1. Pfälzischer Merkur

1. FC Kaiserslautern hat die Drittliga-Saison auf Platz 10 abgeschlossen

1. FC Kaiserslautern : Kein Aufstieg, kein Geld: FCK vor schweren Zeiten

Der 1. FC Kaiserslautern hat die Drittliga-Saison auf dem zehnten Platz abgeschlossen. Es muss ein Neuanfang her – sportlich und wirtschaftlich. Pick will gehen.

Nach dem versöhnlichen Abschluss einer wieder einmal verkorksten Saison blickt der 1. FC Kaiserslautern in eine ungewisse Zukunft. Dank des 1:0 (0:0)-Sieges gegen Drittliga-Meister Bayern München II beendeten die zwischenzeitlich sogar vom Absturz in die Viertklassigkeit bedrohten Pfälzer die Corona-Saison 2019/20 mit 55 Punkten zwar noch auf Rang zehn – die als Ziel ausgegebene Rückkehr in die 2. Fußball-Bundesliga wurde aber deutlich verpasst.

Immerhin zeigte der viermalige deutsche Meister zum Abschluss noch einmal einen ansprechenden Auftritt, was Trainer Boris Schommers positiv hervorhob. „Das war eine charakterliche Meisterleistung meiner Mannschaft. Wir haben den Gegner nicht zur Entfaltung kommen lassen, die Räume eng gehalten und als Mannschaft sehr gut verteidigt“, resümierte Schommers. Er ergänzte: „Die Bayern haben seit 14 Spielen nicht mehr verloren und haben hier alles gegeben, weil sie gewinnen mussten, um den Aufstieg aus eigener Kraft einzutüten.“

Am Ende feierten die Münchner im Fritz-Walter-Stadion aber dennoch die Meisterschaft, weil weder Eintracht Braunschweig noch die Würzburger Kickers ihre Parallelspiele gewonnen hatten. Aufsteigen darf die Zweitvertretung des deutschen Rekordmeisters freilich nicht. Und mit dem Aufstieg hatten auch die Roten Teufel letztlich nichts zu tun. Nach der Winterpause verspielte der FCK diese Möglichkeit, als er in den sieben Partien bis zur Corona-Pause keinen Sieg landete. Nach dem Neustart gelangen sechs Siege und drei Unentschieden bei nur zwei Niederlagen. Lediglich die Bayern-Reserve sowie die Zweitliga-Aufsteiger Braunschweig und Würzburg holten seit Ende Mai mehr Punkte.

In dem munteren Spiel gegen die Bayern war Christian Kühlwetter im Fritz-Walter-Stadion der einzige Torschütze. Kurz nach der Halbzeit erlief er einen schwachen Rückpass von Münchens Kapitän Nicolas Feldhahn, zog rechts an Torhüter Ron-Thorben Hoffmann vorbei und schob den Ball ins leere Tor (46. Minute). In der ersten Halbzeit hatten sich die beiden Teams einen Schlagabtausch geliefert, bei dem auf Seiten der Pfälzer Janik Bachmann die größten Gelegenheiten vergab (10./36.). Auf der Gegenseite zischte ein Freistoß von Max Welzmüller (29.) nur knapp am FCK-Tor vorbei. Nach dem Seitenwechsel war Kaiserlautern in der Offensive durch Konter stets gefährlich und hielt die anstürmenden Bayern in der Defensive weitestgehend vom eigenen Tor weg. Einmal hatte der FCK aber auch Glück. Einen harmlosen Fernschuss von Josip Stanisic ließ FCK-Torwart Avdo Spahic unter dem Körper durchrutschen – doch das Leder sprang vom Pfosten zurück ins Feld.

Der Sieg gegen den Meister der 3. Liga konnte beim FCK freilich nicht über eine insgesamt enttäuschende Runde hinwegtäuschen. „Die Saison war nicht zufriedenstellend“, meinte Kühlwetter, der monierte, dass der FCK zu viele Punkte leichtfertig liegengelassen habe.

Durch das erneut verpasste Klassenziel und finanzielle Zwänge – die Pfälzer stellten Mitte Juni einen Antrag auf Eröffnung eines Insolvenzverfahrens in Eigenverwaltung – wird sich der FCK-Kader verändern. Torhüter Lennart Grill spielt künftig für Bayer Leverkusen. Alexander Nandzik, Gino Fechner und der ehemalige Kapitän Christoph Hemlein erhielten keine neuen Verträge. Auch Andri Bjarnason, Theodor Bergmann oder André Hainault sind Kandidaten für einen Wechsel.

Einer, der nicht gehen soll – aber will, ist Kaiserslauterns Topscorer Florian Pick (13 Tore, elf Vorlagen). Ihn zieht es zum 1. FC Heidenheim. „Ich habe den Verantwortlichen gesagt, dass ich in der 2. Liga den nächsten Schritt machen möchte, ich hoffe wir finden eine vernünftige Lösung“, sagte Pick nach dem Spiel am Samstag am SWR-Mikrofon. Der FCK blockt bislang ab und verweist auf den laufenden Vertrag des Stürmers bis 2021. Fest stehen zwei Neuzugänge: Aus Unterhaching kommt Innenverteidiger Alexander Winkler, aus Meppen Mittelfeldspieler Marius Kleinsorge. Der nach Zwickau verliehene Angreifer Elias Huth kehrt auf den Betzenberg zurück.

Während auf sportlicher Ebene zuletzt ein positiver Trend zu verzeichnen war, geht es wirtschaftlich für den mir rund 24 Millionen Euro verschuldeten Verein nicht vorwärts. Zwar hat ein neuer Investor sein Interesse bekundet, unterschrieben ist aber noch nichts. Vielmehr sorgen Gerüchte in den sozialen Netzwerken immer wieder für Unruhe. Die Pfälzer sahen sich zuletzt sogar zu einem öffentlichen Dementi genötigt, dem wiederum der Aufsichtsratsvorsitzende Jörg Wilhelm via Twitter indirekt widersprach. Die Chaos-Tage in Kaiserslautern gehen also weiter.