht auf einen Taxifahrer gehört, der ihn auf seine Fahrerflucht aufmerksam machte? Und warum ist er dann zur Kneipe zurückgekehrt, um in eine dort auf eine Mitfahrgelegenheit wartende Menschengruppe zu rasen? Diese und noch weitere Warum-Fragen stellte der Vorsitzende Richter Alexander Kolb in seiner Urteilsbegründung, um selber die eine Antwort zu geben: „Wegen Alkoholkonsums in überhöhtem Maße.“ Schließlich habe ein Sachverständiger den Blutalkoholspiegel des Fahrers zum Tatzeitpunkt auf 2,64 Promille hochgerechnet. Sein unverantwortliches Handeln habe „immensen Folgen“ gehabt: ein Toter und sechs teilweise schwer verletzte Männer und Frauen im Alter zwischen 30 und 47 Jahren.

Am Donnerstagabend hat das Schöffengericht des Amtsgerichts Pirmasens den 51-jährigen Pirmasenser wegen fahrlässiger Tötung, fahrlässiger Körperverletzung in sechs Fällen, Straßenverkehrsgefährdung und Unfallflucht zu drei Jahren und drei Monaten Gefängnis verurteilt. Staatsanwalt Christian Horras hatte in seinem Plädoyer sogar dreieinhalb Jahre Haft, der Verteidiger des 51-Jährigen, der Pirmasenser Rechtsanwalt Thomas Stumpf, lediglich eine zweijährige Bewährungsstrafe für seinen Mandanten beantragt. In seinem Schlusswort entschuldigte sich der Unfallfahrer bei den Eltern des Getöteten und den Verletzten, die während des Prozesses als Nebenkläger auftraten. Unter Tränen und mit versagender Stimme sagte er: „Es tut mir aufrichtig leid. Ich kann‘s nicht wieder gutmachen.“ Zuvor hatte er durch seinen Anwalt „den angeklagten Sachverhalt“ zwar eingeräumt, wollte sich aber an das Geschehen nicht mehr erinnern können.

Bei dem schweren Verkehrsunfall vor knapp einem halben Jahr war ein 39-jähriger Mann aus Obersimten ums Leben gekommen, sechs weitere Gäste von „Hoepfner-Pilsquelle“ wurden teils schwer verletzt. Mehrere Geschädigte befinden sich aufgrund des Erlebten noch immer in psychologischer Behandlung.

Auch jenem Taxifahrer, der dem 51-jährigen in jener Nacht noch nachgefahren war, um ihn auf den Schaden an dem von ihm ramponierten anderen Fahrzeug aufmerksam zu machen, versagte immer wieder die Stimme, als er sich zum Tathergang äußerte. Nachdem der 41-Jährige wieder auf den späteren Unfallort zufuhr, zu dem der 51-Jährige nach seinem Hinweis zurückgerast war, habe er zunächst einen Knall gehört, dann Schreie und Hilferufe. Als er vor der Kneipe eintraf, „lagen drei oder vier Leute am Boden“, berichtete der Chauffeur im Zeugenstand. Er habe sofort die Polizei und Krankentransporter gerufen und erste Hilfe geleistet – auch bei dem kurze Zeit später verstorbenen Obersimters.

Was der Taxifahrer nicht wusste: Es war ein aussichtsloser Kampf. Am Donnerstag sagte eine medizinische Gutachterin, dass der 39-Jährige wegen seiner schweren Verletzungen wohl nur „noch einige Atemzüge“ gemacht haben könne. Der Obersimter habe einen Schädelbasis- und einen Beckenbruch erlitten.

Ein psychiatrischer Gutachter bescheinigte dem Angeklagten, der nicht vorbestraft ist, wegen seines hohen Blutalkoholspiegels eine eingeschränkte Schuldunfähigkeit.

Die Mutter des auf so tragische Weise ums Leben gekommen 39-Jährigen sagte am Ende der Verhandlung unter Tränen: „Dieser Mensch hat unseren Sohn das leben genommen und unser Leben ruiniert. Wir (die Eltern) gehen durch die Hölle.“ Die 71-Jährige zum Schluss: „Warum musste unser Sohn von einem Betrunken totgefahren werden?“ Diese Warum-Frage wird wohl unbeantwortet bleiben.