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500. Jahrestag Widerrufs-Verweigerung von Martin Luther in Worms

500. Jahrestag Widerrufs-Verweigerung von Martin Luther in Worms : „Widerspruch auch heute nötig“

Am 18. April 1521 steht Martin Luther in Worms dem Kaiser gegenüber. Der Mönch soll seine Schriften widerrufen – und weigert sich. Ein halbes Jahrtausend später schlägt das Gedenken eine Brücke zum Heute. Es fallen auch kritische Worte.

Am 500. Jahrestag der Widerrufsverweigerung von Martin Luther in Worms hat die Evangelische Kirche die Zivilcourage des Reformators als beispielhaft gewürdigt. Auch heute sei Widerstand überall dort gefragt, wo Menschen verfolgt oder hingerichtet würden, sagte der hessen-nassauische Kirchenpräsident Volker Jung am Sonntag in einem Fernsehgottesdienst in Worms. Widerspruch sei auch gegen jede Form von Rassismus, Antisemitismus und Islamfeindlichkeit nötig. Das gelte ebenfalls für Äußerungen von Luther gegen Juden. Auch auf Fehler und Missstände in den Kirchen müsse man schauen.

Es sei gut, für seine Überzeugungen einzutreten. „Aber Achtung: Widerspruchsgeist ist kein Wert an sich. Es gibt Menschen, die standhaft widersprechen und auch sehr viel Unsinn vertreten“, sagte Jung in der Magnuskirche von Worms. „Zu behaupten, dass es keine Pandemie gibt und zu sagen, dass Corona nicht schlimmer ist als eine Grippe, das ist völlig unangemessen.“ Wer sich mit einem solchen Widerspruch auf Luther berufe, habe den Reformator nicht verstanden. Dieser habe sich auf das Evangelium und die Vernunft gestützt.

In 95 Thesen hatte Luther damals den Ablasshandel der katholischen Kirche kritisiert, sich von Sünden freikaufen zu können. Vor dem Reichstag in Worms weigerte sich der Mönch dann am 18. April 1521, seine Schriften offiziell zu widerrufen. Dabei werden ihm die berühmten Sätze „Hier stehe ich. Ich kann nicht anders“ zugeschrieben. Reformation und Kirchenspaltung nahmen ihren Lauf.

Der Mainzer Bischof Peter Kohlgraf sprach sich in dem Gottesdienst für eine Stärkung der Ökumene aus. „Es ist ein starkes Zeichen, dass wir diesen Tag gemeinsam feiern, evangelische und katholische Christen. Es ist ein Zeichen für eine starke ökumenische Geschwisterlichkeit, die gewachsen ist.“ Kohlgraf war aus seinem Arbeitszimmer zugeschaltet. Wegen eines Corona-Falls in der Umgebung befinde sich der Bischof in häuslicher Quarantäne, hieß es. Der Gottesdienst wurde wegen der Pandemie nicht öffentlich gehalten.

Am Samstagabend hatte eine bildstarke Licht- und Musik-Inszenierung in Worms an den Besuch Luthers erinnert. Regisseur Parviz Mir-Ali projizierte eine etwa dreißigminütige Zeitreise auf die Fassade der Dreifaltigkeitskirche.

In der Mischung aus Computertechnik, Livemusik und Bühnenspektakel verkörperte der Schauspieler Isaak Dentler den Mönch Luther. Dessen Ankläger spielte – übergroß auf der Fassade – der Darsteller Rufus Beck. Die Multimedia-Inszenierung schlug auch einen Bogen zu anderen mutigen Menschen der Zeitgeschichte – etwa Sophie Scholl, Mahatma Gandhi und Martin Luther King.

Mit rund 750 Quadratmetern Projektionsfläche werde die Dreifaltigkeitskirche zur größten Leinwand Deutschlands, warb die Evangelische Kirche für die Inszenierung. Die ursprünglich vor Livepublikum geplante Aufführung „Der Luther-Moment“ war pandemiebedingt nur im Fernsehen mitzuerleben.