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Amtsgericht Pirmasens: Zungenkuss mit Minderjähriger im Bus strafbar

Amtsgericht Pirmasens : Dieser Zungenkuss im Linienbus bleibt strafbar

Ein 54-Jähriger hat vor dem Jugendrichter am Amtsgericht Pirmasens seinen Einspruch gegen einen Strafbefehl wegen sexuellen Missbrauchs zurückgenommen.

Normalerweise ist ein allzu hingebungsvoller Zungenkuss in einem Linienbus schlimmstenfalls ein öffentliches Ärgernis. Wenn es sich bei dem auf diese Weise Zärtlichkeiten austauschenden Paar allerdings – wie in den Osterferien des Jahres 2018 geschehen – um ein 13-jähriges Mädchen und den 52-jährigen Busfahrer handelt, wird’s kritisch. Zumal die junge Schmalenbergerin den Chauffeur Monate später nicht nur wegen dieser Zudringlichkeit angezeigt hatte.

Der Zungenkuss war offenbar nur die Spitze des Eisbergs. Der Mann soll das Mädchen im Bus an verschiedenen Tagen auch auf seinen Schoß gezogen, ihm zwischen die Beine gegriffen, unter der Bluse die nackte Brust gestreichelt und ihr immer mal wieder Liebesbekundungen über einen Kurznachrichtendienst geschickt haben. Deshalb war der inzwischen 54-Jährige, der nach eigenen Angaben in Kleinsteinhausen wohnt, im April wegen sexuellen Missbrauchs von Kindern vom Amtsgericht Pirmasens per Strafbefehl zu acht Monaten Freiheitsentzug verurteilt, die Strafe zur Bewährung ausgesetzt worden. Gegen diesen Strafbefehl hatte er Einspruch eingelegt, weshalb die – wie es im Juristendeutsch heißt – Jugendschutz-Sache am Mittwoch vor dem Jugendrichter des Amtsgerichts Pirmasens, Alexander Kolb, landete.

Dort legte Staatsanwalt Christian Heinekamp dem 54-Jährigen erneut zur Last, in den Osterferien des Jahres 2018 in seinem Linienbus „sexuelle Handlungen an einer Person unter 14 Jahren“ vorgenommen zu haben.

Zunächst bestritt der gelernte Dachdecker, der nach eigenen Angaben aber „seit 20 Jahren“ als Busfahrer tätig ist, den Zungenkuss, die Griffe zwischen die Beine und an die Brust. Er kenne das Mädchen zwar „seit dem dritten Lebensjahr“, sei ihm später auch immer mal wieder begegnet und habe es in seinem Bus zur Schule in Waldfischbach-Burgalben gefahren. Jedoch habe er sich eher als „väterlicher Ratgeber“ gesehen, wenn es mal „Kummer“ gehabt habe. So habe er der 13-Jährigen, als er mitbekommen habe, dass sie die Schule schwänzte, gesagt: „Sowas macht man nicht.“ Mehr sei da nie gewesen.

Dass sie ihn irgendwann angezeigt hatte, könne er bis heute nicht verstehen: „Ich habe doch gar nichts gemacht!“ Nichts gemacht? Von Staatsanwalt Heinekamp angesprochen auf mehrere Aussagen von Zeugen, die gesehen haben wollen, wie der Busfahrer das Mädchen auf seinen Schoß gezogen hatte, gab der 54-Jährige immerhin zu: „… aber nur ganz kurz!“ Einen Kuss will er allenfalls mit seinem Zeigefinger, den er erst auf seinen Mund und dann auf die Wange des Mädchens gedrückt habe, lediglich angedeutet haben.

Schließlich, nach langem Zureden von Jugendrichter und Staatsanwalt gestand er schließlich doch ein: Ja, es sei einmal zu einem Zungenkuss mit dem Mädchen gekommen: „Es hat mich geküsst, und ich habe mitgemacht.“ Daraufhin wollte Staatsanwalt Heinekamp wissen, wie er denn als damals 52-Jähriger darauf gekommen sei, einem 13-jährigen Mädchen („Wir reden hier von einem Kind!“) einen Zungenkuss zu geben. „Es ist einfach so passiert“, antwortete der Angeklagte. „Mehr war aber auch nicht.“

Dass mehr passiert war, er sich zumindest mehr erhofft hatte, lassen die von Richter Kolb verlesenen Kurznachrichten erahnen, die der Busfahrer seinerzeit mit dem Mädchen übers Handy ausgetauscht hatte. Darin schrieb er ihr verliebte Sprüche wie „Jeder Tag ohne Dich ist ein verlorener Tag“, „Vermisse Dich jede Sekunde“ und „Du bist mein Herz und meine Seele“. Zudem schickte er der 13-Jährigen unzählige digitale Herzchen, Blümchen und Schmetterlinge.

Ob dieser Indizien gelang es dem Pflichtverteidiger des 54-Jährigen, der Pirmasenser Rechtsanwalt Andreas Meuthen, seinen Mandanten während einer kurzen Unterbrechung der Verhandlung davon zu überzeugen, seinen Einspruch gegen den Strafbefehl zurückzunehmen: „Er möchte den Zeugen, insbesondere der Geschädigten, die Aussagen ersparen.“ Das damaliges Verhalten seines Mandanten der 13-Jährigen gegenüber habe nicht dem Verhalten eines „väterlichen Freundes“ entsprochen, erklärte Meuthen namens des 54-Jährigen. Es bleibt also bei den acht Monaten Freiheitsentzug auf Bewährung.

Ungewöhnlich: Der 54-Jährige, dem übrigens kürzlich vom Busunternehmen gekündigt wurde (er hatte verbotenerweise immer mal wieder Fahrgäste auf Leerfahrten mitgenommen), hat die 500 Euro Bewährungsauflage aus dem Strafbefehl vom April bereits bezahlt – bevor er dagegen Einspruch einlegte. Offenbar hatte er wohl selbst nicht so recht an einen Erfolg glauben wollen.